Spec. Olympics

Die Weltspiele sind eröffnet


18. Juni 2023 , Christopher Tiess


Der krönende Abschluss eines bewegenden Abends: über dem Olympiastadion wird das Feuerwerk gezündet.
Der krönende Abschluss eines bewegenden Abends: über dem Olympiastadion wird das Feuerwerk gezündet. | © DGV/ Tiess

Das olympische Feuer ist zurück im Berliner Olympiastadion. Im Rahmen eines emotionalen Programms entzündet die deutsche Tennisspielerin Sophie Rensmann am 17. Juni 2023 um 23:17 Uhr die Flamme über dem Marathontor.

Endlich ist sie da: Die „Flame Of Hope“ ist im Berliner Olympiastadion eingetroffen. Die Fackel wurde bereits am 7. Juni in Athen entzündet und war seitdem auf einer Reise quer durch Europa. In den letzten Tagen war sie bereits in mehreren Städten Brandenburgs und in Berliner Stadtteilen zu sehen. Nun endlich leuchtet wieder ein olympisches Feuer über dem Berliner Olympiastadion. Und im Vergleich zu den Spielen von 1936 könnten die Vorzeichen nicht unterschiedlicher sein.

Über 6.500 Athleten und 3.000 Coaches aus 176 Ländern sind nach Berlin gereist und werden hier an einem so unendlich geschichtsträchtigen Ort mit offenen Armen empfangen. 18.000 aktive Volunteers unterstützen die Durchführung der Wettbewerbe. 26 Sportarten werden in ganz Berlin verteilt stattfinden. 300.000 Zuschauer werden erwartet. Und wer nicht persönlich vor Ort sein kann, wird von den 1.500 Medienvertretern mit Bildern, Ergebnisberichten und hoffentlich auch zahllosen menschelnden Geschichten versorgt. 

Als letzte läuft die stark vertretene deutsche Delegation ein - hier mit der Golf-Athletin Anna Mannheims (vorne, 2.v.l.)
Als letzte läuft die stark vertretene deutsche Delegation ein - hier mit der Golf-Athletin Anna Mannheims (vorne, 2.v.l.) | © DGV/ Tiess

 

Die Special Olympics Weltspiele 2023 wollen nicht nur eine herausragende Sportveranstaltung sein. Vielmehr liegt in der DNA der Spiele eine wichtige und allzeit präsente Agenda: Sie sollen zu einer verbesserten Teilhabe für Menschen mit geistiger Behinderung führen. Spätestens in dem umfangreichen Host Town Programm, mit 216 eingebundenen Städten und Gemeinden, wurde auch bislang Unbeteiligten klar: Es geht nicht darum, über die Menschen zu reden, sondern mit ihnen. 

Hier in Deutschland, einem Land, das in vielen Bereichen hochspezialisierte Therapien für Menschen mit geistiger Behinderung bieten kann, findet das Thema Behinderung oft nur am Rande der Gesellschaft statt - selten jedoch in ihrer Mitte. Diesen Umstand hierzulande und weltweit zu ändern, ist eines der übergeordneten Ziele der Special Olympics Weltspiele. Und wer sie erlebt hat und den Dialog annimmt, sieht schnell: Es könnte keine besseren Botschafter geben, als die zahlreichen Athleten mit all ihrer Kameradschaft, Empathie, ihrer Fairness und ihrer Sportsmanship. 

>>>Hier geht es zu den Bildern der Eröffnungszeremonie<<<

Als erste Delegation lief Griechenland, das Ursprungsland der Olympischen Spiele und der olympischen Idee, durch das Marathontor ein. Gute zwei Stunden später machen die Gastgeber aus Deutschland den Abschluss. Begleitet wurden die Athleten von mehreren aufwendig inszenierten und emotionalen Show Acts, bei denen unter anderem die Blue Man Group, Madcon, Jennifer Kothe und Koffi Missah zum Einsatz kamen.

Tim Shriver, der Vorsitzende von Special Olympics International und Sohn der Special Olympics Gründerin Eunice Kennedy-Shriver, richtete in seiner Rede berührende Worte an die über 40.000 Menschen im Stadion: „Ich wünschte, meine Mutter könnte heute Abend hier sein und erleben, wie ihr Traum wahr wird. Und ich wünschte, sie könnte sehen, wie Berlin der Welt zeigt, Dinge von einer schönen Seite zu sehen.“

Kurze Zeit später moderierte Felix Neureuther die drei Sprecher des Special Olympics Eides an: Trent Hampton, Gao Chengshuang sowie Felix Andrasch aus Deutschland. Sie sprachen den Eid so nach, wie Eunice Kennedy-Shriver ihn damals im Jahr 1968 bei den ersten Special Olympics Spielen vortrug, wobei Andrasch die berühmten Worte sprach: „Lasst mich gewinnen, aber wenn ich nicht gewinnen kann, lasst mich mutig mein Bestes geben.“ Dann folgte die offizielle Eröffnung der Spiele durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Der Moment ist gekommen: Sophie Rensmann entzündet das Olympische Feuer.
Der Moment ist gekommen: Sophie Rensmann entzündet das Olympische Feuer. | © DGV/ Tiess

 

Gerade hier, wo Fanatiker vor 87 Jahren die angebliche Überlegenheit einer Rasse demonstrieren wollten, zeigt sich die Menschheit bunt, weltoffen und vor allem herzlich. Damals war es Jesse Owens, der der Welt die Augen öffnete. Heute sind es gleich 6.500 Sportler, die tagtäglich beweisen, dass es ein „anders sein“ eigentlich gar nicht geben sollte. 

Das Motto #ZusammenUnschlagbar wurde endgültig zum Leben erweckt. Bis zum 25. Juni finden nun die Special Olympics Weltspiele statt - und hinterlassen hoffentlich ein zeitloses Vermächtnis der Toleranz und Gemeinsamkeit. Heute geht es darum, über Inklusion zu reden. Aber klar ist auch: Inklusion ist letztendlich erst dann gelungen, wenn niemand mehr darüber reden muss.