Stephan Jäger

Der Münchner aus Tennessee


1. April 2024 , Thomas Kirmaier


Auf der PGA Tour gehört Elite-Team-Germany-Spieler Stephan Jäger inzwischen zu den festen Größen. © PGA Tour
Auf der PGA Tour gehört Elite-Team-Germany-Spieler Stephan Jäger inzwischen zu den festen Größen. © PGA Tour

Stephan Jäger ist inzwischen eine feste Größe auf der PGA Tour. Der Münchner ist früh von zu Hause ausgezogen, um Großes zu erreichen. Mit dem Sieg bei der Houston Open 2024 schafft er den Durchbruch. Ein Portrait.

Das Licht der Welt erblickt Stephan Jäger am 30. Mai 1989 in München. Mit seiner Familie (Papa Klaus, Mama Sophie und die große Schwester Michaela) wächst er in Eichenried auf – nur ein Par 5 von genau der Anlage entfernt, die jährlich Schauplatz der BMW International Open ist. Für die Kids der Jägers ein idealer Spielplatz, denn die müssen nur die Straße überqueren und sind schon auf der Anlage, auf der auch die Eltern golfen.

So richtig mit Golf beginnt Stephan Jäger aber erst, als Hannelore Kofler, Mutter des früheren Eichenrieder Geschäftsführers Korbinian Kofler (jetzt im Wittelsbacher GC), als Lehrerin am Erdinger Gymnasium in der 5. Klasse Schulgolf anbietet. Eigentlich ist Fußball noch deutlich interessanter. Klar, in München ist der Deutsche Rekordmeister FC Bayern zu Hause. Aber auch Tennis, Skifahren und Eishockey haben es ihm angetan. Trotzdem: Golf packt den jungen Stephan, und die ersten Erfolg stellen sich schnell ein.

Bei seinen ersten Schul-Golf-Meisterschaften im Jahr 2000 hat er noch ein Handicap von 30. Alte Eichenrieder Mitglieder der ersten Stunde erinnern sich an einen „extrem trainingsfleißigen Stephan“, der täglich auf der Driving Range und auf dem Putting Grün anzutreffen ist. „Fleißig und total fokussiert ist Stephan noch heute“, sagt Mama Sophie dem Münchner Merkur in einem Interview später stolz. 2007 wird er Bayerischer Jugendmeister, gewinnt schon im Teenager-Alter die Eichenrieder Clubmeistermeisterschaften.

Jägers Karriere-Stationen

Stephan Jäger bei der U.S. Amateur Championship 2011. © Golfsupport.nl
Stephan Jäger entstammt der Jugend des GC München Eichenried und wurde dort schon als Teenager Clubmeister. © Rauch/Eichenried
Stephan Jäger schaut immer wieder gerne in Eichenried vorbei, wo er mit zehn Jahren mit Golf begann. © Eichenried
2015 nahm Jäger an der BMW International Open in Eichenried teil. © Stefan Heigl
Ebenso 2015: Stephan Jäger bei der Porsche European Open in Bad Griesbach. © Jos Linckens/Golfsupport.nl
Sensationelle 58: Nach seinem Traumscore 2016 bei der Elli Mae Classic in Kalifornien erhielt er den Spitznamen
Beim Turnier der Web.com Tour im TPC Stonebrae (Par 70) schrieb Jäger zwölf Birdies auf die Scorekarte. © PGA Tour
ProAm bei der BMW International Open: Jäger mit den Sportstars Christian Schwarzer (Handball), Detlef Langemann (Eishockey) und Mario Basler (Fußball). © Stefan Heigl
Stephan Jäger mit Ehefrau Shelby Jäger. Die beiden sind inzwischen Eltern des kleinen Sohnemanns Harrison Fritz. © Instagram.com/shelbyjaeger
2021 gewann Jäger die Korn Ferry Tour und stieg erneut auf die PGA Tour auf. © PGA Tour
2024 wird Stephan Jäger Dritter bei der Farmers Insurance Open auf Torrey Pines. | © Tony Ding/Golfsupport.nl
Am Ostersonntag 2024 ist es dann soweit: Jäger gewinnt die Houston Open und feiert seinen ersten PGA-Tour-Sieg mit Familie. © Joe Scarnici/Getty Images

