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Der längste auf der PGA Tour: Rocket-Classic-Champion Aldrich Potgieter ist gerade mal 20 Jahre jung und Rookie. Trotzdem führt er die Driving-Distance-Statistik vor Rory McIlroy an. | © Raj Mehta/Getty Images

Vom Rugby über Ringen zum Golf

Zehn Tage haben gefehlt, dann hätte Aldrich Potgieter einen Rekord von Tiger Woods gebrochen. Der GOAT hatte 1996 erstmals auf der PGA Tour gewonnen – im Alter von 20 Jahren, neun Monaten und sechs Tagen. Der Südafrikaner Potgieter war bei seinem dramatischen Triumph im Play-Off der Rocket Classic in Detroit 20 Jahre, neun Monate und 16 Tage alt. Knapp also. Und dennoch scheint da ein neuer Stern aufzugehen in der Welt des Golfsports. Beziehungsweise war der schon vor der Rocket Classic am Himmel. Aber jetzt, nach dem Sieg, funkelt er so richtig.

 

Dabei stellt sich die gesamte Community die Frage: Wie macht der das? Wie schafft es der 20-jährige Südafrikaner, diese Längen aus seinen Schlägern zu zaubern. Yardages, von denen andere Top-Stars (okay, mit Ausnahme DeChambeaus) nur träumen können. In der Kategorie Driving Distance liegt der Rookie mit einem Average von 327,4 mal eben deutlich vor keinem Geringeren als Rory McIlroy (320,6). Der Schnitt liegt bei 301, bester Deutscher ist Matti Schmid mit 313. Und auch der ist einer von den langen Kerls auf der Tour. Aber wie macht Potgieter das? Dafür gibt es eigentlich eine recht einfache Erklärung.

Potgieters durchschnittlicher Ballspeed liegt über 190 km/h. Für die meisten Profis ist das ein ehrgeiziges Ziel. Nur wenige schaffen das im Training, und nur wenige haben die Fähigkeit und das Selbstvertrauen, es auf dem Platz im Turnier zu bewerkstelligen. Die zwei Geheimnisse hinter den mächtigen Längen des frisch gebackenen Champions beginnen jeweils mit „R“: Rugby und Ringen. Schon in seiner frühen Jugend spielte Potgieter in der Heimat Südafrika Rugby. Das gab ihm Kraft und Durchsetzungsvermögen. Als er acht Jahre alt war, zog die Familie von Middelburg in Südafrika ins australische Perth und auf Geheiß des Vaters wechselte der Sohn zum Ringen. Und genau darin sieht sein Schwungtrainer Justin Parsons den Unterschied: „Sein starker Rumpf und seine Fähigkeit, seinen Körper aufzuwickeln, sind unglaublich. Durch das Ringen kann er unglaubliche Drehmomente erzeugen.“

 

Tatsächlich bewies der junge Aldrich sehr viel Talent und wurde schnell zu einem der Besten des Landes im Ringen. „Ich war irgendwie gut“, erzählte er im Interview mit der PGA Tour. Mit elf gewann er eine nationale Meisterschaft in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm. Mit elf! Den rasanten Aufstieg führt er selbst auf seine Hand-Auge-Koordination zurück, die es ihm immer ermöglichte, als Kind viel Sport zu treiben. Rugby und Golf liefen damals schon parallel. In Südafrika hatte er als kleiner Junge schon die Junior Golf Academy von Louis Oosthuizen besucht, in Australien war er am Kingsway Christian College Teil des Golfteams. Es war also durchaus eine interessante, sportliche Kombi, die ihm früh Möglichkeiten verlieh, Kraft sehr effektiv einzusetzen. Wie bei der Mexico Open 2025, als er das Par 5 der zwölften Bahn, immerhin 661 Yards, per Driver-of-the-Deck in zwei Schlägen sicher erreichte.

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Mit 14 beendete Aldrich Potgieter das Ringen, um sich voll und ganz auf den Golfsport zu konzentrieren. Er sah als 1,80 Meter großer und knapp 100 Kilo schwerer junger Mann wohl mehr Erfolgschancen im Sport mit der kleinen, weißen Kugel, die er meistens deutlich weiter schlug als die Konkurrenz. Und der Südafrikaner setzt sein teils auf Ringen ausgelegtes Workout fort, was ihm deutlich mehr Beweglichkeit verschafft als ohne dieses Training. Vor allem: Bankdrücken. „Beim Ringen ist man lange in dieser gebückten Position. Oft muss man drei, vier Minuten so bleiben, bis ein anderer einen packt und versucht, dich auf den Boden zu bringen“, sagt Potgieter. Beim Drive sei das ähnlich. Wenn man einen Top-Schwung mache und den Ball trifft, sei man ebenfalls in einer Position, in der man zahlreiche Muskeln benutzt.

 

Als Aldrich Potgieter 17 war, zog die Familie zurück nach Südafrika. Seinen Durchbruch hatte er 2022 bei der British Amateur Championship im Royal Lytham & St. Annes Golf Club: Drei Monate vor seinem 18. Geburtstag wurde er zweitjüngster Sieger in der Geschichte des vielleicht wichtigsten Golfturniers vor einer Profikarriere. Südafrikas vielleicht größtes Golftalent der vergangenen Jahre brach weitere Rekorde: Mit 19 gewann er die Bahamas Great Abaco Classic und wurde jüngster Champion aller Zeiten auf der Korn Ferry Tour. Über diese stieg er schließlich in Liga eins auf – und ist nun ein PGA-Tour-Sieger. Auf der ganz großen Bühne ist er mit durchschnittlich 327 Yards pro Drive 27 Meter länger als der Durchschnitt. Anders ausgedrückt: Wenn Potgieter einen Drive schlägt, wird er wahrscheinlich zwei oder drei Schläger weniger bei der Ännäherung brauchen als ein normaler Tour-Spieler. Mehr als 85 Prozent der gemessenen Drives von Potgieter sind länger als 300 Yards.

 

Das Beängstigende an der ganzen Geschichte: Aldrich Potgieter ist erst 20 Jahre jung. Er hat noch Raum zu wachsen. In allen Bereichen: mental, Technik, Strategie und sogar bei der Kraft. „Mit diesen Grundlagen und seiner Fähigkeit, Drehmoment zu erzeugen, wird er für lange Zeit einer der längsten Spieler auf Tour sein“, sagt Schwungcoach Parsons. Seinen ersten großen Titel hat er. Wir sind gespannt auf die Majors.

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