Als Aufsteiger zum Titel: Habsberg schafft die Sensation
Fast 30 Jahre ist das jetzt her: Damals schafften die Fußballer des 1. FC Kaiserslautern das Kunststück, als Aufsteiger die Meisterschaft zu holen. Architekt des Erfolges war damals Coach Otto Rehhagel. Die Kicker vom Betzenberg sorgten für ganz dicke Schlagzeilen in Europas Medien. Jetzt also auch im Golf. Nur dass die Helden diesmal vom Habsberg kommen. Und während sich viele beim Final Four 2026 im GC München-Riedhof noch fragten, wo das überhaupt ist, lagen sich die Männer von Coach Peter Wolfenstetter und Captain Christian Stibor in den Armen. „Ich hatte die ganze Woche das Gefühl, dass hier heute etwas Großes passieren kann. Jetzt haben wir den Titel. Kann mich jemand mal zwicken?“, sagte Stibor nach dem Sieg im Endspiel gegen Frankfurt.
Nach den Vierern hatte es im Gold-Match 2:2 gestanden. „Wir haben im Einzel dann ganz vorne Leon Breimer gestellt, der im Matchplay ein echter Killer sein kann und die Lokomotive auf dem Weg zum Titel sein sollte“, erklärte Coach Peter Wolfenstetter. Breimer, der beim Trainieren auf der Driving Range auch gerne mal für ein Tänzchen zu haben ist, hatte diesmal einen brutalen Instinkt, zerlegte seinen Frankfurter Kontrahenten Michael Pfeifer mit 8&7 und legte den Grundstein für die Cinderella-Story der Jungs aus Bayern, die in nur fünf Jahren von der Landes- in die 1. Bundesliga aufgestiegen waren. Für alle, die es nicht wissen: Habsberg ist ein Gemeindeteil der Stadt Velburg im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz. Oder genauer: Der Meister-Spot 2026 liegt zwischen Nürnberg und Regensburg.
Nach der unglaublichen Story der Vorjahressieger aus Hösel ist die Deutsche Golf Liga presented by All4Golf nun also um ein Märchen reicher. 2025 hatten Dawie Standers wilde Jungs in rosa Socken den Pott geholt. Habsberg hat zwar keine bunten Socken, aber den Pott. Um 19:35 bekamen sie ihn, auf Grün 18, bei herrlicher Abendsonne. Es flossen Tränen und Team Habsberg jubelte mit diesem Song: „Campeones, Campeones, oe oe oe!“ Was für eine denkwürdige DGL-Saison 2026, in der der Aufsteiger Meister wird und der abgelöste Champion absteigen muss.
So geht am Riedhof ein denkwürdiges Final Four zu Ende – vor allem in der Konkurrenz der Männer, denn: Einen Tag vor dem ersten Drive bei den Halbfinals war das Team aus St. Leon-Rot wegen einer Entscheidung des Landgerichts Wiesbaden aus dem Turnier genommen worden. Begründung: Mit Carl Siemens habe an Spieltagen ein nicht spielberechtigter Akteur im Kader und am Tee gestanden. So rückten die Männer aus dem Frankfurter GC nachträglich auf Tabellenplatz zwei und ins Riedhof-Feld. Die Hessen hatten die Überprüfung des Falles per Gericht angestoßen und gewannen beim Showdown der Liga die Silbermedaille. Bronze ging an den GC Hubbelrath, der sich im kleinen Finale um Bronze mit 6,5:5,5 gegen den G&LC Berlin-Wannsee durchsetzte.
