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Zu viele Gedanken: Auch Stars wie Shane Lowry kennen die mentalen Herausforderungen wie Zweifel oder Angst vor dem Scheitern. | © golfsupport.nl/Jos Linckens

Der größte Gegner sitzt oft im eigenen Kopf

Golf ist bekanntlich viel mehr als nur ein Spiel, bei dem es um Technik geht. Oft entscheidet der Kopf darüber, ob ein Spieler sein Können auch unter Druck abrufen kann. Der renommierte Sportpsychologe Dr. Bhrett McCabe spricht im im Video (s.u.) mit TV-Expertin Iona Stephen über mentale Stärke, Selbstvertrauen und die Fehler, die viele Golfer sowohl im Training als auch im Wettkampf machen.

Mehr als positives Denken

Für McCabe ist der Glaube an sich selbst mehr als positives Denken. „Selbstvertrauen ist das Mächtigste, was ein Spieler haben kann“, sagt er. „Wahrer Glaube bedeutet: Ich kann mit allem umgehen.“ Viele Spieler warteten zu lange auf Bedingungen nach dem Motto: Wenn der erste Drive gut ist, dann wird es ein guter Tag. Genau das hält McCabe für gefährlich. Entscheidend sei nicht das „Wenn-dann“-Denken, sondern die Fähigkeit, das anzunehmen, was geschieht. 

Wie ein stabiles System entstehen kann

Ein großes Problem sieht McCabe in der Art, wie Golfer trainieren. Sie würden häufig nur das reparieren, was zuletzt nicht funktioniert hat – heute den Drive, morgen das kurze Spiel, übermorgen das Putten. Ein stabiles System entstehe so nicht. „Golfer trainieren am schlechtesten von allen Sportlern“, behauptet McCabe. Sein Rat: Training braucht Struktur, klare Ziele und regelmäßige Auswertungen. Wer keinen Plan habe, könne auch kaum messen, ob er wirklich besser werde.

Warum Wut nicht immer schlecht ist

Spannend ist McCabes Blick auf Drucksituationen. Ein Golfturnier beschreibt er als Hindernisparcours: Niemand weiß vorher, wann schlechte Lagen, Wind oder Fehler kommen. Die besten Spieler zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie gar nicht mit diesen Schwierigkeiten konfrontiert werden – sondern wie sie darauf reagieren. Auch Emotionen gehören für ihn dazu. Wut sei auf dem Golfplatz nicht grundsätzlich schlecht – solange sie nicht gegen die eigene Person gerichtet werde. „Ich liebe Wut. Sie ist eine Emotion“, sagt McCabe. Ärger könne Energie, Fokus und Intensität bringen. Gefährlich werde es erst, wenn aus Frust über einen Schlag Selbstkritik wird. Sein Tipp: Die Emotion kurz körperlich rauslassen – etwa über ein Handtuch oder einen festen Anker. Dann bewusst zurück in den nächsten Schlag finden.

Den eigenen Kopf besser verstehen

Eine wichtige Rolle bei den Pros spielt dabei auch der Caddie. McCabe sieht ihn nicht als Co-Piloten, der Entscheidungen abnimmt, sondern als Navigator. Die letzte Wahl müsse immer beim Spieler bleiben. Der Caddie könne helfen, Klarheit zu schaffen und Vertrauen zu stärken, solle aber nicht die Persönlichkeit des Spielers ersetzen. Am Ende geht es für McCabe um eine einfache, aber anspruchsvolle Idee: Spieler müssen lernen, ihren eigenen Kopf zu verstehen. Jeder Golfer denke anders, sehe Schläge anders und reagiere anders auf Druck. Wer langfristig erfolgreich sein will, brauche deshalb keine perfekte Schablone, sondern ein System, das zur eigenen Persönlichkeit passt. Golf bleibt hart, einsam und oft unfair – aber genau darin liegt für McCabe auch die Chance: Wer auf dem Platz lernt, mit Druck, Fehlern und Unsicherheit umzugehen, nimmt diese Stärke auch mit ins Leben.

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