Jäger zeigt Talent, das irgendwann Eichenrieds Head-Pro Ken Williams auffällt. Die Zusammenarbeit trägt Früchte; es folgen Turniersiege und die Nominierung für den deutschen Jugendkader. Und was macht ein junger, ambitionierter Golfer, wenn er nach Höherem strebt? Genau, er geht in die USA. Ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der besten Golfer der Welt. Stephan Jäger geht zunächst nur für ein Austauschjahr an die Baylor School in Chattanooga/Tennessee, eine private Internatsschule mit Golfförderung. Erst plagt ihn Heimweh, später findet er sich immer besser zurecht, was auch an der Freundschaft zu Harris English liegt, der dem jungen Mann aus Bavaria hilft, sich an den American Way of Life zu gewöhnen.

Nach dem College-Abschluss und Angeboten aus Kentucky und Virginia entscheidet sich Jäger, in Chattanooga zu bleiben und auf der University of Tennessee Psychologie zu studieren. Die Golfkarriere rückt aber immer mehr in den Mittelpunkt, was auch daran liegt, dass er immer besser wird. 2012 wechselt er ins Profilager, entwickelt sich auf der zweitklassigen Web.com Tour zu einer festen Größe und macht 2016 riesige Schlagzeilen, als er bei der Elli Mae Classic in Kalifornien eine sensationelle 58 spielt. Ein Fabelscore. Zwölf Birdies, keine Fehler. Der Coup beschert ihm den Spitznamen „Mister Fiftyeight“; sogar Arnold Palmer gratuliert.

Im selben Jahr spielt er an der Seite von Alex Cejka für Deutschland beim World Cup of Golf, ein Jahr später schafft er auf der Web.com Tour gleich zwei Turniersiege. Damit gelingt es ihm, sich unter den besten 25 Spielern zu platzieren und die Karte für die PGA Tour zurückzuholen. Und auch privat stellt Stephan Jäger die Weichen, heiratet seine langjährige Lebensgefährtin Shelby, mit der er inzwischen den kleinen Sohn Harrison Fritz hat. Das Familienglück macht Golden-Retriever Phil perfekt. In der Karriere eines Golfprofis läuft es aber nicht immer perfekt und so kann er die Karte für die PGA Tour zunächst nicht halten.


In der wegen der Covid-19-Pandemie auf den Zeitraum 2020/2021 erweiterten Korn Ferry Tour holt er sich im April 2021 seinen sechsten Titel und kehrt damit in Liga eins zurück. Und genau dort ist der Bayer aus Tennessee inzwischen eine feste Größe. Stephan Jäger ist angekommen in der Weltspitze. Trotz seiner 58 oder seiner Siege – der gebürtige Münchner ist auf dem Boden und hartnäckig geblieben. Nach Rückschlägen kämpft er sich immer wieder zurück an die Spitze.

Ein Sympathieträger, der früh von zu Hause ausgezogen ist, um seine Träume zu erfüllen. Einer davon wird am Ostersonntag 2024 wahr: Kurz vor Mitternacht deutscher Zeit gewinnt Jäger die Houston Open und damit sein erstes Turnier auf der PGA Tour - mit einem Schlag vor dem Weltranglistenersten Scottie Scheffler. Mit seinem Triumph löst er das Ticket fürs Masters in Augusta.

Beim größten Erfolg seiner Karriere trägt er drei Ballmarker bei sich: einen für Hund Phil, einen für den im März 2022 verstorbenen Vater Klaus und einen für den wenig später geborenen Sohn Harrison Fritz. Jäger nach seinem Sieg am Ostersonntag in Houston: „Man verliert ein Leben, und man gewinnt ein Leben. Diese Zeit hat mir geholfen, eine neue Perspektive einzunehmen.“