„Unsere Vorbereitung war natürlich nicht optimal, nachdem wir erst am Freitag angereist waren und wegen des Gewitters unsere Proberunde nicht zu Ende gespielt hatten. Dass wir uns im Halbfinale gegen Hubbelrath durchsetzen konnten, war so nicht zu erwarten, aber die Mannschaft hat das super gemacht“, so Frankfurts Coach Jan Pelz. Im Endspiel hat es für sein Team aber nicht zum Titel gereicht, weil Habsbergs Matchplay-Maschinen geschmiert und geölt waren wie ein Monstertruck. TV-Kommentator Bernd Ritthammer: „Mich wundert es nicht, dass sie Meister geworden sind. Sie haben ein starkes Team, das eine unglaubliche Entwicklung genommen hat.“ Und Wolfenstetter setzte noch einen drauf: „Diese Jungs sind unglaublich, ich kann gar nicht sagen, wie stolz ich auf dieses Team bin, das über die Jahre zu einer echten Familie geworden ist.“
DGV-Präsident Claus Kobold: „Ein besonderer Dank gilt dem gesamten Team des GC München-Riedhof um Clubpräsident Christian Walther und Geschäftsführer Kariem Baraka. Wie schon in den vergangenen Jahren haben alle Beteiligten erneut eine beeindruckende Kulisse für das DGL-Saisonhighlight 2026 geschaffen. Ein Turnier dieser Qualität und Dimension gelingt nur durch engagierte Verantwortliche, einsatzbereite Mitarbeiter und Volunteers sowie ein herausragendes Greenkeeper-Team. Nach drei ereignisreichen Jahren, die uns viele unvergessliche Momente beschert haben, verabschieden wir uns nun vorerst aus dem Süden der Republik und ziehen weiter ins Rheinland.“
Der Golfclub Schloss Myllendonk wird 2027 Gastgeber des Final Four sein und damit erstmals in seiner Geschichte diese besondere Bühne für den deutschen Mannschaftsgolf-Sport bieten. „Wir freuen uns schon jetzt sehr darauf und werden alles versuchen, das Level hier vom Riedhof zu erreichen und vielleicht sogar zu toppen“, so Myllendonk-Clubmanager Ralf Robert Meier. Bis es soweit ist, dürfte in Bayern die eine oder andere Party steigen. Als Aufsteiger gleich Meister werden? Das haben bisher nur die Kicker vom Betzenberg geschafft. Jetzt auch die Golfer vom Habsberg. Coach Wolfenstetter, der 2019 schon mit Stuttgart ein Final Four gewonnen hatte: „Ich habe vor der Saison gesagt, dass wir ins Final Four wollen. Da haben mich einige noch belächelt. Jetzt sind wir Meister. Das fühlt sich echt wahnsinnig geil an.“
Weitere Stimmen:
Ralf Fettweis, Captain GC Hubbelrath: „Wir haben am Samstag die PS nicht auf die Straße gebracht und vielleicht etwas unter unseren Möglichkeiten gespielt. Dazu der Abbruch wegen Gewitters. Aber die Jungs haben es am Sonntag gut gemacht, souverän Bronze geholt. Klar ist der Anspruch ein anderer, aber wir haben ein junges Team und die Richtung stimmt. Nächstes Jahr kommen wir stärker wieder. Glückwunsch an Habsberg, sie haben eine grandiose Saison gespielt.“
Marcus Neumann, Vorstand Sport im DGV: „Herzlichen Glückwunsch an die neuen Deutschen Mannschaftsmeister. Dass sich die Besetzung der Männer-Halbfinals kurzfristig durch eine gerichtliche Entscheidung änderte, war für alle Beteiligten eine besondere Herausforderung, die wir selbstverständlich respektiert und entsprechend umgesetzt haben. Auch der Gewitterabbruch am Samstagnachmittag, der die Halbfinals mitten in der spannendsten Phase unterbrach und die Entscheidung auf den frühen Sonntagmorgen vertagte, hat von allen noch einmal Geduld und mentale Stärke gefordert. Wie souverän und diszipliniert die Teams mit beiden Situationen umgegangen sind, verdient höchste Anerkennung."
Jan Pelz, Trainer Frankfurter GC: „Wir sind wirklich ziemlich platt. Das war eine sehr gute Saison für uns. Mit Silber sind wir sehr zufrieden, wobei Habsberg schlagbar gewesen wäre, aber dafür hätten wir besser spielen müssen. Gegen Hubbelrath haben wir das echt stark gemacht, aber die Habsberger waren heute einfach besser.“








