Challenge Tour

Grand Final im Porsche von Herrn Porsche


4. November 2022 , Thomas Kirmaier


Hans-Peter Porsche, Eigentümer des Club de Golf Alcanada, gehört zu den eifrigsten Zuschauern beim Grand Final der Challenge Tour. ©
Kirmaier
Hans-Peter Porsche, Eigentümer des Club de Golf Alcanada, gehört zu den eifrigsten Zuschauern beim Grand Final der Challenge Tour. © Kirmaier

Im Club de Golf Alcanada ist Runde zwei des Challenge Tour Grand Final absolviert. Während die sechs Deutschen erneut gegen schwierige Bedingungen auf Mallorca kämpfen, treffen wir Clubeigentümer Hans-Peter Porsche, der uns im zum Cayenne umgebauten Golfcart ein Stück chauffiert und offen über seine Liebe zum Golfsport spricht.

Als Alexander Knappe seinen Ball auf Loch sieben einchippt, jubeln und klatschen die Zuschauer lautstark. Mittendrin der Mann, dem alles gehört. Hans-Peter Porsche, Eigentümer des Club de Golf Alcanada im Nordosten Mallorcas. Dort ist Runde zwei des Challenge Tour Grand Final früh zu Ende gegangen, weil die Tour-Verantwortlichen die 45 Spieler bereits um kurz nach 8 Uhr von zwei Tees rausgeschickt hatten, um dem für Nachmittag angesagten Sturm aus dem Weg zu gehen. „Da kommt was auf uns zu“, sagt Hans-Peter Porsche. Er muss es wissen. Zwei- bis dreimal im Jahr schaut er auf seiner Anlage, die er „mein Baby“ nennt, für ein paar Wochen vorbei. Dieser Besuch ist ein besonderer.

„Für uns ist das das Highlight des Jahres. Natürlich wollen wir da dabei sein. Sie müssen sich vorstellen, welche Präsenz wir durch dieses Event und die TV-Ausstrahlung haben. In Amerika wird dieses Turnier vier Stunden täglich übertragen. Eine bessere Werbung gibt es nicht“, sagt Porsche. Vor einer Woche feierte er seinen 82. Geburtstag; aus dem operativen Geschäft des Automobil-Unternehmens, das sein Großvater einst gegründet hatte, hat sich der Enkel, ebenfalls Ingenieur, inzwischen zurückgezogen.

So bleibt mehr Zeit zum Golfen. „Wir genießen das hier, wenn ich mit meiner Frau spiele. Und ich spiele nirgendwo so gut wie hier“, sagt er. Beweis: Im Vorfeld des Grand Finals gewann Hans-Peter Porsche das ProAm zusammen mit seinem Headgreenkeeper sowie den Pros Max Schmitt und Todd Clements (England). Letzterer ist der Freund der frischgebackenen deutschen LET-Siegerin Olivia Cowan, die ihren Partner auf Mallorca begleitet und mit Porsche durchaus Fachgespräche führt. Wie kam der Unternehmer überhaupt zum Golf?

Grand Final mit Herrn Porsche

Hans-Peter Porsche, Eigentümer des Club de Golf Alcanada, traf beim Challenge Tour Grand Final unter anderem Deutschlands frischgebackene LET-Siegerin Olivia Cowan. © Kirmaier
Hans-Peter Porsche ist stilecht mit einem zum Cayenne umgebauten Golfcart unterwegs. © Kirmaier
Davon gibt es weltweit nur drei Exemplare, wie er Golf.de verrät. © Kirmaier
Und natürlich müssen auch die Felgen zum Chef passen. © Kirmaier
Mit dem Porsche-Cart und seinem Golfbag ist Hans-Peter Porsche beim Grand Final unterwegs. © Kirmaier
Zu Fuß dagegen die deutschen Spieler wie Alexander Knappe. © Octavio Passos/Getty Images
Nick Bachem hat sich an die Spitze gespielt. © Octavio Passos/Getty Images
Freddy Schott machte mit einer Par-Runde Boden gut. © Octavio Passos/Getty Images
Marc Hammer schoss ein Eagle auf Bahn 13. © Octavio Passos/Getty Images
Max Schmitt musste lange auf sein erstes Birdie warten. © Octavio Passos/Getty Images
Und Hans-Peter Porsche schaute dem Treiben auf dem Platz eifrig zu. © Kirmaier

„Ich habe früher Tennis gespielt und bin viel gesegelt. Als ich 29 war, hat ein Freund zu mir gesagt, ich müsse das mal ausprobieren. Und schon hat mich der Virus gefangen“, erzählt er Golf.de. Und weil ein erfolgreicher Firmenboss gerne an den Kleinigkeiten arbeitet, fing das alles mit dem kurzen Spiel an. „Ich habe im ersten Jahr 8000, im zweiten Jahr 4000 und in den beiden folgenden je 2000 Bälle geputtet. Ich trainiere gern“, sagt Hans-Peter Porsche, der mit Familie in Salzburg lebt und nur noch selten am Firmensitz in Stuttgart ist.

Irgendwann habe er dann jedoch den Yips bekommen und musste etwas am Equipment umstellen. „Nichtsdestotrotz macht mir dieser Sport immer noch große Freude. Ich liebe die Natur und die Bewegung an der frischen Luft. Das tut mir gut und hält mich fit.“ Früher habe er des Öfteren in Florida an seinem alten Wohnsitz gespielt. Anfang der 1990er-Jahre begannen dann die Gespräche in Spanien. „Es war mein Traum, einen eigenen Golfplatz auf Mallorca zu haben, und da kam mein Freund und meinte, da hätte er was.“ 110 Hektar Grund im Nordosten der Baleareninsel. Ein paradiesischer Ort fernab des Trubels der Hauptstadt Palma. Ein perfektes Refugium. Und genau dort existiert seit nun 20 Jahren der Club de Golf Alcanada.

Und genau dort gastiert die Challenge Tour nach 2019 zum zweiten Mal mit ihrem Grand Final. 20 Tickets für die DP World Tour werden vergeben. Sechs Deutsche sind am Start. Durchgang zwei lief nicht immer für alle nach Wunsch (hier geht’s zum Leaderboard). Du musst geduldig bleiben, wenn ein starker Wind weht. Das gilt im Sport ebenso wie in der Industrie. Hans-Peter Porsche freut sich auf ein spannendes Wochenende. Der Chef klatscht bei tollen Schlägen, faltet die Hände zusammen, bevor ein Spieler zum Birdie puttet und zuckt mit den Schultern, wenn die Kugel mal nicht fällt. Der Mann ist mit ganzem Herzen dabei und unterstützt alle Teilnehmer. Und nicht nur das: Unterwegs sammelt er Müll auf und grüßt freundlich alle Mitarbeiter sowie Gäste. „Nur wenn der Chef Respekt und Höflichkeit vorlebt, machen auch seine Mitarbeiter mit“, sagt er - und hat so sehr Recht damit.