Lernen von Ronaldo
Natürlich hängt so ein 18-jähriger Gymnasiast gerne mit Freunden ab. Einfach mal nur chillen statt im Mathebuch Kurven diskutieren. Oder einfach mal mit Freunden über einen FC-Bayern-Sieg in der Champions League jubeln. Zumindest ist das bei Anton von L'Estocq so. Der Nationalspieler aus dem Junior Team Germany ist in Sachen Golf inzwischen so viel unterwegs, da bleibt nicht mehr viel Freizeit. Zumal: 2027 steht das Abitur an. Da muss er zwischen Golf und Freunden hin und wieder auch Englisch, Deutsch und Geschichte büffeln.
Seine eigene Geschichte will er noch schreiben. „Von so großen Dingen oder Träumen, ein Major zu gewinnen, halte ich aber nicht viel“, erzählt der gebürtige Starnberger, der mit Eltern und zwei großen Schwestern in Tutzing lebt. Also hält er den Ball flach und steckt sich realistische Zwischenziele: „Ich habe einen Drei-Jahres-Plan. Dann möchte ich in den Top 500 der Amateur-Weltrangliste stehen und in einem US-College besser werden.“ So etwas wie der klassische Weg also, wenn es auf der Golf-Karriereleiter Sprosse für Sprosse nach oben gehen soll.
Dass er sich in den vergangenen Jahren zu einem Top-Amateur Deutschlands gemausert hat, verraten diese fünf Zahlen: 65, 66, 67, 68 und 69. Mit diesen Scores beendete Anton von L'Estocq 2025 die fünf Spieltage in der Deutschen Golf Liga presented by All4Golf. Beachtlich. Genau diese starke Performance brachte ihm den Titel als Player of the Year in der DGL ein. „Ich habe davon eigentlich durch den Insta-Post der Liga erfahren. Das war schon eine coole Sache und ist natürlich eine große Ehre für mich.“ Ungewöhnlich ist das deshalb, weil er mit seinem GC Feldafing von der 2. Bundes- in die Regionalliga absteigen musste. Der beste männliche DGL-Akteur also einer, der nicht in Liga eins, sondern in der dritten abschlägt.
Klar sind sie in den vielleicht etwas ambitionierteren Clubs in Bayern und Deutschland auf diese Top-Leistung aufmerksam geworden. „Aber ich bleibe erst einmal in Feldafing, bis ich mit der Schule fertig bin. Da gehöre ich einfach hin. Mein Großvater hat meinen Vater mit hierher genommen und mein Vater mich. Es ist ein wunderbarer Club und ein ganz toller, enger Golfplatz, auf dem man super trainieren kann, den Ball gerade zu halten.“ Den Ball im Spiel zu halten, ist ohnehin seine Stärke. Statt immer nur den Driver bis zur Ekstase zu klopfen, greift L'Estocq auch gerne mal zum Eisen zwei, das er mal eben auch auf 240 Meter bringt. Der Durchschnitts-Amateur wäre froh, wenn er die Kugel mit diesem Schläger konstant auf dem Sweetspot hätte. Seine Lieblingsschläger sind die Wedges. Also jenes Gerät, mit dem es rund um die Grüns um Präzisionsarbeit geht. „Mit den Wedges werden die Birdies gemacht“, sagt L'Estocq.
Runder Geburtstag in Feldafing
Im GC Feldafing, der 2026 seinen 100. Geburtstag feiert, fühlt er sich wohl und klar möchte er mit den Männern, die traditionell in gelben Hosen und weißen Polos auflaufen, wieder zurück in Liga zwei. „Wir haben einfach eine sehr coole Truppe. Das macht großen Spaß mit den Jungs“, erzählt er. Und er wird in Feldafing auch von Senior-Tour-Spieler Thomas Gögele gecoacht, der ebenfalls zum Bundestrainerstab des Golf Teams Germany gehört. Doppelt gut für die Entwicklung des Talents aus Tutzing, das jeden Morgen mit Kumpel per Auto ins Ickinger Gymnasium fährt.
Mit dem Fußballspielen beim TSV Tutzing hat er aufgehört, als er 15 war und im Golf Bayerischer Meister der AK16 wurde. Er will sich voll und ganz auf die kleine, weiße Kugel konzentrieren. Cristiano Ronaldo findet er trotzdem cool. „Weil er ein extrem harter Arbeiter war und ist.“ Harte Arbeit zahlt sich meistens aus. Talent allein reicht nicht. Die Lektion hat Anton von L'Estocq schon gelernt. Im Sommer trainiert er fast täglich. Entweder im Club oder im Gym. Und wenn irgendwann doch mal etwas Zeit ist, chillt er mit Freunden. Am liebsten an einem Champions-League-Abend mit einem Bayern-Sieg.






