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Deutschlands letzter Sieger auf der PGA Tour: Stephan Jäger feiert am 30. Mai seinen 37. Geburtstag. | © Andrew Redington/Getty Images

Mister Fiftyeight wird Thirtyseven

Das Licht der Welt erblickt Stephan Jäger am 30. Mai 1989 in München. Mit seiner Familie (Papa Klaus, Mama Sophie und die große Schwester Michaela) wächst er in Eichenried auf – nur ein Par 5 von genau der Anlage entfernt, die jährlich Schauplatz der BMW International Open ist. Für die Kids der Jägers ein idealer Spielplatz, denn die müssen nur die Straße überqueren und sind schon auf der Anlage, auf der auch die Eltern golfen.

 

So richtig mit Golf beginnt Stephan Jäger aber erst, als Hannelore Kofler, Mutter des früheren Eichenrieder Geschäftsführers Korbinian Kofler (jetzt im Wittelsbacher GC), als Lehrerin am Erdinger Gymnasium in der 5. Klasse Schulgolf anbietet. Eigentlich ist Fußball noch deutlich interessanter. Klar, in München ist der Deutsche Rekordmeister FC Bayern zu Hause. Aber auch Tennis, Skifahren und Eishockey haben es ihm angetan. Trotzdem: Golf packt den jungen Stephan, und die ersten Erfolge stellen sich schnell ein.

 

Bei seinen ersten Schul-Golf-Meisterschaften im Jahr 2000 hat er noch ein Handicap von 30. Alte Eichenrieder Mitglieder der ersten Stunde erinnern sich an einen „extrem trainingsfleißigen Stephan“, der täglich auf der Driving Range und auf dem Putting Grün anzutreffen ist. „Fleißig und total fokussiert ist Stephan noch heute“, sagte Mama Sophie dem Münchner Merkur in einem Interview später stolz. 2007 wird er Bayerischer Jugendmeister, gewinnt schon im Teenager-Alter die Eichenrieder Clubmeistermeisterschaften.

Jäger zeigt Talent, das irgendwann Eichenrieds Head-Pro Ken Williams auffällt. Die Zusammenarbeit trägt Früchte; es folgen Turniersiege und die Nominierung für den deutschen Jugendkader. Und was macht ein junger, ambitionierter Golfer, wenn er nach Höherem strebt? Genau, er geht in die USA. Ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der besten Golfer der Welt. Stephan Jäger geht zunächst nur für ein Austauschjahr an die Baylor School in Chattanooga/Tennessee, eine private Internatsschule mit Golfförderung. Erst plagt ihn Heimweh, später findet er sich immer besser zurecht, was auch an der Freundschaft zu Harris English liegt, der dem jungen Mann aus Bavaria hilft, sich an den American Way of Life zu gewöhnen.

 

Nach dem College-Abschluss und Angeboten aus Kentucky und Virginia entscheidet sich Jäger, in Chattanooga zu bleiben und auf der University of Tennessee Psychologie zu studieren. Die Golfkarriere rückt aber immer mehr in den Mittelpunkt, was auch daran liegt, dass er immer besser wird. 2012 wechselt er ins Profilager, entwickelt sich auf der zweitklassigen Web.com Tour zu einer festen Größe und macht 2016 riesige Schlagzeilen, als er bei der Elli Mae Classic in Kalifornien eine sensationelle 58 spielt. Ein Fabelscore. Zwölf Birdies, keine Fehler. Der Coup beschert ihm den Spitznamen „Mister Fiftyeight“, sogar Arnold Palmer gratuliert.

 

Im selben Jahr spielt er an der Seite von Alex Cejka für Deutschland beim World Cup of Golf, ein Jahr später schafft er auf der Web.com Tour gleich zwei Turniersiege. Damit gelingt es ihm, sich unter den besten 25 Spielern zu platzieren und die Karte für die PGA Tour zurückzuholen. Und auch privat stellt Stephan Jäger die Weichen, heiratet seine langjährige Lebensgefährtin Shelby, mit der er inzwischen zwei Söhne hat. Das Familienglück macht Golden-Retriever Phil perfekt. In der Karriere eines Golfprofis läuft es aber nicht immer rund und so kann er die Karte für die PGA Tour zunächst nicht halten.

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In der wegen der Covid-19-Pandemie auf den Zeitraum 2020/2021 erweiterten Korn Ferry Tour holt er sich im April 2021 seinen sechsten Titel und kehrt damit in Liga eins zurück. Und genau dort ist der Bayer aus Tennessee inzwischen eine feste Größe und feiert Ende März 2024 seinen Durchbruch: Jäger gewinnt die Texas Children's Houston Open mit einem Schlag vor Scottie Scheffler und schreibt Geschichte, denn es ist der erste Sieg eines Deutschen auf der PGA Tour seit Alex Cejkas Triumph 2015 in Puerto Rico.

 

Im Sommer 2024 vertritt er Team Germany bei den Olympischen Sommerspielen in Paris. Stephan Jäger ist angekommen in der Weltspitze. Trotz seiner 58 oder seiner Siege – der gebürtige Münchner ist immer auf dem Boden und hartnäckig geblieben. Nach Rückschlägen kämpft er sich immer wieder zurück an die Spitze – zuletzt mit einer Top-Ten-Platzierung beim CJ Cup Byron Nelson in Texas. Ein Sympathieträger, der früh von zu Hause ausgezogen ist, um seine Träume zu erfüllen. Auf der PGA Tour gehört er inzwischen zum Inventar. Bei der BMW International Open 2026 will er dabei sein. Dann heißt es zurück zu den Wurzeln – im besten Golf-Alter von 37 Jahren.

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