Menschen

„Im Moment ist sehr viel im Wandel“


9. Juni 2023 , Thomas Kirmaier


Caroline Effert, Präsidentin des Aachener GC, sieht die wichtigsten Aufgaben der Clubs in der Mitgliedergewinnung und der Jugendförderung.
Caroline Effert, Präsidentin des Aachener GC, sieht die wichtigsten Aufgaben der Clubs in der Mitgliedergewinnung und der Jugendförderung.

Caroline Effert (57) ist Senioren-Nationalspielerin und Präsidentin des Aachener GC. Golf.de hat mit ihr über Frauen in Führungspositionen, Projekte und Herausforderungen an die Clubs gesprochen.

Frau Effert, warum lohnt sich immer eine Runde Golf im Aachener GC?
Weil es sich wie ein kleiner Urlaubstag anfühlt. Der Platz liegt mitten im Dreiländereck und ist mit seinem alten Baumbestand und anspruchsvollen Grüns für Golfer jeder Spielstärke interessant und abwechslungsreich. Nach der Runde kann man sich auf „Aachens schönster Terrasse“ von der Clubgastronomie verwöhnen lassen. Unsere Mitarbeiter*innen tun alles, damit sich unsere Mitglieder und Gäste vom ersten Moment an bei uns wohlfühlen.

Sie sind Präsidentin des Clubs und – wenn wir richtig nachgerechnet haben – 14-fache Clubmeisterin. Gibt es überhaupt jemanden, der Platz, Club und Leute besser kennt als Sie?
Ganz bestimmt. Es gibt Mitglieder, die schon über 60 Jahre bei uns im Club sind und die Entwicklung noch weiter zurückverfolgen können. Durch meine Eltern hatte ich das Glück, mit zehn Jahren hier im AGC mit dem Golfspiel zu beginnen. Seit dieser Zeit nehme ich aktiv am Clubleben teil, wodurch ich natürlich viele Mitglieder schon sehr lange kenne. Dadurch, dass jedes Jahr neue Mitglieder den Weg zu uns finden und auch der Platz behutsam immer weiterentwickelt wird, ist es aber auch nach so vielen Jahren immer noch abwechslungsreich.

Sie sind als Nationalspielerin bei zahlreichen Turnieren im In- und Ausland unterwegs. Verfolgen Sie die Erfolge der jungen deutschen Spielerinnen auf der Tour?
Ja, mit großem Interesse. Es ist großartig, wie erfolgreich die Spielerinnen zurzeit unterwegs sind. Gerade um mehr junge Golferinnen für diesen Sport zu begeistern, ist es wichtig, dass über diese Erfolge auch regelmäßig berichtet wird. Nachwuchs zu finden und zu fördern ist speziell bei den Mädchen eine große Herausforderung. Deshalb freue ich mich, dass jetzt doch immer mehr junge Talente den Sprung auf die Tour geschafft haben und auch vorne mitspielen.

Warum gibt es an der Spitze der Verbände bzw. der Clubs so wenige Frauen?
Vielleicht, weil zu wenig Frauen sich diese Aufgaben zutrauen. Wie in vielen anderen Bereichen auch waren diese Positionen traditionell eher von Männern besetzt. Hinzu kommt, dass diese Positionen häufig mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden sind, was gerade Frauen, die neben einem Beruf oft auch noch familiär stark eingebunden sind, dann nur schwer erbringen können. Ich persönlich bin meiner Familie sehr dankbar, dass sie so viel Verständnis für mein Amt hat, denn ohne ihre Unterstützung könnte ich die doch sehr zeitaufwendige Tätigkeit nicht ausüben.

Caroline Effert bei der Senioren-EM 2022 im Trikot der deutschen Nationalmanschaft.
Caroline Effert bei der Senioren-EM 2022 im Trikot der deutschen Nationalmanschaft. | © Joosep Martinson/EGA


Nehmen Sie eine Veränderung wahr, dass mehr Frauen in diese Ämter drängen?
Ich glaube drängen trifft es nicht ganz, doch ganz bestimmt sind heute mehr Frauen in diesen Ämtern vertreten als vor zehn Jahren. Auch die Präsidien nationaler und internationaler Verbände haben mittlerweile Frauen in ihren Reihen, die ihre Rollen kompetent und emphatisch ausfüllen. Seit diesem Jahr gibt es sogar im Präsidium des DGV zwei Frauen, was mich persönlich sehr freut.

Was machen Frauen auf Führungsebene anders als Männer?
Wenn überhaupt, achten Frauen vielleicht mehr auf die zwischenmenschlichen Aspekte im Umgang miteinander und legen größeren Wert auf eine offene und wertschätzende Zusammenarbeit.

Vor welchen großen Herausforderungen steht der deutsche Golfmarkt und wie können bzw. müssen sich die Clubs zukunftssicher aufstellen?
Gefühlt ist im Moment sehr viel im Wandel und auch der Golfsport bleibt davon nicht verschont. Gerade traditionelle Clubs mit einer langen Geschichte dürfen sich dieser Tatsache nicht verschließen und müssen sich dem Wandel stellen. Nur dann wird es möglich sein, den unterschiedlichen und sich ändernden Bedürfnissen der Mitglieder gerecht zu werden. Eine der größten Aufgaben der Golf-Clubs besteht darin, neue Mitglieder zu gewinnen und sie durch attraktive und abwechslungsreiche Angebote möglichst schnell in das gemeinsame Clubleben zu integrieren. Denn nur wenn sie sich von Beginn an willkommen und wohl fühlen, werden sie auch langfristig im Club bleiben. Kinder und Jugend zu fördern und für den Sport zu begeistern, ist sicherlich ein weiterer wichtiger Aspekt, um auch in Zukunft bestehen zu können.

In vier Jahren wird der Aachener GC 100 Jahre alt. Welche größeren Projekte stehen bis dahin noch an?
Vor zwei Jahren haben wir im Vorstand den sogenannten Masterplan 2027 entwickelt. Dieser beinhaltet verschiedene Projekte, von denen wir glauben, dass sie für die Weiterentwicklung und damit für die Zukunft unseres Clubs wichtig sind. Umgesetzt wurde davon bisher ein Spielplatz für unsere jüngsten Mitglieder und junge Familien sowie eine neues Kurzspiel/Pitching-Gelände, auf dem man mit einem großen Grün und diversen Bunkern alle Schläge bis 70 Meter optimal trainieren kann. Seit Sommer 2022 haben wir auf unserer Driving Range Trackman Range installiert. In konkreter Planung sind außerdem eine neue Maschienenhalle, denn die alte ist vor zwei Jahren durch ein Feuer zerstört worden, und die Sanierung und Umgestaltung unseres Clubhauses. Auch möchten wir weiter in unseren Platz investieren, um ihn behutsam weiterzuentwickeln. Sie sehen also, wir haben einige große Projekte in Planung, welche wir in Abstimmung und mit der Unterstützung unserer Mitglieder hoffentlich verwirklichen können.

Was macht Caroline Effert, wenn sie nicht Golf spielt oder den Aachener GC führt?
Dann verbringe ich Zeit mit meiner Familie und engagiere mich ehrenamtlich in einem Krankenhausverein. Unsere Urlaube planen wir meistens ohne Golf und sind am liebsten, Sommer wie Winter, in den Bergen unterwegs. Für mich die perfekte Umgebung, um den Akku wieder aufzuladen.

Vielen Dank für das Gespräch!