Das erwartet das deutsche Duo in Royal Birkdale
Die bislang letzte Open Championship in Royal Birkdale datiert zurück auf den Sommer 2017. Im Mittelpunkt stand damals Jordan Spieth, der auf den hinteren Neun plötzlich zwischen den Tour Trucks und dem Übungsareal auftauchte, um seinen Ball zurück auf die 13. Spielbahn zu befördern. Am Ende rettete er das Bogey und legte mit drei Birdies sowie einem Eagle auf den vier folgenden Löchern die Grundlage für seinen Sieg an der englischen Westküste. Es war sein dritter und bis heute letzter Major-Titel.
In diesem Jahr kehren die besten Spieler der Welt zum Links-Major nach Birkdale zurück. Die Driving Range ist inzwischen umgezogen. An der Stelle, von der Spieth seinen Ball damals zurück ins Spiel brachte, befindet sich heute ein Public Village, das als Aus gekennzeichnet ist. Einen zweiten Fall Spieth wird es demnach nicht geben. Seit 2017 hat sich in Royal Birkdale einiges verändert. Für die 154. Open Championship wurde der traditionsreiche Linksplatz in weiten Teilen überarbeitet. Neue Bahnen, veränderte Grüns und Bunker sowie zusätzliche Abschläge sorgen dafür, dass selbst Spieler mit Birkdale-Erfahrung ihre Strategie überdenken müssen.
Zudem kam ein völlig neues Par 3 hinzu. Die 15. Bahn misst stattliche 241 Yards und schließt eine Lücke im Platzdesign, denn bislang fehlte ein wirklich langes Par 3 im Routing. Das tief angelegte, diagonal verlaufende Grün lässt sich zwar auch über den Boden anspielen, verlangt aber höchste Präzision. Wer den Ball zu weit oder rechts verfehlt, steht vor einer äußerst anspruchsvollen Chip-Situation aus einer tiefer liegenden Senke.
Zwei Deutsche stellen sich der Herausforderung
Teil des elitären Feldes sind zwei Asse aus dem Golf Team Germany. Top-Amateur Tim Wiedemeyer hatte sich durch seinen Triumph bei der Europameisterschaft sein Major-Ticket gesichert. Tiger Christensen kämpfte sich durch das prominent besetzte Final Qualifying in West Lancashire und sicherte sich als einer von fünf Spielern seinen Platz im Major-Feld.
Bereits am Sonntag war der Übungsbetrieb in vollem Gange. Was die Spieler vorfanden, war ein über die trockenen Sommermonate brettharter Platz mit bräunlicher statt grüner Farbgebung. Und Regen ist auch für die Turnierwoche kaum in Sicht. In einem Instagram-Video läuft Maverick McNealy über die Fairways, wirft den Ball auf den Fairwayboden und fängt ihn nach dem hohen Absprung mühelos wieder auf. „Ich dachte, der Bunker bei 310 Yards wäre mit dem Eisen 3 nicht im Spiel“, kommentierte der US-Amerikaner.
Brettharte Fairways
Auf den harten, ausgetrockneten Fairways bekommen die Bälle nach der Landung enorm viel Run. Der Vorteil: Die zweiten Schläge werden deutlich kürzer. Das birgt allerdings auch Risiken, denn die Bälle können unkontrolliert in die tiefen Topfbunker oder das dichte Rough in den Dünen rollen. Auch die Schläge ins Grün sind unter den vorherrschenden Bedingungen deutlich schwieriger zu kalkulieren.
Es wird vor allem vom Wind abhängen, ob die besten Spieler der Welt den Platz auseinandernehmen oder ob das Siegerergebnis eher in der Nähe von Par liegen wird. Nur einmal gab es in diesem Jahrtausend einen Open-Sieger, der das Turnier über dem Platzstandard beendete: Pádraig Harrington nahm 2008 mit +3 die Claret Jug in Empfang. Der Austragungsort: Royal Birkdale. Fast durchgehend stürmische Bedingungen machten den Linksplatz damals zu einer extrem anspruchsvollen Prüfung. Historisch zählt Birkdale ohnehin zu den schwierigeren Austragungsorten der Open. Auch beim Last-Chance-Qualifier am Montag, bei dem unter anderem Matti Schmid sein Glück versuchte, gab es nur wenige Runden unter Par.
Aktuell sind für die Turnierwoche moderate, aber nicht ganz so starke Böen vorhergesagt. Für Wiedemeyer und Christensen wird es dennoch eine spannende Herausforderung. Vielleicht spielt den beiden sogar in die Karten, dass sich nahezu das gesamte Feld auf Bedingungen einstellen muss, wie sie selbst viele der besten Profis nur selten erleben.








