DeChambeau sauer über ausbleibendes Ruling
Beim LIV-Golf-Event in Mexiko-Stadt steht Bryson DeChambeau nicht nur sportlich im Schatten der Spitze, sondern sorgt auch abseits des Scores für Schlagzeilen. Nach zwei Runden im Club de Golf Chapultepec liegt der US-Amerikaner lediglich im Mittelfeld. Er haderte öffentlich mit den Platzbedingungen, insbesondere nachdem ihm ein Ruling verweigert wurde. Der Auslöser für DeChambeaus Frust ereignete sich bereits in der ersten Runde an Loch 16: Nach einem missglückten Bunkerschlag segelte sein Ball über das Grün und landete in einer kahlen, von trockenen Stellen durchzogenen Rough-Zone. Für DeChambeau war die Sache klar: Für ihn sah die Lage eher nach „Boden in Ausbesserung“ aus.
„Du hast hier komplett zerstörtes Gras – und das soll Rough sein?”, wetterte der 32-Jährige und forderte einen Referee an. Doch die Hoffnung auf straflose Erleichterung erfüllte sich nicht. Die Offiziellen entschieden regelkonform: Er musste den Ball spielen, wie er lag. DeChambeau zeigte sich fassungslos: „Das ist unglaublich, absolut außerhalb jeder Vorstellung.“ Am Ende blieb ihm nichts anderes übrig, als den Ball aus der schwierigen Lage zu spielen, was ihm immerhin noch ein Up-and-Down rettete.
Nicht nur das kurze Spiel bereitete Probleme. Auch auf den Grüns ließ DeChambeau Chancen liegen. Besonders bitter war ein verpasster kurzer Birdie-Putt an Loch 13 in der zweiten Runde, den er komplett am Loch vorbeischob. Zuvor hatte er bereits eine Eagle-Chance an der Drei ausgelassen, als sein langer Putt die Lochkante umrundete. Immerhin bewies der Longhitter dort noch Humor und quittierte die Aktion mit einem sarkastischen Daumen nach oben. Insgesamt überwog jedoch der Frust – sowohl über sein Spiel als auch über die äußeren Bedingungen.
DeChambeau sagte am Sonntag seine Teilnahme an der Finalrunde des LIV Golf Mexico City ab. Er begründete dies mit einer Handgelenksverletzung, die er nicht weiter verschlimmern wollte. DeChambeau, der als erster Spieler drei Siege in Folge bei LIV Golf erzielen wollte, hatte im Chapultepec Golf Club einen schwachen Start und lag zum Zeitpunkt seines Rückzugs 16 Schläge hinter Jon Rahm.
Unruhe auch neben dem Platz
Die sportliche Krise fällt in eine ohnehin turbulente Phase für die LIV-Serie, die schon genug Herausforderungen mit sich bringt. Trotz Spekulationen über die Zukunft der Liga betonte CEO Scott O'Neil zuletzt, dass der Spielbetrieb wie geplant weitergeführt werde. Für DeChambeau selbst geht es ebenfalls um viel: Sein Vertrag läuft Ende 2026 aus und ein neuer Deal könnte einem Bericht zufolge ein Volumen von mehreren hundert Millionen Dollar erreichen. Parallel dazu kursieren Gerüchte über eine mögliche Rückkehr zur PGA Tour.
Das sagt DGV-Regelfachmann Dietrich von Garn dazu:
„Warum ist denn hier kein Blau?“ ist eine der am häufigsten gestellten Fragen an einen Referee, wenn ein Spieler ihn ruft. Ein Kollege antwortete einmal: ‚Weil es nicht so viel Farbe gibt‘, aber das war dann auch wieder falsch.
Tatsächlich ist dies eine philosophische Frage: Was erwartet der Spieler und was darf er erwarten? Ursprünglich und auch heute noch auf manchen Golfplätzen ist die Fläche außerhalb der regelmäßig gemähten Rasenflächen ‚Natur‘, das heißt, entweder wächst dort etwas, das manche Spieler stört, oder es wächst dort nichts. Wald, Extrem-Rough, Waste Areas und Kahlstellen können dort vorkommen. Manchmal erstrecken sich kahle Stellen auch in den gemähten Bereich und je nach Boden und Wasserversorgung kann dies großflächig vorkommen.
Soll deshalb weiträumig Boden in Ausbesserung eingeführt werden? Soll man dort nicht mehr mähen, damit der Spieler seine Lage eher hinnimmt, weil er sich im Extrem-Rough wähnt? Beides ist nicht notwendig, denn auch das gepflegte Rough ist nur ein Versuch, den nicht auf dem Fairway liegenden Ball auffindbar zu machen. Ich würde eine solche Fläche in einem Turnier nicht als Boden in Ausbesserung kennzeichnen. Weder im Club, noch beim DGV noch auf der Tour. Ein Dartspieler, der die Scheibe nicht trifft, beschwert sich schließlich auch nicht, dass es für den Treffer in der Wand keine Punkte mehr gibt.
Berücksichtigen wir außerdem, dass DeChambeau seinen Bunkerschlag dünn getroffen hatte und hinter dem Grün gelandet war, haben wir dann Verständnis für seinen Wunsch nach einem Freedrop aus einer unschönen Lage nach einem schlechten Schlag? Eher nicht.”







