Celina Sattelkau: Jungprofi und EcoAthlete
Australien, Südafrika, Mauritius, Deutschland – der Reisekalender von Celina Sattelkau ist wie bei jeder Profispielerin vollgepackt. Für die 24-Jährige, die vom Deutschen Golf Verband im Rahmen des Elite Team Germany gefördert wird, ist das Thema Reisen komplex: Sie gehört nämlich auch zu den EcoAthletes, einer internationalen Non-Profit-Organisation, die Sportler dabei unterstützt sich öffentlich für Klima- und Umweltschutz einzusetzen. Mehrere Olympiasieger gehören dazu, wie Celina Sattelkau sind auch sie Weltreisende, die bei jeder Flugreise ihren CO2-Fußabdruck in die Höhe treiben. „Es wird oft gesagt, du bist Profisportler, was willst du mir von Nachhaltigkeit erzählen? Aber ich glaube, Klimawandel ist ein strukturelles Problem. Die Argumentation, ‘Du darfst nicht über Klimawandel reden, weil Du so viel in der Welt herumreist’, finde ich schwierig“, erklärt die junge Deutsche dazu.
Sie hat ihre CO2-Emissionen im vergangenen Jahr ausgeglichen. 29 Tonnen waren es. Erschüttert hat sie die hohe Zahl nicht, weil sie sich seit Jahren mit Nachhaltigkeits-Themen befasst und weiss, welch hohen Einfluss das Reisen auf den CO2-Fußabdruck hat. Als Studentin der Vanderbilt University in den USA, wo sie in einem Collegeteam spielte, lernte sie viel über erneuerbare Energien, Abfallvermeidung oder auch soziale Fragen. Sobald sie die Universität abgeschlossen hatte, 2024 ins Profilager wechselte, fand sie mit den EcoAthletes eine Gruppierung, die mit Workshops, Expertentalks und viel interner Kommunikation den Austausch unter den Athleten fördert oder auch Nachhaltigkeitsprojekte ermöglicht.
Sieben Golferinnen gehören inzwischen zu der Gruppe der Eco Athletes aber noch kein einziger Golfer – warum eigentlich? Sattelkau hat ihre eigene Theorie: „Ich glaube, dass wir Frauen tendenziell sowieso weltweit ein bisschen benachteiligt sind und deshalb für Themen wie Ungleichheit oder Ungerechtigkeit sensibler sind. Nachhaltigkeit ist auch ein Thema der Ungleichheit, wenn wir über die Unterschiede zwischen Global North und Global South nachdenken.“

Für sie ist es wichtig, das Bewusstsein für solche Themen zu schaffen, auch bei den Kolleginnen auf der LET Tour. Die Profi-Vereinigung verfolgt seit einigen Jahren eine Nachhaltigkeitsstrategie, arbeitet mit GEO, der Sustainable Golf Organization aus Schottland, zusammen. Neben Celina Sattelkau ist auch die Tschechin Sara Kouskova als Sustainability Champion der Tour engagiert. Beim LET-Turnier auf Mauritius wurden sie gemeinsam von Agronomen in die Besonderheiten des Wassermanagements auf Golfplätzen eingewiesen. Sattelkau und Kouskova kommunizieren dieses Expertenwissen dann weiter.
Genau in diesem Bereich glaubt die junge Deutsche beim Thema Nachhaltigkeit am meisten bewirken zu können: „Meine Rolle sehe ich so ein bisschen als Sprechrohr: Wie kann ich das vielleicht beim Abendessen beim Smalltalk an die Spielerinnen bringen, so dass einfach mehr Bewusstsein für diese Themen da ist.“
Für sie selbst als Spielerin sind es Details, bei denen sie versucht, das Leben als Profisportlerin mit ihrem Anspruch an eine nachhaltigere Lebensführung in Einklang zu bringen. Die Ausgleichssumme für ihre CO2-Emissionen fließt in ein Windprojekt in Indien. „Das Thema erneuerbare Energien finde ich super interessant“, resümiert sie. Die LET spielt in Indien und der soziale Aspekt ist auch erfüllt. Das passe dann gut zusammen.
Ist sie in Europa bei Turnieren aktiv, versucht sie so oft wie möglich mit dem E-Auto zu fahren. „Ansonsten mache ich so kleine Sachen: Ich habe natürlich meine Wasserflasche zum Nachfüllen mitgebracht. Ich war lange Jahre vegan, das bin leider aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr, aber ich versuche, nicht immer Fleisch zu essen.“
Das Thema Performance steht dabei im Vordergrund, schließlich muss sie als Jungprofi ihren Lebensunterhalt mit dem Golfspiel verdienen. Ein Verzicht auf Turnierstarts in Australien kam zu Beginn des Jahres deshalb auch nicht in Frage. Mit ihrem guten Abschneiden dort hat sie sich die Startberechtigungen für die nächsten LET-Turniere gesichert, darunter auch beim Amundi German Masters in Niedersachsen.
Letztendlich – und das ist ihr wichtig –, sind die Möglichkeiten des Einzelnen Großes zu verändern ohnehin immer begrenzt. „Klimawandel ist ein strukturelles Problem“, gibt sie zu bedenken. Den Golfsport als Outdoorsport betrifft er besonders. Schon deshalb ist für Celina Sattelkau wichtig, dass sie versucht, als EcoAthlete Positives für und durch den Sport zu bewirken.







