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Mit Hoodie auf den Platz: Für Niko Backspin schon lange Alltag. | © Urban Hitters Collective

„Ich bin Hip-Hop, aber liebe Golf“

Es braucht frischen Wind in der Golfwelt sowie einen Dialog zwischen den Generationen und zwischen Sport und Kultur. So sehen es zumindest die Initiatoren des „Urban Hitters Collective“ (UHC), die ihre neue Plattform am 10. April 2025 ins Leben gerufen haben. Genau an diesem Tag wurde im Jahr 1916 die erste professionelle Golfvereinigung in den USA gegründet: die „Professional Golfers’ Association of America“ (PGA). „109 Jahre später eröffnen wir mit dem UHC ein neues Kapitel: offen, inklusiv, urban“, heißt es in einem ersten Schreiben an die Golf-Community. Der Ansatz des Kollektivs ist klar: Golf mit innovativen Formaten und zeitgemäßen Content-Ideen aus seiner traditionellen Nische herauszuführen, in einem urbanen Kontext zu verankern und für jüngere Generationen attraktiver zu machen.

 

Golf.de wollte mehr über das UHC erfahren und traf den Cultural Ambassador des Kollektivs, Niko Backspin. Der langjährige deutsche Hip-Hop-Journalist ist selbst seit 15 Jahren passionierter Golfer und musste in dieser Zeit immer wieder Widerständen trotzen. Als Mitinitiator des UHC will er den Sport nun „aus den starren Regeln der Vergangenheit lösen“. Wie ihm das gelingen soll, was er am Golfsport so liebt und warum Hip-Hop und Golf gar nicht so weit voneinander entfernt sind, wie man zunächst denken mag, erzählt er im folgenden Interview.

 

Golf.de: Du spielst seit 15 Jahren Golf. Was hat dich damals an diesem Sport begeistert und was begeistert dich heute noch daran?

 

Niko Backspin: Ganz simpel: die Natur. Also die Ruhe. Ich bin viel unterwegs und sehr glücklich darüber, aber ich habe früh den Golfplatz als genau diesen Ort entdeckt, der mir hilft, ein wenig abzuschalten. Es sind lange Wege, man sucht oft den Ball und muss dabei trotzdem fokussiert und konzentriert bleiben. Golf bringt mich in einen Zustand der Ruhe und bietet mir einen Ausgleich. Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich kein Sommergolfer bin. In der Regel spiele ich häufiger, wenn die anderen weniger spielen, und stehe dann gerne bei Regen und drei Grad auf dem Platz. Es ist ein Sport, der mich total fasziniert. Man trifft Menschen, er ist vielseitig und einfach ein wunderschönes Hobby in der Natur.

 

Andere gehen in der Natur spazieren oder fahren Fahrrad. Warum also ausgerechnet Golf?

 

Ich war schon immer kompetitiv und es ist diese Faszination, auf einem 300 Meter langen Loch zu stehen und den Ball am Ende in dieses kleine Loch zu putten. Diese Wettbewerbsorientierung habe ich inzwischen aber zur Seite geschoben, und ich habe immer noch Handicap 54, weil mir das Gesellige einfach besser gefällt. Ich war letztens bei einem Charity-Event in Hamburg und hatte letztlich mehr Spaß mit meiner Gruppe, als dass ich meine Schläge gezählt habe.

Mit dem von euch ins Leben gerufenen „Urban Hitters Collective” möchtet ihr Golf vor allem für jüngere Generationen zugänglicher machen. Hast du dich jemals unwillkommen in der Golfwelt gefühlt?

 

Oh ja, einige Male. Ich habe selbst in einem kleineren Club in Hamburg angefangen. Und nicht falsch verstehen: Ich finde es wichtig, dass es Regeln gibt, dass man den Golfplatz schont und auf gewisse Dinge achtet. Aber wie sich manche Leute aufgespielt haben und mich gefragt haben, was ich denn dort zu suchen habe, das war schon manchmal befremdlich. Deswegen mag ich Wintergolf vielleicht auch so gerne, weil ich dann häufiger alleine spielen kann und nicht die ganze Zeit darauf geachtet wird, ob ich etwas richtig oder falsch mache. Ich muss aber betonen, dass das nicht die Regel war. Letzten Endes bin ich auf viele positive Dinge gestoßen. Die Schönheit der Plätze und die Menschen, die ich getroffen habe und die riesengroße Fans dieses Sports sind. Durch dieses Kollektiv treffe ich immer mehr Leute, die unseren Ansatz toll finden. Und dabei geht es nicht nur um die junge Generation, also die 16-Jährigen, sondern auch um meine Generation. Diesen Menschen wollen wir einen neuen Zugang zum Golf aufzeigen.

