Partner des DGV

DGV-Präsident Claus Kobold | © DGV/Kaspar

„Golf in Deutschland ist in Bewegung“

Frage: Herr Kobold, wie fällt Ihr Fazit nach dem Verbandstag aus?

Claus Kobold: Positiv.Wir sind sehr fokussiert und vor allem auch sehr zügig durch die einzelnen Tagesordnungspunkte gekommen. Ich habe von vielen Mitgliedern gutes Feedback bekommen. Auch das Hearing am ersten Tag hat sich erneut als gewinnbringend erwiesen. Dass wir die Möglichkeit haben, so eng und auf Augenhöhe in den Austausch mit unseren Mitgliedern zu kommen, ist super.

 

Frage: Immer mehr Menschen spielen Golf in Deutschland. Ist das uneingeschränkt eine Erfolgsgeschichte?

Kobold: Es ist definitiv eine gute Nachricht, dass Golf so viel Interesse weckt wie nie zuvor. Zugleich ist es unsere Aufgabe, sehr genau hinzuschauen: Dieses Wachstum ist nicht gleichmäßig. Es verteilt sich sehr unterschiedlich auf die Anlagen und Altersgruppen – und es ist kein Selbstläufer.

 

Frage: Was bedeutet das konkret?

Kobold: Wir sprechen von einem Wachstum von 1,3 Prozent – solide, aber kein Grund zur Selbstzufriedenheit. Rund 47 Prozent der Anlagen wachsen, 13 Prozent sind stabil, aber etwa 40 Prozent verlieren Mitglieder. Das zeigt: Es gibt nicht den einen Golfmarkt, sondern viele unterschiedliche Entwicklungen.

 

Frage: Worauf kommt es beim Wachstum besonders an?

Kobold: Entscheidend ist die Qualität des Wachstums. Also: Bleiben neue Mitglieder langfristig? Spielen sie regelmäßig? Sind sie wirtschaftlich tragfähig? Die reine Zahl sagt wenig über die Stabilität dieser Entwicklung aus.

 

Frage: Gibt es auch besonders positive Trends?

Kobold: Ja, vor allem bei jüngeren Zielgruppen. Was uns besonders freut. Die Altersgruppe zwischen 19 und 40 Jahren wächst überdurchschnittlich – und das entgegen dem demografischen Trend. Das zeigt, dass viele Anlagen erfolgreich neue Wege gehen, etwa in der digitalen Ansprache.

 

Frage: Welche Herausforderungen beschäftigen die Golfanlagen aus Ihrer Sicht aktuell zudem besonders?

Kobold: Die Rahmenbedingungen sind noch anspruchsvoller geworden: steigende Kosten, Fachkräftemangel und starke Konkurrenz durch andere Freizeitangebote. Dazu kommen Themen wie die Grundsteuerreform und steuerrechtliche Unsicherheiten, etwa bei Mitgliedsbeiträgen.

 

Frage: Wie geht der Verband damit um?

Kobold: Wir bringen uns aktiv in politische und rechtliche Prozesse ein. Nicht alles lässt sich sofort lösen, aber wir erzielen Fortschritte und bleiben dran. Denn wirtschaftliche Stabilität ist die Grundlage für alles.

 

Frage: Verändert sich auch die Art und Weise weiterhin, wie Golf gespielt wird?

Kobold: Absolut. Flexiblere Spielformen gewinnen an Bedeutung, und auch das sogenannte nicht organisierte Golf wächst. Viele Menschen möchten spontaner und individueller spielen, darauf gilt es zu reagieren. Die VcG, die Vereinigung clubfreier Golfspieler, ist weiterhin eine absolute Erfolgsstory. Wir sind sehr froh, dass wir in einem so engen und konstruktiven Austausch mit der VcG sind.

Frage: Welche Rolle spielt die Digitalisierung dabei?

Kobold: Eine zentrale. Ein gutes Beispiel ist der digitale DGV-Ausweis in der Golf.de-App. Damit reduzieren wir zum einen Aufwand und Kosten, schaffen zugleich neue Services und leisten einen Beitrag zur Nachhaltigkeit. In gewisser Weise also eine Win-Win-Win-Situation. So machen wir Golf gemeinsam mit unseren Mitgliedern, den Golfclubs, noch moderner und zugänglicher. Wir sind bei diesem strategisch wichtigen Projekt auf einem sehr guten Weg und werden im nächsten Schritt mit Pilotclubs in einen engen Austausch treten, um die Golf.de-App marktreif zu testen.

