Albers: „Ich wollte mich nicht mit ,Was wäre wenn‘ beschäftigen“
Mit einer beeindruckenden 65er Finalrunde bei der Raiffeisenbank Golf Challenge feierte Anton Albers in Tschechien seinen ersten Sieg auf der HotelPlanner Tour. Dieser Erfolg bringt den 27-Jährigen nicht nur zurück ins Rennen um den Aufstieg auf die DP World Tour, sondern ist auch die Belohnung für einen mentalen Neustart nach einer schwierigen ersten Saisonhälfte. Kurz vor seinem nächsten Turnierstart in Estland hat der Hamburger aus dem National Team Germany mit Golf.de unter anderem über den Umgang mit Druck, den entscheidenden Wendepunkt und die Gründe dafür, warum er sich am Sonntag bewusst nicht mit möglichen Siegesszenarien beschäftigt hat, gesprochen.
Golf.de: Drei Tage nach Ihrem Premierensieg: Haben Sie sich schon realisiert, dass Sie jetzt Sieger der HotelPlanner Tour sind?
Anton Albers: Es hat ein bisschen gedauert, aber mittlerweile ist es angekommen. Allerdings geht es diese Woche auch schon wieder direkt weiter, sodass nicht allzu viel Zeit bleibt, das zu verarbeiten.
Wann hatten Sie am Sonntag erstmals das Gefühl, dass der Sieg tatsächlich möglich ist?
Ich hatte schon ein gutes Gefühl, als das Wochenende begann. Aber klar, man weiß nie, was in diesem Sport passiert. Am Sonntag habe ich nach neun Löchern das Leaderboard gesehen und gewusst, dass ich mit drei Schlägen in Führung liege. Da habe ich meine Chancen schon gut gesehen, wollte mich aber nicht mit dem Ergebnis und ‚Was wäre wenn‘-Szenarien beschäftigen.
Sie haben bewusst kaum aufs Leaderboard geschaut. Warum?
Das war eine bewusste Entscheidung. Generell schaue ich während Turnieren sehr wenig auf die Scores, deshalb war das nichts Außergewöhnliches. Ich habe die ganze Zeit versucht, das Ergebnis so gut es geht auszublenden und mich auf mein eigenes Spiel zu konzentrieren.
Nach einer eher wechselhaften ersten Saisonhälfte kam ausgerechnet in Tschechien der Durchbruch. Was hat sich verändert?
In der Woche vor Tschechien hatten wir Pause. Da habe ich ein bisschen reflektiert und realisiert, dass wir erst knapp über die Hälfte der Saison gespielt hatten. Mir ist bewusst geworden, dass noch genügend Zeit ist und dass ich letztes Jahr zu diesem Zeitpunkt in einer ähnlichen Situation war. Mich daran zu erinnern, wie schnell man das Ruder herumreißen kann, hat mir geholfen, wieder Ruhe und Zuversicht zu finden.
Gab es in den vergangenen Monaten auch Momente des Zweifelns?
Natürlich gab es immer wieder Momente, in denen Zweifel aufgekommen sind, vor allem nach weniger erfolgreichen Ergebnissen. Das waren aber eher Enttäuschung und Unzufriedenheit, als dass ich an mir oder meinem Weg gezweifelt hätte. Solche Phasen gehören im Sport leider dazu, und man muss sie überstehen.
Vergangenes Jahr haben Sie den Aufstieg auf die DP World Tour nur knapp verpasst. Hat Sie das in dieser Saison beschäftigt?
Ich glaube schon ein bisschen mehr, als ich vielleicht gedacht hätte. Durch die letzte Saison hatte ich hohe Erwartungen an mich und diese Saison. Wenn der Start dann nicht so gelingt, wie erhofft, und man sich nicht in der erhofften Position befindet, verschwendet man manchmal doch Gedanken daran. Die helfen einem in dem Moment nicht unbedingt und können zusätzlichen Druck erzeugen.
Im Profisport wird oft davon gesprochen, sich auf den Prozess statt auf das Ergebnis zu konzentrieren. Wie gelingt das?
Wenn ich sagen würde, dass mir das immer gelingt, wäre das gelogen. Letzte Woche hat es funktioniert. Meistens fällt es einem natürlich leichter, wenn man gut spielt und den Lauf einfach mitnehmen kann. Grundsätzlich ist es aber immer das Ziel, in seinem Prozess zu bleiben. Dann kommen meiner Meinung nach auch die Ergebnisse – auch wenn das oft leichter gesagt als getan ist.
Wer waren die ersten Menschen, die von Ihrem Sieg erfahren haben?
Das waren meine Familie und meine engsten Freunde, die den ganzen Tag beziehungsweise die ganze Woche mitgefiebert haben. Danach habe ich den Leuten aus meinem Team geschrieben.
Durch den Sieg sind Sie wieder mittendrin im Rennen um den Aufstieg auf die DP World Tour. Verändert das Ihre Zielsetzung?
Nicht unbedingt. Das Ziel war von Anfang an klar. Natürlich bin ich jetzt in einer deutlich besseren Ausgangslage. Aber die Saison ist noch lang und ich hoffe, dass ich noch einige gute Turniere spielen kann, um meine Ziele zu erreichen.“







