Der Super-Mario vom Wannsee
Golf ist vieles im Leben von Mario Hansch. Als er 1996 Professional wurde, schoss Oli Bierhoff die deutsche Fußball-Nationalmannschaft per Golden Goal zum EM-Titel in England. Die Ausbildung absolvierte der Neuruppiner Hansch im nahen GolfResort Semlin am See. Mit dem Jahrtausendwechsel schloss er sich dem G&LC Berlin-Wannsee an. Ein Glücksgriff für den Hauptstadtclub, sozusagen das Golden Goal für das Leistungsgolf am Wannsee, wo die Damenmannschaft seit jeher zu den besten Teams der Republik zählt.
Mit dem weiblichen Nachwuchs vom Wannsee prägte Coach Hansch in den ersten 20 Jahren eine Ära, holte unzählige Titel und bildete zahlreiche Spielerinnen zu erfolgreichen Tour-Proetten aus. Mit den Damen gewann er 2003, 2006 und 2010 dreimal die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft, ehe 2013 die Deutsche Golf Liga eingeführt wurde. „Ich erinnere mich noch gut an die Eröffnung der DGL auf unserer Anlage, als Lara Katzy den ersten Ball schlagen durfte“, sagt Hansch. 2015 und 2021 triumphierte er mit Wannsee beim Final Four, 2020 beim Deutschen Mannschaftspokal, da wegen der Pandemie alles anders sein musste.
Seit 26 Jahren ist er nun am Wannsee engagiert, kennt die Zeit vor und nach der DGL. „Das Leistungsniveau im deutschen Damengolf hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert und verbessert“, sagt er. Seit knapp 20 Jahren ist er als Co-Trainer für die Nationalmannschaft zuständig und erklärt, man habe in den Anfängen mit Mühe zehn konkurrenzfähige Spielerinnen zusammenkratzen müssen. „Heute sichten wir zehn bis 20 aus einem viel größeren Repertoire. Dazu hat auch die DGL ihren Beitrag geleistet, die die Leistungsdichte vor allem in der Breite enorm vergrößert hat“, so Hansch. Und ohne Breite keine Spitze – zumindest wird DGV-Sportvorstand Marcus Neumann nicht müde, eben genau das immer wieder zu betonen.
Die Attraktivität der Liga spiegle sich auch in der Unterstützung durch bereits erfolgreiche Profis wieder. Hansch: „Dass Tour-Spielerinnen und Olympionikinnen wie Esther Henseleit und Alex Försterling auch noch zwischen den Tour-Events Zeit und Lust finden, für ihre Teams abzuschlagen, zeigt, wie attraktiv die DGL ist.“ Frequenz und der Rhythmus, sich unter Wettkampfbedingungen mit anderen ambitionierten Amateurinnen und Amateuren zu messen, seien durch die Liga deutlich gestiegen. Sie schaffe ein vertrautes Umfeld für junge, aufstrebende Talente, die sich Richtung Team Germany oder Tour-Profi entwickeln wollen.
Mit seinen Mannschaften hat Hansch unzählige Pokale gewonnen. Aber es sind nicht immer nur die Siege, die in Erinnerung bleiben und einen eher stillen Trainer zufrieden machen. Auf die Frage nach seinem schönsten DGL-Erlebnis antwortet der Wannseer Pro so: „Das Schönste war, als wir am letzten Spieltag 2025 bei uns auf der Anlage ausschließlich mit Mädels gespielt haben, die das Golfen bei uns gelernt haben. Das hat mich sehr gefreut und mit einer inneren Zufriedenheit erfüllt. Auch, weil wir den Spieltag klar gewonnen haben.“ Zufriedenheit ist das Stichwort. Die findet Mario Hansch aber nicht nur beim Golf.
Es gibt nämlich ein Leben außerhalb des Golfsports für den PGA Pro, auch wenn das viele für unmöglich halten. Er lebt mit Frau und zwei Söhnen rund zehn Kilometer von der Anlage des G&LC Berlin-Wannsee entfernt, braucht den Ausgleich: „Ich bewege mich sehr gerne, gehe Fahrrad fahren, Bouldern, Tennis oder Tischtennis spielen. Ab und zu spiele auch Klavier, zwar eher bescheiden, aber das lehrt mich Demut“, sagt Hansch. Das Wochenende 1./2. August hat er sich in seinem Kalender freigehalten. Da findet das Final Four im GC München-Riedhof statt. Hansch: „Da wollen wir wieder dabei sein.“
Der G&LC Berlin-Wannsee feiert in der Saison 2026 den 100. Geburtstag seines Golfplatzes. Da wäre es umso schöner, wenn das Team eine Medaille holen könnte. Am liebsten Gold. Dem Coach der Frauenmannschaft würde das am besten schmecken, denn Mario Hansch steht immer noch, in seinem 30. Jahr als Pro, wie kaum ein anderer für Leistungssport, Identifikation mit dem Club und Verlässlichkeit. „Wir wissen sehr genau, was wir an unserem Coaching-Team mit Mario und Daniel Mertl haben. Beide arbeiten seit vielen Jahren zusammen, holen bei ihren Ansprachen alle ab und stehen für eine enorm wertvolle Kontinuität“, so Wannsee-Sportdirektorin Miriam Hiller.








