Bild Information: Jason Day über seine Matchplay-Taktik

"Ließ ihn aus 30 Zentimetern putten"

Taktik
 

Lochspiel oder Matchplay, eine interessante Alternative. Worauf kommt es an und was macht den besonderen Reiz aus? Auch in Teams lässt sich mit- und gegeneinander spielen. Spannung ist garantiert.

Was ist Matchplay?

Matchplay, zu Deutsch Lochspiel, ist eine Spielform in der zwei Spieler, oder zwei Teams (in der Regel aus jeweils zwei Spielern) direkt gegeneinander antreten. Wie der Name schon sagt, wird jedes Loch einzeln gewertet. Wird ein Loch gewonnen, geht man "1 auf" in Führung. Wichtig hierbei ist, dass der Score mit dem das Loch gewonnen wird irrelevant ist. Es ist also durchaus möglich, mit einem Bogey ein Loch zu gewinnen, wenn der Gegner schlechter ist. Das Spiel ist vorbei, wenn der Gegner es nicht mehr schaffen kann, das Match auszugleichen.

Ein weiterer Unterschied zum herkömmlichen Spiel ist, ob nun Stableford oder Zählspiel, dass Putts und sogar komplette Löcher geschenkt werden können. Warum - und für wen dies Sinn machen kann, dazu später mehr.

Auch die Schreibweise der Ergebnisse ist unter Umständen für Lochspiel-Neulinge etwas verwirrend. Ein Match kann beispielsweise "1 auf" oder "2 auf" gewonnen werden, wenn sich der Sieg erst auf dem letzten Loch entscheidet. Ansonsten ist die Schreibweise von Lochspielergebnissen "5 & 4". Die erste Zahl gibt dabei an, wie viele Löcher der Sieger vorne liegt und die zweite Zahl sagt aus, wie viele Bahnen noch hätten gespielt werden müssen. Das Beispielergebnis bedeutet also "fünf auf und noch vier zu gehen".

Was macht den Reiz des (Einzel-) Lochspiels aus?

Zunächst einmal spielt man nicht gegen sich selbst, nicht gegen den Platz und nicht gegen ein ganzes Feld. Man kann - und muss sich auf einen Gegner konzentrieren. Sehr viel spielt sich im Kopf ab, an fast jedem Loch herrscht eine Drucksituation. Gerade in diesen Fällen kommt es darauf an, auf seine Emotionen zu achten oder sogar beim Gegenüber welche hervorzurufen. Jason Day, Sieger des WGC - Accenture Match Play in 2014, hat schon so manchen Spieler aus der Fassung gebracht. Bei den Profis der US PGA Tour und European Tour ist es im Lochspiel üblich, kurze Putts regelmäßig zu schenken. Der Australier verwehrte jedoch Paul Casey in 2011 auf diesen Gefallen. "Ich ließ ihn noch aus ungefähr 30 cm putten. Es war wirklich sehr kurz", so Day. "Er stand auf und starrte mich an. Ich konnte es richtig spüren, als ob er mich von der Seite mit einem Laser durchbohrte. Casey verlor die nächsten beiden Löcher und ich gewann das Match."

Jeder entwickelt seine eigene Strategie, vielleicht auch eine spezielle Strategie für bestimmte Gegner. "Es ist unglaublich, wie oft ich den Golfplatz verlassen habe und dabei dachte, `Der mag mich nicht mehr´", gab Day gegenüber der PGA Tour zu. Auch Ian "Mr. Matchplay" Poulter schmunzelte auf die Frage, ob er schonmal mitbekommen hätte, dass er seinen Gegenüber auf dem Golfplatz verärgert habe. "Oft. Sehr Oft", war die knappe Antwort.

Wie spielt man erfolgreich Lochspiel?

Es gilt eine gute Balance zu finden zwischen eigenem Spiel, sein Spiel nach dem des Gegners ausrichten und auf die Persönlichkeit desjenigen einzugehen. "Ich denke, es ist am schwierigsten für einen Spieler, wenn er überrascht wird. Einen Chip, Bunkerschlag oder Zehn-Meter-Putt zu lochen, wenn das Loch eigentlich schon verloren ist, kann einen Gegner aus dem Spiel bringen", so Poulter. "Auch ein Wunderschlag aus dem Nichts erfüllt oft seinen Zweck."

Man muss jedoch nicht zwangsläufig auf Überraschungsmomente bauen. Eine beeindruckende Konstanz á la Luke Donald ist ebenfalls nicht zu verachten und fordert den Gegenüber dazu auf, aggressiver zu spielen. Ein langer, gerader Abschlag ist zwar schön, aber einen Ball aus großer Entfernung nah ans Loch zu schlagen, baut einen deutlich größeren Druck auf.

Und die Fähigkeit, unter Druck sein Potenzial voll auszuschöpfen, sei es im Sport oder Beruf, kann man genau so trainieren wie Bewegungsmuster oder Muskelkraft.

Team-Lochspiel

Wenn im Golfsport von Team-Wettkämpfen die Rede ist, fällt einem direkt der Ryder Cup als Vorzeigebeispiel ein. Nicht nur das Prestige, sondern gerade auch das Format, machen diesen Wettbewerb für Spieler und Fans so interessant. Gespielt wird nur Lochspiel. Einen Tag davon Einzel, die anderen jeweils in Zweier-Teams.

Zum einen wird Vierball gespielt. Beide Mitglieder eines Teams spielen ihren Ball bis zum Ende des Lochs durch, wobei das bessere Ergebnis gewertet wird. Hier kann sehr aggressives Golf gespielt werden, da im Zweifelsfall immer der Partner zur Absicherung bereit steht.

Die zweite Variante und Königsklasse des Teamspiels ist der klassische Vierer. Einer der beiden Teammitglieder schlägt an allen geraden Löchern, der andere an den ungeraden ab. Nach den Abschlägen wird abwechselnd gespielt, bis der Ball im Loch ist.

Als Variante bei ungleichen Begegnungen empfiehlt sich das Spielen mit einer Dreiviertel-Vorgabe. Wenn ein Spieler mit Spielvorgabe -2 gegen jemanden mit Spielvorgabe -10 antritt, wird die Differenz (acht in dem Fall) mit Dreiviertel multipliziert. In diesem Beispiel bekäme der Spieler mit Vorgabe -10 an den schwierigsten sechs Löchern einen Schlag vor. Er würde also mit einem Bogey, gegen ein Par des besseren Spielers trotzdem das Loch teilen. Insbesondere Vierball empfiehlt sich als Viererflight mit unterschiedlichen Handicaps. Der eigene Score wird nicht mehr ganz so wichtig, der Sieg mit seinem Partner ist das Ziel.

Matchplay-Turniere im Profisport

23.03. bis 27.03.2016 WGC - Dell Match Play (Austin CC, Texas)
04.08. bis 07.08.2016 Paul Lawrie Matchplay (Archerfield Links GC, Schottland)
27.09. bis 02.10.2016 Ryder Cup (Hazeltine National GC, Minnesota)

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