Jr Solheim Cup

Briem siegt mit Europa


20. September 2023 , Stefan Bluemer


Helen Briem (li., @ Mark Runnacles / LET) mit Team und Pokal
Helen Briem (li., @ Mark Runnacles / LET) mit Team und Pokal

Der Ping Junior Solheim Cup endet mit einem der höchsten Siege der Geschichte. Auf dem Platz des CG La Zagaleta setzt sich Europa mit Helen Briem vom Stuttgarter GC Solitude mit 15:9 gegen die Auswahl der USA durch. Damit holt die europäische Mannschaft ihren zweiten Sieg in Folge und verringert den Rückstand in der Gesamtbilanz auf nur noch 4:7.

Benehavis/Spanien – Der Ping Junior Solheim Cup 2023, der auf dem Old Course des CG La Zagaleta ausgetragen wurde, war ein Turnier für die Geschichtsbücher. Ein überragendes Team aus Europa setzte sich mehr als deutlich gegen die US-Girls durch.
Die Slogans "Vamos Girls!" und "Go Europe!", die von den jungen europäischen Spielerinnen nach dem 15:9-Sieg über ihre Gegnerinnen gerufen wurden, sind ein Vorgeschmack auf das, was ab Freitag in der Finca Cortesin passieren wird, wenn der Solheim Cup der Profis beginnt.

Vierer

Die Mannschaft um Kapitänin Gwladys Nocera erspielte am ersten von zwei Wettkampftagen eine klare 8,5:3,5-Führung. Damit fehlten aus den abschließenden zwölf Einzelmatches nur noch vier Punkte. Helen Briem hatte an diesem Tag ihre beiden Matches gewonnen.
In den Vierern dominierte Europa und holte 5,5 der 6 Punkte. Helen Briem spielte an der Seite von Yana Beeli. Gegen Anna Davis und Gianna Clemente passte die Kombination aus Deutschland und der Schweiz sehr gut, vor allem auf der Backnine. Auf Loch zwei gingen die Mädels der USA zwar in Führung, aber nach drei Lochgewinnen in Folge führte Europa schon nach Loch 5 mit 2auf.

Helen Briem (re.) spielte mit Yana Beeli fast perfekt zusammen
Helen Briem (re.) spielte mit Yana Beeli fast perfekt zusammen | © @ Mark Runnacles/LET


Davis/Clemente kämpften weiter stark und so entwickelte sich ein enges Match  auf sehr hohem Niveau. „Wir haben die 9 mit Birdie geteilt, die 11 mit Eagle gewonnen und dann die 12 mit einem Birdie geholt. Auf Loch 16 haben wir dann gewonnen. Die Aufteilung ist auf der Back Nine echt sehr gut aufgegangen“, war die Athletin, die in der 1. Bundesliga der Deutschen Golf Liga presented by All4Golf für den Stuttgarter GC Solitude spielt, mit dem Auftaktmatch sehr zufrieden.

Momentum

Die Atmosphäre war an diesem Morgen einzigartig. An Loch 1 ging die Spanierin Rocio Tejedo um 08.15 Uhr auf das Tee und donnerte ihren Drive sehr weit in die Mitte des Fairways. Andrea Revuelta legte mit einem sensationellen Annäherungsschlag nach, so dass Tejedo zum Birdie und ersten Lochgewinn für Europa verwandeln konnte. Die vielen Zuschauer jubelten laut, so dass das Momentum sofort auf Seiten der europäischen Mädchen war. Dies war der Auftakt zu einem denkwürdigen Vormittag, an dem die US-Girls förmlich überrollt wurden.

Vierball

Im Vierball spielte Helen Briem an der Seite der Belgierin Savannah de Bock. Auch diese Konstellation harmonierte prächtig und so wurden Irene Kim und Ryleigh Knaub glatt mit 5&4 geschlagen.
„Mit Savannah im Fourball war es echt gut. Wir haben insgesamt neun Birdies auf 14 Löchern gespielt. Das war sehr, sehr gut. Die Amerikanerinnen hatten keine Chance und wir haben ständig unseren Vorsprung ausgebaut und schon auf Loch 14 gewonnen“, strahlte Helen Briem am Abend eines Tages, der für sie selbst und das europäische Team nahezu perfekt verlaufen war.

