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Die Kinder, die beim Pilotprojekt 2022 dabei waren, hatten offensichtlich viel Spaß | © DGV

Ein Meilenstein der Talentdiagnostik

Ziel ist es, in einem sehr frühen Altersbereich der Kinder unter elf Jahren Merkmale zu erfassen, die nach heutigem Stand der Forschung am ehesten eine valide Vorhersage langfristiger sportlicher Entwicklung jenseits von Zählspielresultaten oder trainierbaren Fähigkeiten erlauben. Golf.de sprach mit den Initiatoren, wissenschaftlichen Begleitern und Organisatoren des Projekts: Professor Dr. Klaus Roth (Universität Heidelberg), Michael Scholl und Marcus Neumann ( beide DGV).


 

Golf.de: Herr Professor Roth, internationale Studien zeigen, dass bisherige Talentdiagnostik im Sport wenig treffsicher ist. Nur ein kleiner Prozentsatz der späteren Weltklasseathleten wurde als Kind überhaupt als „Talent“ identifiziert. Was macht der DGV Talent Cup in dieser Hinsicht grundlegend anders?

Klaus Roth: In der Tat ist es ein zentrales Problem der bisherigen Talentdiagnostik, dass oft Parameter erfasst wurden, die stark trainingsbeeinflussbar sind und damit wenig prädiktiven Wert haben. Nur etwa zwölf Prozent der späteren Olympiasieger und Weltmeister waren in ihrer Kindheit überhaupt als Talente erkannt worden. Das liegt daran, dass man zu oft auf kurzfristige Leistungswerte geschaut hat. Im DGV Talent Cup verfolgen wir einen anderen Ansatz: Es geht um utilisatorische Diagnostik – wir wollen erfassen, welche sportlich relevanten Merkmale ein Kind wirklich mitbringt, also welche biologischen und psychischen Potenziale langfristig nutzbar sein könnten. Das Konzept orientiert sich deshalb stark am Heriditätsprinzip: Wir analysieren leistungsbegrenzende, anlagebedingte Merkmale, wie etwa Koordination, Reaktionsschnelligkeit oder Konzentrationsfähigkeit. Dabei berücksichtigen wir auch exogene Faktoren wie die Trainingsbiographie. Ein besonders wichtiger Aspekt ist das biologische Alter, das sich bei formal 11-jährigen Kindern um bis zu fünf Jahre unterscheiden kann. Dieses wird mithilfe des Sonic Bone Tests erfasst und dient zur Relativierung von Ergebnissen. Damit schaffen wir eine deutlich fairere und fundiertere Grundlage für langfristige Entwicklungsprognosen.


 

Golf.de: Welche zentrale Zielsetzung verfolgt der DGV mit dem Talent Cup 2025 und was unterscheidet diese Veranstaltung grundlegend von einem klassischen Jugendturnier?

Michael Scholl: Ziel ist die Sensibilisierung der Clubs sowie der Landesgolfverbände für die Bedeutung einer altersspezifischen, allgemeinmotorischen und golfspezifischen Arbeit in der Altersklasse U11. Darüber hinaus dient diese Veranstaltung dem DGV durch wissenschaftlich fundierte Identifikation und langfristige Förderung motorisch und psychologisch vielversprechender Talente. Der sportliche Vergleich zwischen Landesgolfverbänden ist dabei explizit nicht das Ziel.


 

Golf.de: Welche konkreten Problemfelder in der Nachwuchsförderung haben zur Entwicklung dieses Formats geführt? Welche strukturellen Impulse erhofft sich der DGV für Vereine und Landesgolfverbände?

Michael Scholl: Es gibt einen erheblichen Nachholbedarf bei kindgerechten Ausbildungsinhalten. Wir wollen die Basis verbreitern und gezielter in Aus- und Fortbildung investieren. Die rückläufigen Mitgliederzahlen im Kinder- und Jugendbereich sowie stagnierende HCPI-Entwicklungen in der AK14 sind für uns Anlass, frühzeitig und systematischer zu agieren. Ziel ist ein Umdenken in der Talentförderung: weg vom kurzfristigen Leistungsvergleich, hin zur ganzheitlichen Potenzialanalyse.


 

Golf.de: Wie ist die Veranstaltung im Juni zeitlich und organisatorisch aufgebaut?

Michael Scholl: Geplant ist ein modularer Aufbau mit einem Golfwettkampf am 19. Juni. An den drei folgenden Tagen absolvieren die Kinder sechs Module in rotierender Stationsarbeit, jeweils wissenschaftlich begleitet, standardisiert und sportlich herausfordernd.


 

Golf.de: Nach welchen Kriterien werden die Leistungen der Kinder in den Modulen erfasst und ausgewertet?

Michael Scholl: Es erfolgt eine Kombination aus objektiven Tests, wie Darts, Bowls, Trackman und dem Wiener Testsystem. Dazu kommen noch subjektive Einschätzungen durch geschulte Betreuer. Die Daten dienen der Ableitung relevanter Merkmale für die spätere sportliche Entwicklung. Den Kindern selbst werden nur absolute Ergebnisse mitgeteilt. Die Landestrainer erhalten zusätzlich normierte, biologisch relativierte Ergebnisse.


 

Golf.de: Welche Rolle übernehmen der GC St. Leon-Rot, das Research Lab der TSG Hoffenheim sowie das Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg im organisatorischen und konzeptionellen Ablauf?

Michael Scholl: Der DGV betreibt in enger Kooperation mit dem GC St. Leon-Rot seinen Bundesstützpunkt, dessen exzellente Infrastruktur die Veranstaltung ermöglicht. Das Research Lab der TSG Hoffenheim übernimmt die Durchführung kognitiver und exekutiver Testverfahren. Das ISSW Heidelberg unterstützt uns personell über studentische Hilfskräfte zur Datenerhebung.


 

Golf.de: In welcher Weise ist die Teilnahme am DGV Talent Cup mit dem Qualitätsmanagementsystem des DGV im Nachwuchsleistungssport verknüpft?

Michael Scholl: Die Teilnahme ist verpflichtender Bestandteil des DGV-Qualitätsmanagements. Der Talent Cup soll jährlich stattfinden und sich als verlässlicher Bestandteil in der Talentdiagnostik etablieren.


 

Golf.de: Inwiefern wird der Talent Cup auch als Plattform zur Trainerschulung genutzt?

Michael Scholl: Trainer aus den Landesgolfverbänden sind aktiv über die begleitende C-Trainerausbildung als auch durch direkte Betreuung der Module eingebunden. Ziel ist es, die Prinzipien kindgerechter Talententwicklung nachhaltig in die Clubs zu transferieren.


 

Golf.de: Welche konkreten Erkenntnisse wurden aus den Pilotveranstaltungen 2022 und 2023 gewonnen?

Michael Scholl: Die Pilotphasen waren zentral zur Validierung der Teststruktur, zur Optimierung einzelner Module und zur Festigung der Abläufe. Wir konnten wertvolle Erfahrungen für die wissenschaftliche und logistische Umsetzung sammeln.


 

Golf.de: Welche Bedeutung hat die Unterstützung durch die Dietmar Hopp Stiftung?

Marcus Neumann: Der DGV ist der Dietmar Hopp Stiftung außerordentlich dankbar. Die vollständige Finanzierung des Projekts 2025 wurde durch die Förderung ermöglicht. Ohne diese Unterstützung wäre eine derart aufwändige und qualitativ hochwertige Umsetzung nicht realisierbar gewesen.


 

Golf.de: Vielen Dank für das Gespräch.

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