Solheim Cup

Wird Försterling die sechste Deutsche?


1. September 2023 , Thomas Kirmaier


Deutsches Duo beim Solheim Cup daheim: Caroline Masson und Sandra Gal beim Event 2015 im GC St. Leon-Rot. © Thomas Niedermüller/Getty Images
Deutsches Duo beim Solheim Cup daheim: Caroline Masson und Sandra Gal beim Event 2015 im GC St. Leon-Rot. © Thomas Niedermüller/Getty Images

Seit 1990 wird der Solheim Cup ausgetragen. Deutschland musste etwas länger warten, ehe die Geschichte des Events aus schwarz-rot-goldener Sicht so richtig Fahrt aufnahm. Hier ist die Story von Elisabeth Esterl bis Sophia Popov – und von einem Spektakel daheim.

Die Schwedinnen und Engländerinnen dominierten schon in den frühen 90er-Jahren die Teilnehmerliste. Team Europa setzte sich in den Anfängen des Solheim Cup aus ihnen und aus einigen Schottinnen zusammen. Hin und wieder durfte auch eine Belgierin oder Französin Punkte sammeln im Kontinentalvergleich gegen die USA. Nach dem Jahrtausenwechsel kamen Spanierinnen und Norwegerinnen sowie eine Dänin hinzu.

Erste deutsche Spielerin beim Solheim Cup war die Bayerin Elisabeth Esterl. Das ist mehr als 20 Jahre her; wegen der Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA änderte das Turnier seinen Rhythmus. So startete mit Esterl am 12. September 2003 erstmals eine Deutsche im Barsebäck Golf & Country Club (Schweden) für Europa – und das recht erfolgreich, denn Esterl gewann den Vierer am Freitag an der Seite von Sofie Gustafson gegen das US-Duo Mallon/Jones mit 3&2 und teilte im Vierer am Samstag zusammen mit der Dänin Iben Tinning den Punkt. Im Einzel war sie gegen Laura Diaz beim 5&4 für die Amerikanerin jedoch chancenlos. Europa siegte dennoch souverän mit 17,5:10,5.

Eigentlich war Esterl sogar zweimal beim Solheim Cup dabei, denn ein Jahr zuvor, im September 2002, war die damals 26-Jährige als travelling Reserve für Team Europa in Minnesota dabei. „Das war ganz gut für mich. Ich habe dort zwar kein Match bestritten, aber schon mal Luft schnuppern können und gesehen, wie das ganze Event abläuft. So wusste ich 2003 dann schon, was auf mich zukommt“, erzählt sie. Zu Hause im niederbayerischen Reisbach hat sie noch zahlreiche Erinnerungsstücke von ihren Solheim-Cup-Events.

2007 fand der Solheim Cup erneut in Schweden, genauer im Halmstad GK statt. Mit Bettina Hauert war zum zweiten Mal eine deutsche Spielerin im Feld. „Das war ein großartiges Event. In Erinnerung bleibt da sicher, wie du durch den Tunnel ans Tee kommst und die Zuschauer dich anfeuern. Da kommt eine Energie rüber, das kann man sich kaum vorstellen. Auf der anderen Seite dann die riesengroße Enttäuschung, dass wir verloren haben“, erinnert sich Hauert. Die Damen aus den USA siegten deutlich mit 16:12. Zwei Jahre später dann das selbe Ergebnis in Chicago, allerdings ohne deutsche Beteiligung.

Deutsche Momente beim Solheim Cup

Elisabeth Esterl war 2003 in Schweden erste deutsche Spielerin beim Solheim Cup. © Jos Linckens/Golfsupport.nl
Bettina Hauert war 2007 zwei deutsche Solheim-Cup-Teilnehmerin - ebenfalls in Schweden. © Jos Linckens/Golfsupport.nl
2011 in Irland begann die Solheim-Cup-Karriere von Sandra Gal (hier mit Catriona Matthew). © Jos Linckens/Golfsupport.nl
Keine hat mehr: Caroline Masson startete 2013 in Colorado ihre Solheim-Cup-Karriere, kommt auf gesamt vier Teilnahmen und ist damit Deutschlands Rekord-Teilnehmerin. © Dustin Bradford/Golfsupport.nl
Heimspiel: 2015 fand der Solheim Cup erstmals in Deutschland, genauer im GC St. Leon-Rot, statt. Sandra Gal und Caroline Masson spielten für Team Europa. © Thomas Niedermüller/Getty Images
In St. Leon-Rot erlebten die Zuschauer einen äußerst spannenden Kampf zwischen den Kontinenten. © DGV/Kirmaier
Tausende Zuschauer wollten sich das Spektakel 2015 in St. Leon-Rot nicht entgehen lassen. © DGV/Kirmaier
Alle Augen auf den Pokal: Am Ende siegten die US-Amerikanerinnen hauchdünn und entführten die Trophäe aus Deutschland. © DGV/Kirmaier
Als Kommentatorin fürs Fernsehen war Sophia Popov (hier mit Sportschau-Moderatorin Julia Scharf) 2015 in St. Leon-Rot im Einsatz. © DGV/Kirmaier
Sechs Jahre später war Sophia Popov die insgesamt fünfte Deutsche bei einem Solheim Cup. Damals fand das Event in Inverness/Ohio statt. © Brian Spurlock/Golfsupport.nl

