Augusta fasziniert und schmerzt
Augusta/USA – Schon die Einladung zu dieser Championship war für Charlotte Back vom GC St. Leon-Rot und Lily Reitter vom GolfPark Gerolsbach ein besonderer Moment in der noch jungen Karriere. Wer hier abschlägt, gehört zu einem Kreis, in dem sich Weltklasse, Geschichte und Zukunft des Damengolfs begegnen. Genau das machte diese Tage in Georgia für die beiden Deutschen so besonders: Sie standen auf einer Bühne, von der viele Talente auf der ganzen Welt träumen und erlebten hautnah, warum Augusta im Golfsport eine fast mythische Strahlkraft besitzt.
Beide hatten die Woche mit großer Vorfreude begonnen. Charlotte Back schwärmte früh von Bedingungen, die kaum besser hätten sein können. „Die Bedingungen hier sind ein Traum“, meldete sie aus den ersten Tagen. „Alles wirkt bis ins kleinste Detail vollkommen, die Grüns schnell, fein und außergewöhnlich präzise gepflegt“, freute sich Back auf das Erlebnis.
Auch für Lily Reitter begann die Woche mit einem tiefen Eindruck. Sie hatte sich in der Trainingsrunde wohlgefühlt, war mit ihrem zugeteilten Caddie zufrieden und erlebte beim Abend im Augusta National jenen besonderen Zauber, den man als Außenstehender nur erahnen kann. Die Rede von Chairman Fred Ridley, das Dinner mit den Mitgliedern, das erste bewusste Aufnehmen dieser Kulisse: All das gab der Woche schon vor dem ersten Turnierschlag eine besondere Tiefe.
Auftakt wenig positiv
Sportlich verlief der Auftakt für beide Deutschen zunächst schwierig. Charlotte Back startete zwar mutig und offensiv. Mit frühen Birdies auf den Bahnen 1 und 3 war sie sofort im Turnier, auf Loch 7 legte sie sogar noch einen weiteren Schlaggewinn nach. Doch schon auf den ersten neun Löchern zeigte sich, wie anspruchsvoll diese Meisterschaft auch auf dem vermeintlich „einfacheren“ Platz der Woche war. Drei Bogeys warfen sie auf Even Par zurück, ehe die Runde auf den letzten vier Löchern endgültig kippte. Zwei weitere Bogeys und ein Doppelbogey ließen am Ende eine 77 (+5) auf der Karte stehen.
Dieser Bruch in der Runde hatte dabei einen eindeutigen Grund: Charlotte Back konnte nicht richtig schwingen. In den Vorbereitungstagen hatte ihr Rücken zunehmend Probleme bereitet. Die Proberunde auf Champions Retreat konnte sie deshalb schon nicht vollständig spielen, auf den zweiten neun Löchern blieb ihr teilweise nur noch das kurze Spiel, um ein Gefühl für den Platz zu bekommen. Umso bemerkenswerter war, dass sie dennoch so hervorragend in die Wettkampfrunde startete. Später schilderte die 21-Jährige offen, wie sehr die Schmerzen sie einschränkten: „Leider wurde es gegen Ende der Runde aufgrund der Schmerzen immer schwieriger, einen Ball zu schlagen.“ Damit bekam eine Woche, auf die das deutsche Talent so lange hinarbeitet, plötzlich eine ganz andere Perspektive.
Auch Lily Reitter erwischte keinen leichten Start. Die Siegerin der R&A Girls Amateur Championship 2025 brachte zwar zwei Birdies auf ihre Karte, konnte aber aufgrund der anfänglichen Nervosität einige Fehler an anderen Stellen nicht vermeiden. Vier Bogeys und zwei Doppelbogeys summierten sich zu einer 78 (+6). Entscheidend war dabei weniger das reine Ergebnis als die besondere Situation, in der sie sich wiederfand. Reitter beschrieb, wie groß die Nervosität am ersten Abschlag gewesen war. Zum ersten Mal vor Kameras und vor so vielen Zuschauern zu spielen, habe einen Druck erzeugt, den sie deutlich spürte. Es gelang ihr während der Auftaktrunde nicht, diese Anspannung vollständig abzuschütteln.
Dieses Erlebnis zeigt überdeutlich, was das ANWA für Talente bedeutet. Augusta prüft nicht nur Technik und Strategie, sondern auch den Umgang mit Momenten, die größer wirken als das eigene Spiel. Für zwei junge Deutsche wurde dieser Wettbewerb damit zu einer intensiven Lektion darüber, wie schmal auf höchstem Niveau der Grat zwischen Vorfreude, Ehrfurcht und sportlicher Entfaltung sein kann.
