Das Achental: Mit Wasser Lebensraum schaffen
Es ist eine 18-Löcher-Anlage auf ehemals landwirtschaftlich genutzter Fläche, die dokumentiert, wie man mit vergleichsweise wenig Aufwand großangelegte Wasserbereiche schafft, die ökologisch wertvoll sind, spielerisch reizvoll und optisch ein Genuss.
„Ich bin vom Grundsatz her positiv beeindruckt“, resümierte Wolfgang Selbertinger von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Traunstein nach einem Vor-Ort-Besuch auf der Anlage. Er hat den Bau des Golfplatzes von Beginn an bis zur Eröffnung 2013 begleitet. „Die Wasserflächen sind zu verbindenden Achsen geworden, die sich durch das komplette Gelände ziehen.“ Gunther Hardt, Biodiversitäts-Beauftragter des Deutschen Golf Verbandes, sieht das genauso: „Hier kann man den Chiemgau als Golfer so richtig erleben. Natur und Golf kommen hier zusammen.“
Wie wurde aus der Agrarfläche die heutige Golflandschaft auf 68 Hektar, durch die sich die 18 Löcher ziehen?
- Bedingt durch das ohnehin hoch stehende Grundwasser auf der Anlage war die Schaffung von Teichen naheliegend. Diese wurden großflächig aus dem Boden ausgehoben, nicht mit Folien ausgekleidet und dann auch nicht bepflanzt oder angesät.
- Für Wolfgang Selbertinger, der den Bau begleitete, war beides positiv: „Der Einbau einer Folie ist unter naturschutzfachlichen Gesichtspunkten immer eher negativ, weil er einer Versiegelung gleich kommt. Gerade in der Sohle eines Teiches finden sich in der Regel viele Lebensformen. Hier hatten wir außerdem noch Restbestände von Moorboden, der eben noch das Potenzial hatte, Pflanzen zu entwickeln. Tatsächlich finden sich inzwischen in den Teichen Schwertlilien und zahlreiche andere Arten.
- Ein optisches Highlight ist inzwischen der renaturierte Moosbach, der sich durch vier der Löcher zieht. Bei Baubeginn war dies ein gerader Wasserlauf, der unbewegt durch das Gelände lief. Hier finden sich inzwischen Überschwemmungszonen, wechselfeuchte Gebiete, kleinere Pflanzinseln und eine insgesamt bewegte und natürliche Struktur. Die Bachrenaturierung und die wechselfeuchten Flächen erstrecken sich über immerhin 24.000 Quadratmeter.

Wie pflegt man große Wasserflächen am besten?
„Grundsätzlich hört man ja oft, dass man alle Flächen am besten sich selbst überlässt“, erklärt Selbertinger. Je nachdem wie nährstoffreich die Wasserflächen aber seien, sei die Abmahd von Schilf und Pflanzen aber extrem wichtig, um den Flächen Nährstoff zu entziehen. Dabei gilt: Gemäht wird auch hier im Herbst, um keine Lebewesen zu gefährden oder bei der Brut zu stören. Ausnahme: „Ab und an kann man in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde eine zweite Mahd in der ersten Jahreshälfte ansetzen.“
Und wie legt man Wasserflächen sinnvoll an?
Achtung: Wer glaubt, die Anlage eines kleinen Teichs sei problemlos im Schnelldurchgang machbar, täuscht. Bei Eingriffen in den Wasserhaushalt sind in Bayern in fast allen Fällen wasserrechtliche Genehmigungen nötig, hinzu kommt oftmals auch noch eine Beurteilung aus naturschutzfachlicher Sicht. Das gilt nicht nur für einen großen Speicherteich, sondern eben auch für einen kleinen Teich. Insofern ist eine Beratung durch das zuständige Landratsamt unbedingt sinnvoll.
Wer dann noch sinnvolle Tipps zur Gestaltung und Bepflanzung des Teichs haben will, wendet sich am besten an die Untere Naturschutzbehörde, die hier kostenlos weiterhilft und auch die örtlichen Gegebenheiten gut kennt.