Zweiter europäischer Sieg in Folge in Reichweite

Der Ping Junior Solheim Cup, der seit 2002 alle zwei Jahre ausgetragen wird und lange von den USA dominiert wurde, kippte an diesem Tag in eine andere Richtung. Nach den Erfolgen in den Jahren 2003, 2007 sowie 2021 mit dem ersten Sieg auf amerikanischem Boden, schien Europa nun erstmals in der Geschichte eine Chance zu haben, den zweiten Sieg in Folge zu landen.

Einzel

Mit der hohen Führung im Rücken ging Europa in den zweiten Wettkampftag, an dem zwölf Einzel auf dem Programm standen.
Helen Briem traf auf Ryleigh Knaub und lieferte sich ein spannendes Duell.
Das US-Girl hatte einen Sahnetag erwischt und zauberte viele Schläge auf den Platz, bei denen man nur respektvoll nicken und applaudieren konnte. Helen Briem selbst spielte bis zum Grün ebenfalls auf einem extrem hohen Niveau, vergab aber einige Birdieputts. Nach zehn Löchern lag Knaub 3up, musste dann aber erleben, wie die Spielerin des Stuttgarter GC mit einem Zwischenspurt und drei Lochgewinnen in Serie wieder ausglich. All square ging es bis zur 17.
„Da habe ich dann die Fahne attackiert. Der Schlag war auch sehr gut, aber der Ball ist leider heftig versprungen, so dass ich keine Chance mehr hatte, das Loch zu gewinnen“, hatte Briem in diesem Moment Fortuna nicht an ihrer Seite. Mit 1down ging es auf die 18. Fast hätte die 18-Jährige aus dem Junior Team Germany noch den Ausgleich erzielt, aber der Eagleputt aus weniger als fünf Metern lippte aus.
Insgesamt holte Europa aus den Einzeln 6,5 Punkte und schickte die USA mit einer herben Enttäuschung nach Hause.

Erfahrung

Helen Briem hatte vor zwei Jahren in den USA schon einmal für Europa im Ping Junior Solheim Cup gespielt und ist damit in diesem so prestigeträchtigen Wettbewerb nun eine Doppelsiegerin.
„Das war schon nochmal eine ganz andere Erfahrung, dieses Turnier „zuhause” zu spielen. Vor allem wegen der Zuschauer und allem, was rund um dieses Turnier passiert. In meinem Spiel waren die Drives besonders gut. Davon konnte ich sehr profitieren, weil ich andere Linien nehmen konnte als die anderen und dadurch eben ganz andere Schüsse in die Grüns hatte. Ich habe zudem sehr, sehr viele Grüns getroffen. Das hat es auf diesem Platz definitiv einfacher gemacht“, strahlte die Athletin, für die schon nächste Woche mit dem Junior Ryder Cup und im Oktober mit der Team-WM in Abu Dhabi noch zwei weitere, absolute Höhepunkte der Saison anstehen.

Kantersieg

Das Endergebnis von 15:9 für Europa ist zwar mehr als deutlich, aber bei weitem nicht das höchste Ergebnis in der Geschichte des Ping Junior Solheim Cup. Bei der ersten Auflage im Jahr 2002 gewann das Team der USA mir 17:7. Dieser Rekord hat weiterhin Bestand.
2003 ging es beim 12,5:11.5-Sieg Europas deutlich knapper zu und 2011 endete das Duell sogar 12:12 unentschieden.

Tragende US-Girls

Aufmerksamkeit erregte in Spanien, dass die amerikanischen Spielerinnen ihr Bag auf den Schultern trugen. In den USA ist dies durchaus üblich, war aber auf dem hügeligen Platz in Andalusien sicher kein Vorteil für das Team von der anderen Seite des Atlantiks.

Viermal drei Punkte

Die Spanierin Cloe Amion, die Belgierin Savannah de Bock, die Italienerin Francesca Fiorellini und die Tschechin Denisa Vodickova haben eine perfekte Bilanz in den Büchern. Diese vier Spielerinnen gewannen jeweils alle drei Punkte für das europäische Team.

Der Old Course von La Zagaleta

Die Athletinnen beider Teams haben einen tadellosen Platz vorgefunden, dessen außerordentlicher Pflegezustand viel Lob bekam. Der Head-Greenkeeper von La Zagaleta hatte mit seinem 32-köpfigen Team ganze Arbeit geleistet.