Zweite Wettkampfrunde
Am zweiten Tag setzte Lily Reitter dann ein starkes Zeichen. Ohne sich von der Enttäuschung der Auftaktrunde negativ beeinflussen zu lassen, fand sie zurück in ihr Spiel und brachte eine starke Even-Par-Runde ins Clubhaus. Sie dachte dabei weniger an Ergebnis und Cutlinie, spielte freier und profitierte von guten Schlägen sowie einem starken Putter. Auch wenn es nicht mehr reichte, um den Sprung unter die besten 30 zu schaffen, war diese Reaktion ein wichtiger Teil ihrer Woche. Reitter zog daraus sichtbar Kraft und nahm aus Augusta nicht nur die Enttäuschung über den verpassten Cut mit, sondern auch die Gewissheit, sich an einem der größten Schauplätze des Amateurgolfs wieder aufgerichtet zu haben.
Für Charlotte Back nahm die Woche dagegen eine besonders bittere Wendung. Die Rückenbeschwerden verschärften sich so sehr, dass an einen Start auf Augusta National nicht mehr zu denken war. Die Kurpfälzerin biss zwar noch einmal die Zähne aufeinander, aber schon auf Loch 12, ihrer erst dritten Bahn, musste die Athletin des Junior Team Germany aufgeben. Die Schmerzen verhinderten jedes sinnvolle Spiel und somit endete viel zu früh der Traum, Augusta National im Wettbewerb zu spielen.
Eigentlich war für alle Teilnehmer noch vor dem Finaltag der Meisterschaft eine Proberunde auf genau den heiligen Fairways und Grüns von Augusta National vorgesehen, auf denen in der kommenden Woche sich die absoluten Weltstars im Masters um das wohl legendärste Kleidungsstück der Weltsports duellieren werden: dem Green Jacket.
Proberunde auf Augusta National
„Ich kann heute Augusta nicht spielen, da ich nicht schwingen kann“, ließ Charlotte Back wissen, dass sie in diesem Jahr aufgrund ihrer Verletzung den Genuss nur sehr eingeschränkt erleben konnte, Augusta National zu spielen. In diesem einen Satz lag die ganze Härte des Sports. Ausgerechnet an dem Tag, auf den bei dieser Meisterschaft alles zuläuft, konnte sie nicht mehr aktiv eingreifen. Und doch sprach aus ihren Worten auch der feste Wille, den Moment nicht vorbeiziehen zu lassen: Sie wollte über den Platz laufen, Putts machen, um dadurch wenigstens etwas von dem Zauber und der Faszination mitzunehmen, den dieser Platz in sich trägt. Es ging plötzlich nicht mehr um Plätze oder Scores, sondern um das Erleben eines einmaligen Augenblicks trotz aller Widrigkeiten.
Wie nah Freude und Schmerz in solchen Tagen beieinanderliegen, brachte Sebastian Buhl eindrucksvoll auf den Punkt. Rückblickend sprach der Heimtrainer von Charlotte Back von einem „Wechselbad der Gefühle“. Es sei unfassbar traurig und schmerzhaft, dass Charlotte das Highlight ihrer bisherigen Karriere so habe erleben müssen. Zugleich betonte er, wie groß das Privileg gewesen sei, überhaupt Teil dieser Woche zu sein. Seine Beschreibung der Anlage als „surreal und atemberaubend“ traf genau jenes Spannungsfeld, das Augusta für viele Spielerinnen ausmacht: Dieser Ort kann überwältigen, begeistern und herausfordern. Meistens alles zugleich.
Auch Lily Reitter empfand die Tage trotz des sportlich verpassten Ziels als Geschenk. Sie sprach von einer „fantastischen Woche“, die ihr viel gegeben habe und noch nicht vorbei gewesen sei, weil allein schon die Möglichkeit, Augusta National und auch den Par-3-Kurs zu spielen, einen bleibenden Wert haben. Genau darin liegt die eigentliche Größe dieses Turniers. Das ANWA war für die beiden Deutschen nicht einfach ein weiteres Event im Kalender, sondern eine Erfahrung, die Erinnerungen kreierte und langfristig neue Motivation schaffen wird.
