Rückblick

Open 1979: Als Ballesteros berühmt wurde


29. Juni 2024 , Felix Grewe


Sport-Geschichte: 1979 triumphiert Severiano Ballesteros zum ersten Mal bei der Open Championship.
Sport-Geschichte: 1979 triumphiert Severiano Ballesteros zum ersten Mal bei der Open Championship. | © Getty Images/Peter Dazeley

Jedes Jahr, wenn sich die Open Championship nähert, werden Erinnerungen an vergangene Zeiten wach. Der erste Triumph von Severiano Ballesteros ist unvergessen. Ein Rückblick auf einen ganz besonderen Sieg.

Historisch ist ein Wort, das im Sport inflationär verwendet wird. Denkt man zurück an die British Open 1979 und erinnert man sich an das, was Severiono „Seve“ Ballesteros damals im Royal Lythm & St. Annes Golf Club fabrizierte, dann sollte die Bezeichnung in diesem Fall nicht nur erlaubt sein, sondern sie ist unumgänglich.

Es ist der 21. Juli und das letzte Mal, dass die Finalrunde an einem Samstag ausgetragen wird. Mit zwei Schlägen Rückstand auf den Führenden Hale Irwin, den Amerikaner, der elf Jahre später zum ältesten US Open Champion avancieren sollte, geht der 22-jährige Ballesteros nach einer 73 zum Auftakt, einer grandiosen 65 am zweiten Tag und einer deutlich verschlechterten 75 am sogenannten Moving Day auf eben jene finalen 18 Bahnen, die ihn am Ende weltberühmt machen sollen. 

Der unvergessene Parkplatz-Schlag

Was der Spanier an diesem Tag, insbesondere auf den zweiten neun Löchern, zelebriert, kann nur jemand zelebrieren, der frei von Angst spielt, unerschrocken, beherzt und stets bereit, das Unmögliche zu riskieren. Zum Sinnbild seines Mutes wird die 16. Bahn, die vermutlich noch in 100 Jahren mit ihm, dem viel zu früh Verstorbenen (2011), in Verbindung gebracht werden wird. Ballesteros greift am Abschlag zu seinem Driver, mit dem er im Laufe des Turniers nicht unbedingt ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hatte. Nur neun Mal war es ihm in allen vier Runden gelungen, das Fairway zu treffen – eine magere Ausbeute. Kaum einer hätte die Courage aufgebracht, nun, auf dem drittletzten Loch, inzwischen bei einer Führung von zwei Schlägen, wieder zum großen Werkzeug zu greifen. 

Doch Ballesteros taktiert nicht, er riskiert. Sein blinder Drive misslingt, natürlich, biegt rechts ab und landet auf einem provisorischen Parkplatz – unter der vorderen Stoßstange eines Autos. Es sind die Bilder der British Open 1979, die um die Welt gehen, noch heute im Netz kursieren und auf Videoplattformen wie YouTube für zig Tausende Klicks sorgen. Sie zeigen, wie eine Menschenhorde herbeistürmt, um den Ball zu finden, den Ballesteros allerdings ins flache Rough verlegen darf – eine freundliche Regelauslegung, von der er zweifelsohne profitiert. Den jungen Spanier umgibt schon in diesem Moment die Aura eines Champions, der seelenruhig herbeischreitet. Bereit, eine Aufgabe zu bewältigen, die ihm den Weg zu seinem ersten von fünf Majorsiegen ebnen soll. 

Wie Ballesteros seinen großen Coup erklärte

Er zirkelt einen Pitch in Richtung Fahne und versenkt danach einen langen Putt zum Birdie, den die wenigsten seiner Kollegen in dieser Situation so souverän gelocht hätten. Am Ende triumphiert er mit drei Schlägen Vorsprung vor den geteilten Zweiten Jack Nicklaus und Ben Crenshaw. Irwin, der Ballesteros später den „Parkplatz-Champion“ tauft, landet nach einer verkorksten Runde abgeschlagen auf dem sechsten Rang. Als „Seve“ bei der Siegerehrung zum ersten Mal die Claret Jug in den Händen hält (zwei weitere Open-Siege sollten folgen, 1984 und 1988) erklärt er seinen Triumph humorvoll-trocken und in seiner ihm eigenen, unvergessenen Art: „Ich spiele gut aus dem Rough – ich habe halt viel Übung.“ Es ist das Ende eines Turniers, das völlig zurecht einen besonderen Platz in der Golfgeschichte eingenommen hat.

 

Im Video: Ballesteros' erster großer Coup