Beeindruckender Schlussspurt
Irvine/Schottland – Einen großen Sprung im Klassement legte Lauri Diener hin. Nach der 74 (+3) in der Auftaktrunde war klar, dass der 17-Jährige sich deutlich steigern musste, um in den Cut zu kommen. Lange sah es auch am zweiten Tag nicht danach aus, dass der Youngster des Junior Team Germany in die Matchplays aufsteigt, denn Birdies und Bogeys wechselten sich immer wieder ab. Even Par ging es für ihn in die Schlussphase und der Cut war noch ein gutes Stück entfernt.
Dann zündete Diener aber den Turbo und knallte nervenstark auf den letzten vier Bahnen exakt die vier Birdies auf den Platz, die ihn sicher in die nächste Turnierphase brachten. Die 67 (-4) war letztlich sogar gut genug, um mit gesamt einem Schlag unter Par noch auf den geteilten 29. Platz zu klettern.
Das Talent des Hamburger GC war nach der hochspannenden Runde schon wieder ruhig und reflektiert: „Das Stroke Play war für mich recht aufregend wie die letzten Jahre auch schon. In der ersten Runde habe ich nicht so gut gespielt und musste dann halt eben heute in der zweiten Runde gut spielen. Ich habe die Bälle heute allgemein gut getroffen, die Schläge nah an den Stock rangehauen, auch ordentlich geputtet. In den Matchplays muss ich weiterhin aufmerksam sein und schauen, wo man die Bälle richtig platzieren kann und eben auch geduldig bleiben. Irgendwann fallen die Putts und kommen dann auch die guten Schläge. Der Platz ist eher kurz, hat aber doch auch teilweise seine Schwierigkeiten. Manche Grüns sind eher schwer zu treffen oder man sollte sie nicht an den falschen Spots missen, weil man dann schnell Bogey oder Double Bogey spielen kann.Wenn man den Ball halbwegs vom Tee im Spiel hält, ist er jetzt nicht allzu anspruchsvoll. Wenn man die Grüns trifft, ist der Platz absolut machbar.“
Auch Seidemann sicher im Matchplay
Auch Malte Seidemann schaffte den Sprung in die Matchplays. Der Hubbelrather hatte sich mit einer 71 (Even) am ersten Tag schon in eine gute Position gespielt, sodass ihm am zweiten Wettkampftag eine 70 (-1) reichte, um auf Rang 29 ganz sicher im Cut zu sein.
Direkt zum Auftakt der Runde musste der 18-Jährige einen Schockmoment überstehen, als er mit einem Doppelbogey startete. Mental stark ließ sich der Rheinländer davon aber nicht aus der Fassung bringen und arbeitete sich im weiteren Verlauf wieder zurück. Auf der Back Nine legte Seidemann noch zwei wichtige Birdies nach. Damit gehört auch er zu den sieben Deutschen, für die das Turnier nun im direkten Duell Mann gegen Mann weitergeht.
Fünf landen exakt auf der Cutlinie
Der Cut der besten 64 lag am Abend des zweiten Wettkampftages bei Even Par. Nicht weniger als fünf Deutsche hatten sich in teils beeindruckenden Schlussspurts exakt auf diese Marke gekämpft und damit den Aufstieg in die Matchplays verdient.
Max Franck vom GC Bayreuth hatte nach elf Löchern am zweiten Tag das Ziel schon fast aus den Augen verloren. Nach +4 am ersten Tag lag der Bayer nach zwei frühen Birdies und zwei anschließenden Bogeys für die Runde bei Even Par. Dann änderte sich das Bild schlagartig. Vier Birdies in Serie ließen den 17-Jährigen im Klassement noch so weit klettern, dass er mit gesamt Even Par weiter im Wettbewerb bleibt.