So blieb aus deutscher Sicht zwar nicht der erhoffte sportliche Ertrag, wohl aber das Wissen um Tage, die die beiden Spielerinnen mit Schwarz-Rot-Gold hinter dem Namen nie vergessen werden. Charlotte Back kämpfte sich mit Verletzung und großer Enttäuschung durch eine Woche, die sie sich anders erträumt hatte. Lily Reitter musste lernen, mit Nervosität auf der ganz großen Bühne umzugehen, antwortete darauf aber mit einer starken zweiten Runde. Beide nahmen aus Augusta etwas mit, das sich nicht in Schlägen messen lässt: das Gefühl, Teil eines Turniers gewesen zu sein, das für junge Golferinnen auf der ganzen Welt eine besondere Verheißung ist, die Weltbühne der Sportart zu betreten.
Kampf um Spitze und Sieg
Nach zwei Runden im Champions Retreat war beim Augusta National Women’s Amateur 2026 alles angerichtet für eine Finalrunde, die dem hohen sportlichen Anspruch dieses Turniers voll gerecht werden sollte. An der Spitze hatte sich ein Trio von Weltklasse-Athletinnen in Position gebracht, dahinter drängten weitere Hochkaräterinnen, während rund um die Cutlinie ebenfalls Hochspannung herrschte. Am Ende wurde die Finalrunde im Augusta National GC zu einem Triumphmarsch für eine Athletin aus Südamerika, die im World Amateur Golf Ranking auf Rang sieben steht und sich mit großen Siegen in den letzten Monaten ein fast unerschütterliches Selbstbewusstsein erspielt hat.
Schon die erste Runde hatte gezeigt, wie international hochklassig dieses Feld besetzt war. Maria Jose Marin aus Kolumbien und Soomin Oh aus Südkorea setzten mit jeweils bogeyfreie mit 65 (-7) Schlägen die erste Marke. Nur einen Zähler dahinter folgten Vanessa Borovilos aus Kanada, Asterisk Talley aus den USA und Andrea Revuelta aus Spanien. Bei besten Bedingungen mit viel Sonne und kaum Wind nutzten zahlreiche Spielerinnen die Chance, auf dem Champions Retreat einen tiefen Score in die Wertung zu bringen.
Marin knüpfte dabei an ihre Erfahrung aus den Vorjahren an, nachdem sie 2025 den Einzug in die Finalrunde verpasst hatte. Soomin Oh zeigte einmal mehr, warum sie zur Weltspitze im Amateurbereich zählt. Talley brachte sich als Vorjahreszweite direkt wieder in Schlagdistanz zur Spitze.
48 Löcher bogeyfrei
Am zweiten Wettkampftag entwickelte sich dann jene Konstellation, die ein großes Finale versprach. Asterisk Talley legte ihrer 66 eine 67 nach und übernahm mit gesamt elf unter Par die alleinige Führung. Die US-Amerikanerin setzte dabei zunächst mit drei Birdies in Folge ein Ausrufezeichen, hielt anschließend mit zehn Pars in Serie die Kontrolle und baute ihre Runde mit weiteren Birdies auf den Löchern 14 und 15 zu einem Spitzenresultat aus. Besonders bemerkenswert war dabei nicht nur der Score, sondern auch die Konstanz: Talley stellte mit 48 bogeyfreien Löchern in Serie bei dieser Meisterschaft einen neuen Rekord auf und war zugleich die erste Spielerin in der Geschichte des Turniers mit vier aufeinanderfolgenden Runden in den 60ern.
Bekannte Namen aus Europa
Direkt dahinter lagen mit jeweils zehn unter Par zwei Spielerinnen, die auf unterschiedliche Weise höchste Qualität mitbrachten. Meja Örtengren, die einst in St. Leon-Rot die German Girls Open gewonnen hatte, spielte eine 67, in der vier Birdies und ein Eagle nur von einem einzigen Bogey begleitet wurden. Maria Jose Marin hielt sich ebenfalls mit nur einem Schlag Rückstand in guter Position. Die Kolumbianerin schloss ihre zweite Runde mit einem späten Birdie ab und blieb damit an der Führenden dran. Hinter diesem Trio folgten Andrea Revuelta und Avery Weed mit jeweils sechs unter Par, während sich mit Amelie Zalsman auf Rang sechs eine Debütantinnen beeindruckend im Klassement behauptete.
