Bronze für Murr und das Team
Valencia/Spanien – Der Titel konnte nicht verteidigt werden, dennoch ging die deutsche Mannschaft mit einer starken Bilanz aus den European Young Masters. Das Team von Bundestrainer Pascal Proske und Kapitänin Antonia Eberhard brachte am Finaltag auf dem Parador de El Saler den zweitbesten Score des gesamten Feldes in die Wertung und sicherte sich damit souverän die Bronzemedaille.
Nur Frankreich spielte in der Schlussrunde unter Par. Mit 212 (-4) Schlägen zogen die Franzosen noch an Gastgeber Spanien vorbei und gewannen den Teamtitel. Spanien benötigte am Finaltag 222 (+6) Schläge und fiel auf Rang zwei zurück. Deutschland behauptete mit 218 (+2) den dritten Platz und beendete das Turnier als eines von lediglich drei Teams mit einem Gesamtergebnis unter Par.
Für die deutsche Wertung zählten am Finaltag die beiden 72er-Runden von Bjarne Murr und Fabian Buhl sowie die 74 von Helena Baraka.
Murr gewinnt erneut Einzelmedaille
Bjarne Murr ging mit guten Chancen auf Edelmetall in die Schlussrunde und brachte mit einer 72 (Even) die Bronzemedaille in der Jungenwertung nach Hause. Der Spieler des GC St. Leon-Rot begann mit einem Doppelbogey, antwortete darauf aber noch auf der Front Nine mit drei Birdies auf den Par-5-Löchern. Danach hielt er seinen Score zusammen und brachte die Runde mehr als solide ins Clubhaus.
Im Flight erlebte Murr zugleich aus nächster Nähe die beste Runde des Turniers. Der Franzose Tao Pemerika spielte sich mit einer 65 (-7) noch zum Einzeltitel. Murr sagte: „Meine Runde war eher unspektakulär. Aber mein Flight war geil. Ich habe gemeinsam mit dem Franzosen gespielt, der am Ende gewonnen hat. Der hat heute ein anderes Golf gespielt, hat auf den Grüns fast alles gelocht und im langen Spiel wenig Fehler gemacht. Ich habe nur mäßig die Grüns getroffen und hatte daher nicht so viele echte Birdie-Chancen. Tao Pemerika hat sich dagegen viel mehr Chancen gegeben und die hat er dann auch alle genutzt.“
Für Murr war es bereits die zweite Einzelmedaille bei den European Young Masters. Im Vorjahr hatte er Silber gewonnen, nun folgte bei seiner dritten Teilnahme Bronze. Mit Runden von 69, 71 und 72 Schlägen bestätigte der 16-Jährige erneut seine Stellung in der europäischen Nachwuchsspitze.
Buhl verpasst Bronze nur knapp
Fabian Buhl unterschrieb ebenfalls eine 72 (Even) und verbesserte sich damit noch auf Rang vier. Der Spieler des GC München-Aschheim blieb nur einen Schlag hinter dem Bronzerang. Der Bayer startete wie an den beiden Vortagen mit einem frühen Birdie auf Loch 3. Insgesamt erspielte er sich fünf Birdies, musste aber auch drei Bogeys und einen Doppelbogey hinnehmen. Dadurch blieb ihm der Sprung auf das Podium knapp verwehrt.
Dennoch war Buhls Auftritt bei seiner ersten Teilnahme an den European Young Masters überzeugend. Bereits am zweiten Tag hatte er mit einer 69 (-3) die beste deutsche Runde des Turniers ins Recording gebracht. Mit seinem vierten Platz beendete er das Turnier unmittelbar hinter den Medaillenrängen und steuerte am Finaltag erneut einen wichtigen Score zur Teamwertung bei.
Baraka stürmt in die Top Ten
Helena Baraka machte am Finaltag den größten Sprung innerhalb des deutschen Teams. Die Spielerin des GC St. Leon-Rot kam mit einer 74 (+2) ins Clubhaus und verbesserte sich um neun Positionen auf Rang acht der Mädchenwertung. Baraka spielte offensiv und brachte sich zwischenzeitlich sogar in Reichweite der Bronzemedaille. Ein Doppelbogey und ein Triplebogey kosteten jedoch entscheidende Schläge. Trotz dieser beiden hohen Ergebnisse fehlten der 14-Jährigen im Endklassement lediglich vier Zähler auf das Podium.
Im Rückblick überwog für Baraka der Wert des gemeinsamen Erlebnisses, auch wenn das Team mit größeren Zielen in die Woche gegangen war: „Natürlich wollten wir unbedingt um den Sieg mitspielen, weswegen wir mit dem dritten Platz nicht ganz zufrieden sind. Wir freuen uns trotzdem, eine Medaille mit nach Hause zu nehmen. Nächstes Jahr wollen wir wieder angreifen und das Ziel bleibt die Goldmedaille. Wir haben diese Woche gesehen, dass wir deutlich mehr Potential haben als es das Ergebnis zeigt. Leider habe ich mich heute auf den Grüns etwas schwer getan, was ein besseres Ergebnis verhindert hat. Insgesamt war es eine tolle Woche mit einem super Team und super Stimmung. Ein Teamevent im Golf ist einfach etwas besonderes. Vielen Dank auch an Pascal und Antonia für die tolle Betreuung.“
Volckens kämpft bis zum Ende
Cecilie Volckens beendete die Finalrunde mit einer 79 (+7) und machte im Klassement noch einen Platz gut. Bei ihrer Premiere bei den European Young Masters kam die Spielerin des GC St. Leon-Rot auf Rang 29. Erneut wurde ihr das sechste Loch zum Verhängnis. Alleine auf diesem Par 4 verlor sie fünf Schläge. Auf den übrigen 17 Bahnen blieb ihre Runde dagegen weitgehend solide: Neben einem Birdie standen nur drei weitere Bogeys auf der Karte.