2011 dann die Revanche in Irland. Bei Dublin gab Sandra Gal ihr Debüt im Solheim Cup. Die damals 26-jährige Düsseldorferin hatte vor dem großen Duell mit den USA die KIA Classic gewonnen und ihren größten Triumph auf der LPGA Tour gefeiert. Wohl mit ein gewichtiger Grund, dass sie sich über einen Captain's Pick für Team Europa qualifizierte. Gal steuerte einen halben Punkt zum 15:13-Sieg für ihre Mannschaft bei.

2013 startete dann die sehr erfolgreiche Solheim-Cup-Karriere von Caroline Masson. Beim Event in Colorado verlor sie zwar ihr Einzel gegen die bärenstarke Lexi Thompson, holte aber 2,5 Zähler für Team Europa, das vielleicht zu den besten gehörte, die es beim Solheim Cup je gegeben hat. Die Gäste ließen den USA beim 18:10 nicht den Hauch einer Chance. Masson war nicht nur vierte deutsche Spielerin, die jemals an einem Solheim Cup teilnehmen durfte, sie hat auch insgesamt vier Turniere auf dem Konto, denn sie gehörte auch 2015 beim Heimspiel in St. Leon-Rot, 2017 in Iowa und 2019 in Schottland zum Team Europa. Keine deutsche Spielerin hat mehr Solheim-Cup-Teilnahmen als Caroline Masson.

Apropos Heimspiel: Der Solheim Cup 2015 war natürlich so etwas wie das Highlight aus schwarz-rot-goldener Sicht. Zum ersten Mal fand das Event auf deutschem Boden statt. Der GC St. Leon-Rot erwies sich als würdiger Gastgeber, tausende Zuschauer strömten auf die Anlage im Rhein-Neckar-Kreis und unterstützten die Europäerinnen um Kapitänin Carin Koch. Im Team: Sandra Gal und Caroline Masson, die im Vierer am Freitagnachmittag gemeinsam unterwegs waren und die Massen bewegten, als sie den Punkt mit den US-Girls Gerina Piller und Brittany Lang teilten. Die beiden deutschen Damen konnten den Heimvorteil nicht nutzen und verloren das Duell nach hartem Kampf und dramatischen Entscheidungen gegen Team USA hauchdünn mit 13,5:14,5. Dieses Match sollte als das spannendste und knappste in die Geschichte des Solheim Cup eingehen.

2021 fand der Solheim Club im Inverness Club (Ohio) statt. Und auch da war mit Sophia Popov eine Deutsche am Start. Sie hatte sich durch ihren sensationellen Major-Sieg ein Jahr zuvor bei der AIG Women's Open ins Rampenlicht gespielt und vertrat ein Jahr später die Farben Europas beim Ryder Cup. Die Athletin kommentierte das so: „Für mich wird ein absoluter Traum wahr.“ Obwohl es Popov nicht gelang, einen Punkt beizusteuern, siegte Team Europe denkbar knapp mit 15:13. Damit war sie nach Esterl, Hauert, Gal und Masson erst die fünfte deutsche Spielerin, die an einem Solheim Cup teilnehmen durfte.

Nun schickt sich also Alexandra Försterling an, die sechste Deutsche beim Solheim Cup zu werden. Durch ihren jüngsten Sieg in den USA ist sie zu einer heißen Kandidatin geworden, bis zum Event (13. bis 15. September, Robert Trent Jones GC in Gainesville/Virginia) ist aber noch eine Weile hin. 2015, kurz vor dem Solheim-Heimspiel in St. Leon-Rot, war Försterling Deutsche Mannschaftsmeisterin mit Team Berlin-Wannsee geworden - als 15-Jährige. Damals Kapitänin: Miriam Hiller, die heute Berlins Sportdirektorin und Vorsitzende des DGV-Sportrates ist. Dem Tagesspiegel sagte Hiller damals, sie traue es Försterling durchaus zu, Europa einmal bei großen Turnieren zu vertreten.

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