 

Die Plattform UHC ist vor zwei Monaten an den Start gegangen. Wie lange wurde das Projekt bereits entwickelt und was war für dich ausschlaggebend, als Mitinitiator an Bord zu sein?

 

Ich sehe es als riesengroße Chance. Dieser Sport ist viel stylischer, viel urbaner und viel diverser, als er in Deutschland gelebt und wahrgenommen wird. Das sieht man auch in anderen Ländern. Ein bisschen an den Strukturen zu rütteln und den Finger in die Wunde zu legen, habe ich aus dem Hip-Hop gelernt. Dass ich das im Golf anwenden kann, weil es dort Gleichdenkende gibt, die einen ähnlichen Weg sehen, ist sehr spannend. Die Idee gibt es schon seit Jahren, denn es ging darum, wie man Golf einer anderen, vielleicht etwas urbaneren Zielgruppe näherbringen kann. Wir wollten einen neuen Ansatz finden. Aber das ist auch keine Neuerfindung. Überall in Deutschland gibt es mal Events von Promis oder einer Golfmarke, bei denen man sich einen schönen Tag macht. Dem Ganzen fehlt jedoch ein Mantel, ein Kollektiv, ein Gedanke, der alles zusammenbringt. Wenn es die Chance gibt, Golf eine andere Farbe zu geben, möchte ich natürlich dabei sein.

 

Ein 13-jähriges Mädchen steht neben dir auf der Driving Range und fragt dich, was UHC ist. Wie antwortest du?

 

Wir sind so etwas wie dein Lieblingssong: laut, echt und du selbst. Vielleicht schaffen wir es, ihr zu zeigen, dass es nicht nur etwas für ihren Vater oder Bruder ist, sondern auch für Mädchen wie sie – mit Stil, mit Mut, mit Vielfalt. Das Urban Hitters Collective soll zeigen, dass es nicht nur diese eine Welt gibt. Es gibt auch eine stylische, junge, moderne, musikalische Variante, die ihrer Zielgruppe näher ist. Das Collective ist ein Sammelbecken für alle, die sich ähnlich fühlen und dem klassischen Sport eine weitere Facette hinzufügen wollen. Vielleicht bietet es auch die Möglichkeit, ein kleines bisschen mehr man selbst zu sein. Es gibt keine Vorgabe, wie man sich zu kleiden hat. Es geht also auch um eine andere Haltung zum Golfsport.

 

Als langjähriger Hip-Hop-Journalist passt du natürlich perfekt ins urbane Konzept. Wie viel Hip-Hop steckt im Golf?

 

Es geht um Haltung, aber auch um Herausforderungen und die Frage, wie man sich positioniert. Wenn ich mein eigenes Spiel betrachte, dann wäre ich ungefähr ein so guter Golfer geworden, wie ich Rapper geworden wäre, weil mir vielleicht ein gewisser Flow fehlt. Auch DJ oder Produzent wäre ich nie geworden, weil mir die Liebe zum Detail fehlt und ich eher so rüberschwinge. Aber im Prinzip geht es bei beiden Dingen um Präzision und Technik. Entscheidend ist, dass es eine Verbindung zwischen Hip-Hop und Golf geben kann. Golf hat eine lange Tradition und ist fest in der Gesellschaft verankert. Hip-Hop ist eine Remix-Kultur ohne eigenen Stamm, die sich alles nimmt und daraus etwas Neues zaubert. Ich glaube, an diesem Punkt sind wir gerade. Es geht nicht darum, wie viel Hip-Hop im Golf steckt, sondern wie Hip-Hop dabei helfen kann, Golf für die Zukunft neu aufzustellen.