Grande Finale
Am Finaltag sah vieles nach einem Start-Ziel-Sieg von Asterisk Talley aus. Die Amerikanerin spielte an drei der ersten vier Löcher Birdies und baute ihren Vorsprung damit früh auf drei Schläge gegenüber Örtengren und sogar vier gegenüber Marin aus. Talley schien das Geschehen zu kontrollieren und knüpfte nahtlos an die Dominanz der ersten beiden Tage an. Doch Augusta National schreibt seine ganz eigenen Geschichten.
Maria Jose Marin blieb in dieser Phase konsequent bei sich. Während Talley vorne marschierte, sammelte die Kolumbianerin auf den Löchern 5, 7 und 9 drei Birdies ein und hielt so den Kontakt. Nach neun Löchern war sie wieder bis auf einen Schlag herangerückt. Ein Par-Save aus gut sechs Metern auf Loch 10 brachte zusätzliches Momentum auf ihre Seite. Als Talley auf Loch 11 dann ihr erstes Bogey der Woche notieren musste, war die Führung plötzlich zusammengeschmolzen.
Die Entscheidung fiel schließlich auf Amen Corner. Auf Loch 12 spielte Marin ihr Eisen kurz vor das Grün, der Ball rollte in Richtung Rae’s Creek, blieb aber am Ufer liegen. Aus einer potenziell kritischen Situation machte die Kolumbianerin ein Par und hielt ihren Score stabil. Kurz darauf kippte das Turnier endgültig. Talley traf auf demselben Loch den hinteren Bunker, von dort aus lief ihr erster Rettungsversuch ins Wasser. Auch der nächste Versuch misslang. Am Ende stand ein Quadruple-Bogey auf der Karte und aus einer komfortablen Führung war ein deutlicher Rückstand geworden.
Andrea Revuelta aus Spanien, die vor wenigen Monaten bei der Europameisterschaft der Damen im Frankfurter GC teils faszinierendes Golf geboten hatte, hätte auf Loch 12 beinahe zum Hole-in-one eingelocht und belohnte sich für eine starke Woche mit dem zweiten Platz, hatte aber zuviel Rückstand, um die nun klar führende Maria Marin noch in Bedrängnis bringen zu können. Zumal die Kolumbianerin den Moment eiskalt ausnutzte. Auf dem Par 5 der 13. Bahn entschied sie sich, nicht defensiv vorzulegen, sondern den Angriff auf das Grün zu wagen. Der Schlag mit dem 4er-Hybrid gelang, das Birdie folgte und bei nur noch fünf Löchern zu gehen war der Vorsprung auf vier Schläge angewachsen.
Mentale Stärke bringt den Sieg
Wieviel ein Sieg auf Augusta für Athleten bedeutet, mag man an der Reaktion ablesen, die dann folgte. Als Marin auf Loch 15 erstmals bewusst auf das Leaderboard blickte, stieg die Anspannung sichtbar an. Das anschließende Bogey war Ausdruck davon, wie schmal in Augusta der Grat zwischen Kontrolle und Nervosität ist. Entscheidend war jedoch die Reaktion, die auf das Bogey folgte. Auf Loch 16 spielte Marin im Stile einer ganz Großen ein präzises Eisen und lochte cool den Birdie-Putt. Dieses Birdie stellte den Vorsprung wieder auf vier Schläge und war praktisch die Vorentscheidung.
Mit zwei Pars auf den letzten beiden Bahnen brachte die Spielerin der University of Arkansas den größten Sieg ihrer bisherigen Karriere souverän ins Ziel. Mit Runden von 65, 69 und 68 Schlägen gewann Maria Jose Marin bei 14 unter Par und stellte damit einen neuen Turnierrekord auf. Die 19-Jährige wurde nicht nur die erste Siegerin aus Lateinamerika in der Geschichte der Augusta National Women’s Amateur, sondern auch erst die zweite Spielerin überhaupt, die in allen drei Runden einen Score in den 60ern unterschrieb. Auch ein Blick in die Statistik zeigt, wie verdient dieser Triumph war: nur drei Bogeys, 17 Birdies und lediglich ein einziger Dreiputt sind vermerkt.
Hinter der Siegerin zeigte auch Andrea Revuelta eine starke Finalrunde. Die Spanierin startete mit fünf Schlägen Rückstand auf die Führende in den Finaltag, brachte aber eine 68 ins Clubhaus und arbeitete sich mit gesamt zehn unter Par noch auf Rang zwei vor. Soomin Oh sicherte sich mit neun unter Par Platz drei. Den vierten Rang teilten sich Asterisk Talley, Yunseo Yang, Kiara Romero, Raegan Denton und Meja Örtengren bei jeweils acht unter Par.







