Marysko: „Athletik ist unverzichtbar im Golf“
Es ist kein Geheimnis, dass für ein erfolgreiches Golfspiel längst nicht nur die Schwungtechnik entscheidend ist. Gerade im leistungsorientierten Wettkampfsport sind die Anforderungen inzwischen weitaus komplexer, das weiß auch Christian Marysko, Athletik-Bundestrainer im Deutschen Golf Verband (DGV). Sein Credo ist klar: Wer es weit nach oben schaffen will, wer davon träumt, eines Tages auf einer der großen Touren der Welt abzuschlagen, muss sich frühzeitig um die körperliche Basis kümmern.
Stabiler Körper als Basis
Ein Trainingstag im Leistungsgolf beinhaltet weit mehr als nur das Bälle schlagen. „Du musst auf die Range, zum kurzen Spiel, auf den Platz, auf das Grün, dann kommen Analyse-Tools, Mentaltraining und am Ende noch der Athletiktrainer“, sagt Marysko. „Bis dieser ganze Tag rum ist, ist der Umfang massiv – im Gegensatz zu Sportarten, die mehr über Intensität gesteuert werden.“ Aus diesem Grund, so erklärt es Marysko, benötigen alle leistungsorientierten Golferinnen und Golfer eine stabile körperliche Basis. „Du brauchst eine gewisse Grundathletik, um diese Umfänge überhaupt ertragen und abspeichern zu können“, sagt er. Nur so werden nachhaltige Trainingserfolge möglich.

Veränderte Anforderungen im Golfsport
Mindestens ebenso entscheidend sind jedoch die veränderten Anforderungen der modernen Touren. Golf hat sich zu einem Schnellkraftsportart entwickelt. „Früher hat keiner groß über Verletzungen gesprochen. Da hat man draufgehauen und der Ball ist 200 Meter geflogen“, sagt Marysko. Heute ist vieles anders. Wer keine schwindelerregenden Weiten erzielt, hat kaum eine Chance, es ganz nach oben zu schaffen.“ Das bedeutet: Die Verletzungsgefahren steigen und frühzeitige athletische Grundlagen sind eine zunehmend wichtigere Voraussetzung, damit der Körper die hohen Schlägerkopfgeschwindigkeiten technisch sauber umsetzen kann.
Hohe Belastungen im Leistungssport
Der dritte entscheidende Grund für ein systematisches Athletiktraining: die körperliche Einseitigkeit des Sports. „Golf ist Raubbau am Bewegungsapparat – wie jeder Leistungssport“, sagt Marysko. „Es ist höchst einseitig durch die rotatorischen Bewegungen. Das muss muskulär eingepackt sein, damit du dich nicht verletzt.“ Prävention ist das Stichwort. Hinzu kommen die wachsenden Reisetätigkeiten im Spitzensport. Ständige Zeitzonenwechsel, schlechtes Essen, schwankende Belastungen – Faktoren, die den Körper permanent fordern. „Wenn du in drei Wochen in fünf Zeitzonen unterwegs bist, musst du fit sein, um gegen Krankheit und Verletzung anzukämpfen“, sagt Marysko. „Schon allein deshalb ist Athletik unverzichtbar.“
Warum auch für Amateure die Fitness wichtig ist
Erstaunlich sei, so erzählt es Marysko, dass selbst Amateure ähnlichen Risiken ausgesetzt seien. „Ich würde fast sagen, dass Amateurgolfer ähnlich belastet sind wie Profis – nur aus anderen Gründen“, erklärt der Experte. Unregelmäßiges Training führe oft zu „Bewegungsmustern, die gar nicht so gut sind“. Genau deshalb sei Athletik auch im Amateurbereich essenziell – und zwar ohne übertriebenen Aufwand. Maryskos Grundsatz: Mobil halten, was mobil sein soll – stabil halten, was stabil sein muss.
Die Komponenten des Athletiktrainings
Inhaltlich kombiniert Athletiktraining koordinative und konditionelle Fähigkeiten: Gleichgewicht, Kopplungsfähigkeit, Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Ausdauer. Besonders im Wachstum sind diese Themen entscheidend. Zentral ist auch eine starke Rumpfmuskulatur. Marysko appelliert: „Leute, trainiert euren Core! Der Rumpf ist die Basis – für Stabilität, Schlägerkopfgeschwindigkeit, Prävention und Rehabilitation.“ Aus seiner Sicht ist es der am häufigsten vernachlässigte Bereich im gesamten Training.

Trainieren Sie zuhause!
Wie oft sollte trainiert werden? In der Vorbereitungsphase fast täglich, sagt Marysko – allerdings nicht zwingend im Kraftraum. „Viele Routinen passieren zu Hause: Mobilisation am Morgen, Core-Arbeit am Abend.“ Der Grund: Nur was im Alltag verankert ist, übersteht die Saison. „Ich höre jedes Jahr: ‚Dieses Jahr schaffe ich es während der Saison in den Kraftraum.‘ Es funktioniert nicht“, sagt er. „Deswegen sind Routinen so wichtig. Wenn du sie zu Hause etablierst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du sie im Sommer beibehältst.“So entsteht über Monate hinweg, was im modernen Golf unabdingbar ist: ein Körper, der Geschwindigkeit, Umfang und Belastung aushält – und Leistung langfristig möglich macht.