 

Frage: Ein weiteres großes Thema ist Nachhaltigkeit. Was passiert hier konkret?

Kobold: Golf findet in der Natur statt – das bringt Verantwortung mit sich. Klimaveränderungen wie Trockenheit oder Extremwetter betreffen die Anlagen direkt. Deshalb arbeiten wir schon seit längerer Zeit an einer ökologisch fokussierten Nachhaltigkeitsstrategie, die Verantwortung mit wirtschaftlicher Machbarkeit verbindet. Dass wir nun jüngst auf dem Verbandstag verkünden konnten, dass alle Fachverbände im Schulterschluss bei diesem Thema agieren, ist ein toller Erfolg.

 

Frage: Kommen wir zum Sport: Wie steht es um Nachwuchs und Leistungssport?

Kobold: Sehr gut. Programme wie „Abschlag Schule“, die nach wie vor elementar sind, bringen Kinder früh mit Golf in Kontakt. Gleichzeitig fördern wir Talente gezielt und schaffen gemeinsam mit den Landesverbänden verlässliche Strukturen.

 

Frage: Und im Spitzensport?

Kobold: Auch dort haben wir große Fortschritte gemacht. Wir sind bis 2028 förderfähig durch den Bund und haben eine klare Struktur aufgebaut – von Nachwuchsarbeit bis hin zu internationalen Turnieren.

 

Frage: Können Sie Beispiele nennen?

Kobold: Turniere wie die German Challenge, die Ladies German Challenge oder die Amundi German Masters bieten wichtige Plattformen. Ergänzt wird das durch die Pro Golf Tour, die jungen Talenten den Einstieg erleichtert. Unsere Aufgabe ist es, dies alles bestmöglich zu fördern und zu unterstützen.

 

Frage: Zeigt sich dieser Aufwand auch in Erfolgen?

Kobold: Spielerinnen wie Esther Henseleit oder Talente wie Helen Briem stehen für diese Entwicklung. Insgesamt ist der deutsche Golfsport international konkurrenzfähig, das sehen wir Woche für Woche auf den großen Turnieren. Und das nächste Highlight, wenn wir etwas weiter nach vorne schauen, sind natürlich die Olympischen Spiele 2028.

 

Frage: Wie steht es um die öffentliche Wahrnehmung von Golf?

Kobold: Die Sichtbarkeit ist gestiegen, etwa durch Erfolge wie von Esther Henseleit bei den Olympischen Spielen. Mit MagentaSport ist zusätzlich zu Sky ein weiterer Player im TV dazu gekommen. Gleichzeitig setzen wir aus uns heraus verstärkt auf digitale Formate wie Videos, Podcasts und neue Eventformate, um neue Zielgruppen zu erreichen. Mein Eindruck ist, dass wir da genau auf dem richtigen Weg sind. Es geht darum, dass wir uns als Dachverband auch gerade durch unsere Kommunikation aktiv einbringen und immer wieder neue Impulse setzen.

 

Frage: Was ist Ihre zentrale Botschaft zum Schluss?

Kobold: Golf in Deutschland ist in Bewegung. Aber der Sport lebt vor allem von den Menschen – von Ehrenamtlichen, Mitarbeitenden in den Clubs und starken Partnern. Gemeinsam können wir diese positive Entwicklung weiter vorantreiben. Und genau das werden wir auch jetzt nach dem abgeschlossenen Verbandstag mit viel Elan tun. 

Für die Darstellung dieser Inhalte von Instagram benötigen wir Ihre Einwilligung. Wenn Sie die Inhalte aktivieren, werden Ihre Daten verarbeitet und es werden Cookies zum Zwecke der Reichweitenmessung und des profilbasierten Online-Marketings auf Ihrem Endgerät gespeichert sowie von diesem gelesen. Informationen und Hinweise zur Einwilligungs-, Widerrufs- und Widerspruchsmöglichkeiten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und der Datenschutzerklärung von Instagram.
Inhalte laden
Instagram-Beiträge immer entsperren

Weiteres zum Thema

Tipps der Redaktion