Bild Information: Litt in einer Phase seiner Karriere an Yips: Bernhard Langer

Kommt der Yips vom darüber reden?

Dr. Yips: Teil IV
 

Yips umgeben viele Mythen. Einer der bekanntesten lautet: "Wenn du die Yips willst, musst du nur drüber reden." Das stimmt zwar nicht, hat im Kern aber doch ein Stückchen Wahrheit. In diesem Beitrag wird Yips-Experte Philipp Philippen diesen Mythos näher beleuchten und einen Praxistipp geben, wie man mit diesem Wissen Yips vermeiden kann.   

Machen Sie den Test: Erzählen Sie drei Menschen von diesem Yips-Artikel und schauen, ob sie danach einen Yips haben. Die Antwort können Sie sich denken! Ich beschäftige mich seit 2009 intensiv mit Yips und weiß sehr genau, dass ich keinen habe. Auf der anderen Seite bin ich einigen Menschen begegnet, die Yips haben, obwohl sie nicht einmal Golf spielen, geschweige denn wissen, was Yips sind. Schauen Sie sich z.B. dieses Video eines Nicht-Golfers an.

Nur über Yips zu reden bürgt also keine Gefahr, auch einen zu bekommen. Im Gegenteil: Über Yips zu reden, ermöglicht es Betroffenen überhaupt erst, effektive Lösungen zu finden.  

Auf der anderen Seite wissen wir aus der Psychologie sehr wohl, dass Gedanken an "etwas" dieses "etwas" auch auslösen können. Gedanken alleine können unseren Puls verändern, uns schwitzen lassen oder uns ganz schwer fühlen lassen, wie z.B. beim autogenen Training. Spannender noch sind die sogenannten ironischen Effekte in der Sportpsychologie. Das heißt, es tritt genau das Gegenteil ein von dem, was ich mir gedanklich vornehme. Denken Sie jetzt z.B. NICHT an den Eifelturm in Paris! Woran haben Sie jetzt gedacht? 

Viele kennen das Phänomen auch vom Golfplatz. "Jetzt nur nicht ins Wasser schlagen!" - Platsch! Der Grund ist, dass das Wort NICHT in unserem Unterbewusstsein nicht verarbeitet wird. Es kommen also nur die Gedanken und Bilder vom dem Wasserhindernis oder dem Eifelturm an. Mein Kollege Dr. Olaf Binsch hat dazu seine Doktorarbeit geschrieben, für alle die sich intensiver mit dem Thema befassen wollen. Er hat gezeigt, welche Auswirkungen diese Gedanken z.B. beim Putten haben können. Wer z.B. denkt "nur nicht zu kurz putten" der puttet häufiger zu kurz oder deutlich zu lang (Überkompensation). 

Für den Yips-Mythos bedeutet dieses Phänomen der ironischen Effekte, dass der Gedanke beim Putten "nur nicht zucken" oder "jetzt bloß kein Yips" genau diesen auslösen oder verstärken kann. Aus einer unserer Interviewstudien mit Yips-Betroffenen haben wir genau solche Gedanken identifiziert (Lobinger & Philippen, 2012). 

Im Kern hat der Mythos ein Stück Wahrheit: Falls ich unter Yips leide können Worte oder Gedanken den Yips verstärken oder auslösen. Allerdings gilt das nur für den Moment des Puttens und nicht für das anschließende Gespräch im Clubhaus. Außerdem gilt es in erster Linie für Golfer, die bereits längst unter Yips leiden und denen das Gefühl beim Yips sehr vertraut ist. 

Praxistipp: Geräusche, Farben und Gefühle vorstellen

Die beste Möglichkeit, kontraproduktive Gedanken wie das Zucken beim Yips oder das Wasserhindernis aus dem Kopf fernzuhalten, ist es diese Gedanken aktiv durch funktionale Gedanken zu ersetzen. Beim Sport ist das häufig das Ergebnis der Bewegung. Beim Putten stelle ich mir also vor, wie der Ball ins Loch rollt. Beim Lob übers Wasserhindernis stelle ich mir vor, wie der Ball neben der Fahne landet und liegen bleibt.

Wichtig ist, dass Sie diese Gedanken üben. Es gilt also, bei JEDEM Schlag sich das positive Ergebnis der Bewegung (und das ist immer, wo der Ball ankommt) so lebhaft wie möglich vorzustellen. Experten stellen sich sogar Geräusche, Farben und Gefühle vor. Es geht darum, das Bild vor dem inneren Auge zu sehen, als würde es gerade wahrhaftig stattfinden.    

Die Vorstellungskraft ist wie ein Muskel. Sie können es genau so trainieren, wie den Bizeps oder den Abschlag. Schön ist, dass man sogar daheim auf der Couch trainieren kann. Es bietet sich für das erfolgreiche Spiel aber an, die Vorstellung von dem gewünschten Ergebnis als Teil der Routine vor und während dem Schlag mit aufzunehmen. Gerade in Drucksituationen wird es besonders schwer, sich zu konzentrieren. Umso wichtiger, dass dies dann bereits Teil der Routine geworden ist. 

Teil I: Was ist der Yips - und leide ich darunter? Teil II: Yips sind kein Problem Teil III: Denken Sie nicht an den Eifelturm

Anhänge


Anzeige
Anzeige
Bernhard Langer fixt den Bunkerschlag (Bild: Golf.de) Bernhard Langer fixt den Bunkerschlag (Bild: Golf.de)

Training

Langer fixt den Bunkerschlag

Bernhard Langer spricht über gern gemachte Fehler und gibt Tipps zum Schlag a...

weiterlesen
Langsam wie eine Schildkröte? Golf kann auch schnell gehen. Langsam wie eine Schildkröte? Golf kann auch schnell gehen.

Spielgeschwindigkeit

11 Tipps für ein schnelles Spiel

Endlose Serien von Probeschlägen, vor dem Grün abgestellte Trolleys und Marki...

weiterlesen
Ball im Rough markiert (Photo by getty images) Ball im Rough markiert (Photo by getty images)

Mentaltraining

Vorbei ist vorbei

Mit Experte Frank Pyko lernen Sie, schlechte Schläge abzuhaken.

weiterlesen
Training mit Golf&ich: Rechte Hand gegen den Slice (Photo by Golf&ich) Training mit Golf&ich: Rechte Hand gegen den Slice (Photo by Golf&ich)

Training

Rechte Hand gegen den Slice

Oliver Sequenz und James Taylor von Golf&ich zeigen häufige Ursachen für den ...

weiterlesen