Habsbergs Männer marschieren: In der 1. Bundesliga Süd führt der Gastgeber nach dem Samstag ebenso wie in der Staffel der Frauen in Stuttgart. | © DGV/Kirmaier

Im Süden führen die Gastgeber

„Wind hat‘s erst, wenn die Schafe keine Locken mehr haben“, sagen die Golfer in Schottland. Insofern waren die doch recht stürmischen Bedingungen in den Einzeln und Vierern am Samstag für deutsche Verhältnisse anspruchsvoll, für Profis aus Britannien Standard. „Es ist doch recht tough – aber das gilt für alle“, sagt Sven Czyperreck. Der Sportdirektor des GC Am Habsberg hat mit den Männern des Aufsteigerteams von Coach Peter Wolfenstetter die 1. Bundesliga Süd zu Gast – und man freut sich, nach einem wilden Ritt in nur fünf Jahren von der Landes- in die Top-Liga die besten Teams Deutschlands begrüßen zu dürfen zur Geburtstagsparty in Bayerns Osten: Carl Siemens (SLR), Marian Ludwig (Habsberg) und Daniel Schmieding (MGC) lassen sich feiern.

 

Es soll kein kurzes Intermezzo sein. Die Habsberger wollen nicht nur den Klassenerhalt, sondern auch mal schauen, was so geht. Und in Sachen Final Four ein Wörtchen mitreden, wenn am 1./2. August am Riedhof die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft ausgetragen wird. In den Einzeln und Vierern am Samstag machten die Gastgeber dann auch ernst, nachdem sie vor zwei Wochen in Augsburg noch hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben waren. „Wir haben das angesprochen, hart gearbeitet und jetzt schauen wir mal, wie die Teams aus Liga eins mit unserem Platz und dem doch recht strammen Wind zurechtkommen“, sagen Czyperreck und Habsbergs Captain Christian Stibor.

Michael Mayer vom Gastgeber hatte mit einer 68 (-4) bewiesen, dass durchaus was geht. Eine 68 hatte auch Augsburgs Philipp Macionga auf der Karte. Er hatte vor wenigen Tagen das Auftaktevent des German Swing auf der Pro Golf Tour gewonnen – und traut seiner Mannschaft in der DGL durchaus noch den Klassenerhalt zu. „Es bedeutet mir sehr viel, für Augsburg DGL zu spielen, weil ich in einigen Jahren schon viel erlebt habe mit dem Club, der mich immer sehr unterstützt hat. Es macht einfach Spaß mit der Mannschaft. Wir sind Underdog, werden aber alles versuchen, drin zu bleiben. Möglich ist das ganz bestimmt“, so Macionga.

 

Der im Übrigen auch begeisterter Fußball-Fan ist. Bei der WM in Amerika traut Macionga der deutschen Mannschaft zwar einen klaren 6:1-Sieg in Spiel eins am Sonntag zu, den Titel allerdings nicht. „Weltmeister wird England und Harry Kane holt den Ballon d’Or“, sagt der Bayern-Fan in Diensten des GC Augsburg. Sein Team liegt nach Einzeln und Vierern an Tag eins des 3. DGL-Spieltages am Habsberg, wo vor ziemlich genau 20 Jahren ein gewisser Martin Kaymer eine 59 auf der Pro Golf Tour geschossen hatte, mit gesamt +29 allerdings bereits abgeschlagen auf dem letzten Platz. Von der Pole Position geht der Gastgeber (-6) in den Sonntag. Dazwischen geht es ordentlich eng zu: Frankfurt (+2), St. Leon-Rot (+3), München (+4): Alles Teams, die gerne ins Final Four wollen. Habsberg aber auch. Ein erstes Ausrufezeichen haben sie gesetzt die Aufsteiger aus der Oberpfalz.

Stuttgarts Frauen machen ernst

Auch in der 1. Bundesliga Süd der Frauen sind die Bedingungen im Stuttgarter GC Solitude durchaus anspruchsvoll. „Unser Platz ist in einem hervorragenden Zustand, aber wie in den vergangenen Jahren alles andere als leicht. Die Sonne scheint, aber der Wind pfeift ordentlich, was sich auch an den doch etwas höheren Scores widerspiegelt“, sagt Solitude-Geschäftsführer Simon Schmugge. Die Frauen des Gastgebers liegen nach Einzeln und Vierern am Samstag vorn – und wollen zu Hause vor den heimischen Fans ebenfalls glänzen. 2024 hatte die Mannschaft aus Schwaben Bronze im Final Four geholt, 2025 war es Silber. Völlig klar, wohin das Team in diesem Jahr möchte: Das Ziel ist Gold. 

Auf dem Thron sitzen aktuell die Frauen aus dem GC St. Leon-Rot. Die amtierenden Deutschen Mannschaftsmeisterinnen von Coach Sebastian Buhl hatten die ersten beiden Runden für sich entschieden, sehen sich in Mönsheim allerdings starker Konkurrenz gegenüber. Die beste Runde des Tages brachte SLR-Tourspielerin Celina Sattelkau mit einer beeindruckenden und bogeyfreien 68 (-4) ins Ziel. „Ich reise von hier direkt weiter zum LET-Event nach Holland, unterstütze die Mädels und das Team aber gerne und trainiere ein bisschen. Es macht einfach Spaß, in der DGL dabei zu sein, in der ich vor neun Jahren mit 15 zum ersten Mal dabei war. Die Liga ist sehr gut und wichtig für die Förderung des Golfsports in Deutschland“, erzählt Sattelkau.