Sportlich verlief die Woche für Volckens nicht wie erhofft. Umso stärker blieb für sie das gemeinsame Auftreten der deutschen Mannschaft in Erinnerung: „Mein Highlight war in dieser Woche das Teamgefühl. Als Team-Event hat es einfach unfassbar viel Spaß gemacht, sich gegenseitig zu pushen und nach einem schlechten Schlag aufzubauen. Dieses extreme Teamgefühl war so toll und es hat unfassbar viel Spaß gemacht, zusammen für etwas zu kämpfen. Für mich persönlich war die Woche sehr tough. Ich habe nicht gut gespielt, ich habe nicht gut gescored. Ich bin aber unfassbar stolz auf dieses Team, dass wir den dritten Platz machen konnten. Obwohl keiner so richtig zufrieden war, war das echt eine sehr starke Leistung. Ich hatte wahnsinnig viel Spaß, ich habe sehr viel daraus gelernt. Dafür sind ja Fehler da, dass man daraus lernt.“
Frankreich dreht das Finale
Vor der Schlussrunde hatte Gastgeber Spanien zehn Schläge vor Deutschland und sieben Schläge vor Frankreich gelegen. Am Finaltag drehte sich das Bild an der Spitze jedoch grundlegend.
Frankreich war die einzige Mannschaft, die bei den schwieriger gewordenen Bedingungen unter Par blieb. Spanien verlor dagegen deutlich an Boden und musste den bereits greifbar scheinenden Titel noch abgeben. Deutschland konnte in diesen Zweikampf nicht mehr eingreifen, verteidigte seinen dritten Platz aber mit einer stabilen Leistung.
Damit blieb die Mannschaft auch bei stärkerem Wind konkurrenzfähig. Die Hitze hatte das Turnier bereits an den ersten beiden Tagen geprägt, nun verlangte der Platz den Jugendlichen zusätzlich durch die veränderten äußeren Bedingungen einiges ab.
Anspruchsvolle Woche
Bundestrainer Pascal Proske ordnete die Medaille vor allem vor dem Hintergrund der körperlichen Belastung und der schwierigeren Schlussrunde ein: „Alle Athleten und auch wir Coaches sind platt. Das waren jetzt drei intensive Tage, speziell wegen des Wetters. Wir Coaches hatten jeden Tag 36 Löcher zu gehen. Mit diesem Wetter ergab sich dadurch ein wirklich intensives Turnier. An den ersten beiden Turniertage hatten wir ja über 30 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Das waren gefühlt auf jeden Fall über 40 Grad. Heute waren es 36 Grad, aber mit geringerer Luftfeuchtigkeit. Das war schon fast angenehm. Der Platz hat sich heute deutlich schwerer gespielt, weil wir halt mit recht starkem Wind zurechtkommen mussten. Das war heute nochmal eine gute Challenge. Wir haben uns gut gehalten, während außer den Franzosen der Rest des Feldes Schläge verloren hat. Dadurch war das für uns am Ende eine solide, stabile Bronzemedaille.“
Geschlossene Teamleistung
Die Einzelresultate unterstrichen, wie nah die deutsche Auswahl an weiteren Medaillen lag. Murr holte Bronze, Buhl fehlte ein Schlag auf das Podium und Baraka hatte trotz zweier hoher Ergebnisse nur vier Zähler Rückstand auf Rang drei.
Proske würdigte deshalb nicht nur die Platzierungen, sondern den Beitrag aller vier Teammitglieder: „Unsere Mädels und Jungs haben sich auch heute wieder gut geschlagen. Alle haben sich im individuellen Tableau nochmal ein bisschen nach vorne gespielt. Dass Bjarne jetzt mit der Bronzemedaille nach Hause fährt, ist natürlich stark. Helena ist zwischendurch auch auf Bronzekurs gewesen, hat sich leider noch mal eine höhere Nummer eingefangen und Fabian war im Endeffekt auch nur ein Schlag von Bronze entfernt. Hinten raus auf den letzten drei Löchern hätte er nochmal einen Schlag sparen können und wäre dann auch in Richtung Bronze gegangen. Das war eine wirklich solide und gute Teamleistung. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen. Antonia Eberhard und ich können jetzt wirklich stolz auf die zwei Mädels und die beiden Jungs sein, dass die so gut mit dem Wetter hier klargekommen sind, den Platz so gut runterspielen konnten und dann verdient die Bronzemedaille erspielt haben.“
Der dritte Platz, Murrs Einzelbronze und zwei weitere Platzierungen unmittelbar hinter beziehungsweise in Reichweite des Podiums zeigen, wie viel Qualität in der Mannschaft steckt. Proske sah darin vor allem eine Perspektive für die weitere Entwicklung: „Man muss auch sehen, das waren von unseren Athleten nicht Höchstleistung, die sie abrufen konnten. Dafür ist Bronze sensationell. Und der Trendpfeil zeigt bei den Vieren auf jeden Fall nach oben. Da können wir uns auf mehr freuen!“









