Menschen

Aus dem Raketensilo auf die PGA Tour


11. Februar 2024 , Thomas Fischbacher


Die etwas andere Laufbahn: Tom Whitney
Die etwas andere Laufbahn: Tom Whitney | © Sean M. Haffey/Getty Images

Tom Whitney erfüllt sich seinen Traum von der PGA Tour. In seiner ersten Laufbahn war der Amerikaner als Nuclear Missile Operator bei der Air Force aktiv. Ein Blick auf eine ungewöhnliche Laufbahn.

Tom Whitney spielt in diesem Jahr seine Rookie-Saison auf der PGA Tour. Dabei erlebt der Amerikaner gerade einen vorläufigen Höhepunkt seiner zweiten Karriere. Im vergangenen Jahr hatte sich der 34-Jährige über die Korn Ferry Tour nach vielen Jahren auf Mini-Touren für die große Bühne qualifiziert. Und zuvor seinen alten Job an den Nagel gehängt.

Die nötige Nervenstärke und mentalen Grundvoraussetzungen dürfte Whitney mitbringen. Denn der Absolvent der Air Force Academy war nicht immer Profigolfer. Nach dem College diente er vier Jahre beim Militär. Dabei klingt seine frühere Jobbezeichnung eher nach Action-Thriller als nach Realität: Nuclear Missile Operator bei der Air Force. 

"Das bedeutet, dass ich und ein Partner aus der Crew etwa hundert Fuß unter der Erde in einem Silo positioniert waren, das direkt mit unseren Atomraketen verkabelt und verbunden war", erklärte der in Texas lebende Kalifornier.


Auf Anordnung des Präsidenten

"Alles, was mit der Rakete passiert, geht über die Raketencrew, zu der ich gehörte. Wenn also eine Wartung stattfindet, eine Sicherheitsmaßnahme, ein Test, eine Übung, ein Feuer, unterirdische Erschütterungen durch ein Erdbeben, was auch immer, wir müssen darauf reagieren, im Grunde sind wir der Vermittler zwischen Sicherheit, Wartung und allem anderen." Whitney gehörte zum Team der Francis E. Warren Air Force Base in Cheyenne, Wyoming, das auf Anordnung des Präsidenten die Interkontinentalraketen scharf gemacht hätte. 

Die Entscheidung, den Dienst zu quittieren und sich als Profigolfer zu versuchen, bereut der viermalige Familienvater nicht. Er hätte es sich nicht verziehen, nicht wenigstens versucht zu haben, seinen Traum vom Profigolf zur Realität werden zu lassen. 2014 verließ er die Air Force, qualifizierte sich prompt für die PGA Tour Latinoamerica und schaffte im vergangenen Jahr nach 117 Starts auf der Korn Ferry Tour den Sprung nach ganz oben. 

Tom Whitney: "Bin gesegnet…"

"Golf ist genau das, was ich tun will und ich bin total gesegnet, dass ich es tun kann”, erklärte er bei seinem ersten Saisonstart in La Quinta, wo er den Cut verpasste. “Ich könnte immer noch bei der Air Force sein, an einem Ort, an dem ich nicht sein möchte. Ich könnte mich in Gefahr begeben. Ich könnte gegen Feinde kämpfen. Ich habe Freunde und geliebte Menschen bei den Streitkräften verloren. Ich habe Freunde, die im Einsatz sind. Und ich bin hier in Palm Springs bei zwei Meilen pro Stunde Wind und 24 Grad und werde dafür bezahlt, auf diesen fantastischen Golfplätzen zu spielen. Auf jeden Fall habe ich eine andere Perspektive."

Unter den geliebten Menschen war auch sein Bruder. Bob Whitney war ebenfalls Air Force Officer und nahm sich vor vier Jahren aufgrund von Depressionen das Leben. Seinen bisher größten Erfolg, die Karte für die PGA Tour zu erringen, hätte er nur allzu gerne mit seinem geliebten Bruder, Sparringspartner und Mentor geteilt. 

“Es ist sehr schade, dass er das nicht mit mir teilen kann. Ich vermisse es, dass er nicht dabei sein kann. Die gute Nachricht ist, dass er noch immer meinen Ball markiert. Ich habe seine Erkennungsmarke und nutze sie auf jedem Loch, um den Ball zu markieren.”

Es war ein langer, steiniger Weg vom Silo in Wyoming auf die PGA Tour. Die Golfwelt darf gespannt sein, wo die Reise dieses etwas anderen Tour-Mitglieds weitergeht. Bei der Farmers Insurance Open reichte es zu einem überzeugenden 13. Rang. Der erste Schritt zum Klassenerhalt ist gemacht.