 

Wie genau?

 

Es geht nicht darum, nach einem Putt ein wildes Hip-Hop-Handzeichen zu machen, sondern um die Haltung. Es geht darum, Style neu zu definieren und ein paar Fesseln zu lösen. Das sind wichtige Elemente, die Hip-Hop Golf hinzufügen kann. Dafür treten wir an.

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Golf ist ein häufig aufgegriffenes Thema in Texten von Hip-Hop-Künstlern und wird dabei oft als Metapher für sozialen Aufstieg genutzt. Ist dies ein Zusammenspiel von Hip-Hop und Golf, das du weniger begrüßt?

 

Wenn man nach klassischen Hip-Hop-Narrativen arbeitet, also gesellschaftlich ausgegrenzt ist, um darüber Identität zu schaffen und dann in die gesellschaftliche Mitte zu kommen, dann sind die Uhr oder das Auto genauso wie der Golfplatz, auf dem man mit schiefer Kappe und Kapuzenpulli nicht willkommen ist. Daher ist es nachvollziehbar, dass man dorthin möchte, wo einen die klischeehaften alten weißen Männer in ihren Polohemden nicht haben wollen. Das macht Hip-Hop auch gerne bei anderen Dingen. Golf ist so elitär und exklusiv, da ist es schwer, reinzukommen. Aber genau das ist der Ansatz, den wir ändern können. Jeder, der Lust auf den Sport hat, soll herzlich willkommen sein. Wer die Regeln nicht kennt, dem wird geholfen. Aber jeder soll seine eigene Persönlichkeit mitbringen dürfen. Und diesen Zugang wollen wir mit dem „Urban Hitters Collective” schaffen. Nach dem Motto: „Ich bin Hip-Hop, aber liebe Golf.”

 

Rapper wie ScHoolboy Q oder Macklemore sind leidenschaftliche Golfer und regelmäßige Gäste bei großen Pro-Am-Events. Können solche Persönlichkeiten dabei helfen, Golf aus dem Country Club in die Stadt zu bringen?

 

Zu einhundert Prozent. Man braucht solche Multiplikatoren. Und je überraschender sie sind, desto besser. RIN outet sich ebenfalls als Golfer und ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie das angestaubte Bild des Golfsports abgelegt werden kann. Gleichzeitig bringt es uns nichts, wenn ich Celo & Abdi einlade und die den Golfplatz umpflügen. Das würde alle Klischees erfüllen. Hip-Hop lebt genauso von Respekt wie Golf. Es geht nur darum, diesen Respekt anzugleichen. Man muss also sowohl Respekt vor dem Sport als auch vor den Menschen haben, die Spaß daran haben.

 

Das UHC legt auch großen Wert auf Mode und Lifestyle. Sind Hoodies und Jogger hier vielleicht nur der Anfang eines modischen Wandels auf dem Golfplatz?

 

Ja, und ich finde das vor allem total wichtig. Man kann eine Etikette wahren, auch wenn man sie bricht. Es können kleine Elemente sein. Hoodies und Jogginghosen sind der einfache Einstieg. Den Weg gehen wir beim Urban Hitters Collective auch. Aber das ist nur der Anfang. Es gibt viele Marken aus den USA, aber auch in Hamburg, zum Beispiel „Inferno Ragazzi“, die mit wilden Farben arbeiten. Das hat so viel Potenzial. Gleichzeitig wollen wir nicht vorschreiben, was man anzuziehen hat.

 

Der Dresscode im Golf wird mal strenger und mal weniger streng ausgelegt. Inwieweit unterscheidet er sich jedoch von dem bei anderen Sportarten, beispielsweise beim Tennis?