 

Ihr Top-Score war zwar herausragend am Samstag, in der Breite konnte der Favorit aus St. Leon-Rot aber noch nicht ganz an die Leistung anknüpfen, die sich Coach Buhl von seinen Frauen verspricht. „Als erstes möchte ich die herausragende Leistung von Celina Sattelkau hervorheben. Bogeyfrei -4 bei diesen Bedingungen ist oberstes Regal. Auch Tessa Kremser hat mit ihrer Leistung wieder überzeugt und zeigt, dass sie auf dem richtigen Weg ist. Der weitere Tagesverlauf lässt großen ,Room for Improvement‘, sowohl spielerisch als auch taktisch. Viel zu viele einfache Fehler, die einem Kader dieser Güteklasse nicht passieren dürfen“, so SLR-Coach Buhl, der eine deutliche Steigerung für den Sonntag erwartet.

 

Hinter den führenden Stuttgarterinnen (+14) geht es allerdings mächtig eng zu. SLR (+23), München (+26) und Frankfurt (+27) lauern. Auch für Aufsteiger Fürth (+36) ist noch einiges möglich am entscheidenden Sonntag, der in den 1. Bundesligen Süd mit den Einzeln am frühen Morgen Spannung und Top-Golf zum Anfassen sowie aus nächster Nähe verspricht. In den Südstaffeln sind die 1. Bundesligen sowohl bei Männern als auch Frauen von Platz eins bis fünf noch eng beieinander. Zuschauer sind willkommen, der Eintritt ist frei. Und vielleicht wird es schon die eine oder andere kleine Vorentscheidung geben, denn drei von insgesamt fünf DGL-Runden sind dann gespielt. Ganz egal, ob die Schafe locken haben oder nicht bei der Geburtstagsparty am Habsberg.

 

 

Zwischenstand 1. Bundesliga Frauen Süd > > >

 

Zwischenstand 1. Bundesliga Männer Süd > > >

Weitere Stimmen:

Arne Dickel, Trainer Münchener GC Männer: „Nach dem ersten Tag des dritten Spieltags der 1. Bundesliga Süd stehen wir weiterhin auf Rang vier. Mit unserem Einzel am Vormittag waren wir nicht zufrieden, da haben wir zu viele Schläge liegen gelassen und uns nicht in die Position gebracht, die wir uns vorgenommen hatten. Umso wichtiger war die Reaktion der Mannschaft am Nachmittag. In den Vierern haben wir mit sechs unter Par eine starke Leistung gezeigt, viele Schläge aufgeholt und den Rückstand deutlich verkürzt. Das zeigt den Charakter und die Qualität dieses Teams. Die Spieler haben sich nach einer schwierigen Ausgangslage nicht aus der Ruhe bringen lassen und als Mannschaft eine klare Antwort gegeben. Trotz dieser positiven Entwicklung ist uns allen bewusst, dass wir unser Ziel noch nicht erreicht haben. Wir stehen weiterhin auf Platz vier und benötigen morgen erneut eine Top-Leistung. Wenn wir unsere Chancen auf das Final Four vor den letzten beiden Spieltagen rein rechnerisch aufrechterhalten wollen, müssen wir noch einmal alles investieren und von der ersten bis zur letzten Bahn konsequent unser bestes Golf spielen. Die Ausgangslage ist anspruchsvoll, aber wir haben heute gezeigt, dass wir in der Lage sind, Rückstände aufzuholen. Genau mit dieser Einstellung gehen wir in den morgigen Tag.“

 

Marco Müntnich, Trainer GC St. Leon-Rot Männer: „Das Eagle auf der 18 von Carl und Matous gibt die Richtung für den morgigen Tag vor. Wir werden den heutigen Tag nun analysieren, kleine Anpassungen vornehmen und morgen in den Einzeln alles daran setzen, die fünf Punkte mit nach St. Leon-Rot zu nehmen.“

 

Heiko Burkhard, Trainer Stuttgart Frauen: „Das war echt ein harter Tag mit viel Wind und schwierigen Fahnenpositionen. Ich habe aber sehr viele gute Dinge meiner Mannschaft gesehen heute. Da gab es keine Ausreißer nach unten. Morgen versuchen wir, an die Leistung anzuknüpfen, wollen nicht viel verändern. Das ist unser Platz, morgen sind unsere Männer in ihrem Regionalliga-Match auch auf der Anlage. Vielleicht dann auch noch ein paar mehr Zuschauer und etwas weniger Wind.“

 

Alexander Linner, Trainer München Frauen: „Das war ein sehr windiger, aber schöner Tag. Gute Grüns und der Wind pfeift stark über die Anlage. Daher war tief scoren schwierig. Umso schöner, dass Annika Voll und Charlotte Eichhorn den einzigen Unter-Par-Vierer hatten. Wir haben uns eigentlich ganz gut reingekämpft in den Spieltag. Wir haben eine solide Basis gelegt und morgen ist in alle Richtungen alles offen. Wir wollen einen guten Tag erwischen und sehen, wohin die Reise geht.“

 

Jan Pelz, Trainer Frankfurt Männer: „Sehr erfreulich aus unserer Sicht war heute, dass Ben Bradley zwei Eagle im Einzel gespielt hat. Sonst waren die Scores recht solide. Das wird morgen eine enge Kiste zwischen den ersten vier Mannschaften.“

 

Michael Heffner, Trainer Fürth Frauen: „Mit der Leistung heute bin ich nicht ganz zufrieden. Platz und Bedingungen haben alles gefordert, was man im Golf braucht. Wir sind ersatzgeschwächt und trotzdem noch ziemlich nah dran, sodass noch nichts verloren ist. Die Ausgangslage ist simpel: Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und brauchen sechs starke Scores morgen.“

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