Vom Umfeld dieses Turniers ist der Franke sichtlich beeindruckt: „Das war ein krasses Erlebnis. Die ersten 11 Löcher im Stroke Play waren heute ein bisschen komisch, ab der 12 hab ich mich dann wieder gefangen. Ich habe einfach nicht aufgegeben und am Ende Tages hat es gereicht, zu cutten. Ich bin gespannt, wie das Matchplay wird. Der Platz ist sehr schön und in super Verfassung. Ich habe bisher noch nie ein Turnier gespielt, bei dem das Setup so groß war. Hier ist alles mögliche in Zelten aufgebaut, bis hin zu einem Gym.“
Unter ähnlichen Vorzeichen war Colin Bärmann in die zweite Runde gegangen. Auch der Hubbelrather hatte die Hypothek einer 75 (+4) abzutragen. Sein letztes Bogey kam am zweiten Tag früh auf die Karte. Danach spielte Bärmann sehr solide und lochte nach und nach viermal zum Birdie ein. Auf Grün 17 war der Sprung in die Top 64 geschafft.
Bärmanns Clubkamerad David Süntzenich lag nach seiner guten Auftaktrunde auch am zweiten Tag lange im grünen Bereich. Sein zweites Bogey, gespielt auf Loch 13, ließ den Gesamtscore aber so weit klettern, dass der Verbleib im Turnier doch noch in Gefahr geriet. Der 16-Jährige behielt die Nerven und lochte auf dem 18. Grün zum entscheidenden Birdie ein. Damit rettete er sich ebenfalls exakt auf Even Par und über die Cutlinie.
Auch für Luis Brinkmann hatte die Qualifikation auf dem 18. Grün mit einem Birdie ein Happy End. Der Athlet des Münchener GC qualifizierte sich mit zweimal 71 (Even) für die Matchplays.
Begleitet wird Brinkmann von seinem Clubkameraden Timo Ißler. Der 15-Jährige legte nach einer 73 (+2) einen reifen Auftritt hin und hielt seine Karte bis auf ein Bogey sauber. Drei Birdies im weiteren Verlauf brachten den Youngster aus der bayerischen Landeshauptstadt ebenfalls auf gesamt Even Par und damit in die Runde der besten 64.
Proske zieht positive Zwischenbilanz
Bundestrainer Pascal Proske konstatierte nach Abschluss der Zählspielqualifikation, dass sich der Tag aus deutscher Sicht vor allem hinten heraus sehr erfreulich entwickelt hatte: „Wir haben insgesamt sieben deutsche Spieler im Cut, was wirklich eine coole Anzahl ist. Von 15 Spielern hat knapp die Hälfte gecuttet. Bei einem so stark besetzten Teilnehmerfeld ist das eine sehr gute Leistung. Die meisten von uns sind nur knapp im Cut, aber nach dem Zählspiel wird alles auf Null gesetzt. Im Matchplay ist alles möglich. Die Jungs sind guter Dinge. Dieser Golfplatz hat nicht extrem selektiert. Im Bereich von -1 bis +3 waren jetzt 70 Spieler. Es haben also auch einige Spieler den Cut verpasst, die keine schlechte Leistung gezeigt haben, sondern wirklich auch grundsolides Golf gespielt hatten.“
Weitere Runden auf Dundonald Links
Für einige der Deutschen, die den Cut verpasst haben, ist die Turnierwoche noch nicht beendet. Das Junior Team Germany nutzt die hochkarätige Golfregion an der schottischen Westküste und wechselt mit den ausgeschiedenen Spielern auf Dundonald Links. Dort werden parallel drei weitere Turnierrunden gespielt, bei denen ebenfalls Punkte für das World Amateur Golf Ranking vergeben werden.
Auf Gailes Links richtet sich der Blick dagegen vollständig auf die Matchplays. Sieben deutsche Spieler sind noch im Rennen und nach den teilweise spektakulären Schlussspurt-Runden der Qualifikation ist die Ausgangslage klar: Mit Beginn der direkten Duelle werden die Karten neu gemischt.
Matchplay Draw Runde der besten 64
08:00 Uhr David Süntzenich vs. Self Cole (England)
08:20 Uhr Colin Bärmann vs. Giampaolo Gagliardi (Italien)
08:30 Uhr Max Franck vs. Matte da Eira (Frankreich)
09:20 Uhr Luis Brinkmann vs. Gonzalo Baños Ramos (Spanien)
09.30 Uhr Lauri Diener vs. Malte Seidemann
10.25 Uhr Timo Ißler vs. Carlo Romano (Italien)