 

Ich glaube, das hängt damit zusammen, dass sich der Golfsport bewusst abgegrenzt hat. Das fängt schon bei der Preisgestaltung an. Ich erinnere mich noch daran, wie ich mit meinem Kapuzenpulli auf die Toilette eines Golfclubs ging und dort vor einem Schild mit den Etikette-Regeln stand. Da habe ich an mir heruntergeschaut und gedacht: „Das wird ja eine kurze Runde heute.“ Aber genauso wie in der Businesswelt, die sich immer mehr von Anzug mit Krawatte zu weißen Sneakern mit Hemd wandelt, ist auch hier die Zeit nicht aufzuhalten. Am Anfang meiner Golfkarriere war ich sehr vorsichtig, was ich auf dem Platz trage. Aber ich weiß jetzt, dass mich niemand vom Platz schmeißt, weil ich so aussehe, wie ich aussehe. Das heißt nämlich nicht, dass ich keinen Respekt vor dem Sport habe. Ich habe riesengroßen Respekt vor dem Sport als Institution und vor den Plätzen dieser Welt. Und das ist doch das Wichtigste.

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Golf gilt gemeinhin als traditionsbewusster Sport. Diese Eigenschaft wird meist negativ konnotiert und auch vom UHC kritisch betrachtet. Aber ist es nicht gerade diese lange Tradition, die den Golfsport so reizvoll und faszinierend macht?

 

Klar. Altehrwürdige Geschichten und die Green Jackets dieser Welt müssen wie ein Schatz geschützt werden. Das steht außer Frage. Ich möchte nicht alles auf links drehen und den großen Kampf gegen das Golf-Establishment ausrufen. Aber Traditionen und Geschichten werden in einer Generation geprägt. Wir müssen also schauen, welche Traditionen für die nächsten Generationen noch haltbar und zielführend sind. Manchmal muss man vielleicht etwas rütteln und hinterfragen. Das kann die Kleidung sein. Oder eine Regel. Oder das, was man auf dem Platz machen darf. Es geht um die Frage, inwieweit man bereit ist, sich anderen, neuen Welten zu öffnen. Deswegen ist das Urban Hitters Collective wie ein Aufbruch, um gemeinsam mit vielen Menschen, die Lust darauf haben, den Golfsport moderner zu machen.

 

Kommen wir zu einem sachlicheren Thema: Auch das UHC kann nicht von Luft und Liebe allein leben. Wie finanziert ihr euch?

 

Es geht darum, Partnerschaften einzugehen. Seit Tag eins haben wir sehr gutes Feedback bekommen. Das ist sehr schön. Wir merken, dass wir einen Nerv getroffen haben und sich viele Leute angesprochen fühlen. Diese Partnerschaften bestehen aus Marken, die unsere Vision von Beginn an teilen. Es geht nicht um Sponsoring, das auf Reichweite und Sichtbarkeit aufgebaut ist, sondern um die Idee. Wir wollen nicht schnell Geld verdienen. Es ist ein authentischer Ansatz, um Golf ein anderes Gesicht zu geben, und glücklicherweise gibt es da draußen Marken, die dieser Idee folgen. Nur mit strategischen, langfristigen Partnern kann aus der Idee eine Bewegung entstehen.

 

Wie kann sich jemand, der Interesse an eurer Bewegung hat, dem UHC anschließen und dabei mitwirken?

 

Zu Beginn war es ein Ruf in die weite Welt, und das erste Feedback darauf war großartig. Der erste Schritt, um Teil davon zu werden, ist, uns zu folgen. Wir haben nicht nur eine Webseite, sondern auch einen Newsletter und einen Instagram-Account. Dort kann die Entwicklung mitverfolgt werden. Wir haben Pläne, gehen aber alles Schritt für Schritt. Es braucht physische Berührungspunkte in Form eigener Formate, die vor Ort stattfinden. Wir haben uns als Kollektiv zusammengeschlossen, um langfristig eine Marke aufzubauen und Sichtbarkeit zu schaffen.

 

Wenn wir zehn Jahre in die Zukunft blicken: Welche von euch initiierten Auswirkungen würdet ihr gerne sehen?

 

Ich muss ganz ehrlich sagen: Ein Golfclub mit einer etwas anderen Ästhetik könnte in zehn Jahren durchaus ein Ziel sein. Der Urban Hitters Golfclub. Wir würden gerne die nächste Generation aus dem Blickwinkel der Urbanität heranführen. Der Zugang zum Sport ist schwierig. Vielleicht schaffen wir es, Menschen, die aus Milieus kommen, in denen man normalerweise nicht mit Golf in Kontakt kommt, diesen Zugang zu ermöglichen. Der Hip-Hop-Gedanke eben.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

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