Bild Information: Dr. Yips hat Praxistipps und Tricks für Golfer mit und ohne Yips

Yips sind kein Problem

Dr. Yips: Teil II
 

"Yips sind funktional", sagt Yips-Forscher Dr. Philipp Philippen. Das Problem entsteht immer nur durch den Versuch, den Yips zu vermeiden.

In der ersten Folge unserer kleinen Yips-Serie zeigte Experte Dr. Philipp Philippen, was Yips tatsächlich sind und wie man sich nach ihnen testen kann. Nun geht es um den eigentlichen Kern. Dieser ist die schnelle Rotation des Handgelenkes kurz vor dem Treffpunkt. Aber eben nur diese eine Rotation. Die folgenden Rotationen, also das weitere Öffnen und Schließen des Handgelenkes (bzw. Schlägerblatts) sind nur noch Bewegungen, die aus dem Versuch resultieren, die erste (durch Yips bedingte) Rotation zu korrigieren und möglichst noch einen Square Impact (senkrechtes Schlägerblatt zur Ziellinie beim Treffpunkt mit dem Ball) zu erreichen. 

Die Funktionalität des Yips

Warum kommt es zu dieser ersten Rotation? Gleich vorweg, eine Rotation des Handgelenkes beim Putten ist normal und funktional für das Erreichen des Bewegungsergebnisses, also den Ball in Richtung Ziel zu schicken. Wohlgemerkt geschieht diese Rotation viel langsamer und weniger weit, als die des typischen Yips. Dazu lassen sich die beiden Graphen vergleichen - links mit Yips, rechts die herkömmliche Rotation des Handgelenks eines Golfers.

Wie die Lösung zum Problem wird

Warum ist die Rotation bei von Yips betroffenen Golfern so ruckartig und ausschweifend? Und warum fühlt es sich so an, als könnte man nichts dagegen machen? Die Erklärung dafür liegt in dem Zusammenspiel aus Technik, Fokussierung und Koordinationskontrolle. 

Aus Interview-Studien wissen wir, dass von Yips betroffene Golfer sich sehr häufig darauf konzentrieren, den Ball so zu treffen, dass das Schlägerblatt senkrecht zur Ball-Ziel-Linie steht. Nun funktioniert Koordination (besonders, wenn ich die Bewegung schon gut beherrsche) in großen Teilen unbewusst bzw. automatisch. Das heißt, bewusst habe ich nur eine Endvorstellung vom meinem Bewegungsziel, z.B. den Ball senkrecht treffen oder das Wasserglas greifen. Welchen Muskel ich dafür wie stark anspanne und in welche Stellungen ich meine Gelenke bringe, liegt dabei naturgemäß außerhalb unserer bewussten Kontrolle. Die Feinkoordination, kurz vor dem Erreichen des Bewegungsziels, geschieht immer automatisch.

Wenn ich nun also das Ziel habe, den Ball Square zu treffen, aber z.B. aus technischen Gründen (z.B. Fussstellung, Schulterrotation, Kopfbewegung) den Ball nicht Square treffen würde, ohne eine kleine Korrektur durch das Handgelenk, dann antizipieren wir das unbewusst bereits bevor uns das bewusst klar ist. Die Korrektur geschieht dann ebenfalls unbewusst (automatisch). Und das nehmen wir dann als unwillkürliches Zucken wahr.

Sobald wir diese Rotation des Handgelenks (meist noch eher als Rotation des Schlägerblatts) als ungewollt wahrnehmen, wird versucht, das Handgelenk bzw. den Arm ruhiger zu halten. Dieser Versuch, die vermeintliche Kontrolle wieder zu erlangen, geschieht in der Regel durch mehr Anspannung der Muskulatur. Wir greifen etwas fester zu und der Arm wird steifer. Die stärkere Anspannung hat dann aber langfristig nur zur Folge, dass die erste Rotation, das wahrgenommene Zucken, stärker ausschlägt.

Der Grund ist, dass durch die höhere muskuläre Anspannung die Muskulatur für die Feinkoordination nicht mehr arbeiten kann. Somit wird die eigentliche funktionale Korrektur durch die Rotation zu einer Übersteuerung. Die Reaktion darauf ist, häufig den Arm noch mehr anzuspannen, den Schläger noch fester zu halten. Die Folgen können Sie sich denken. 

Das Problem ist im Kern keines

Die Rotation des Handgelenkes ist eine natürliche Bewegung zur Koordination, damit das Ziel suqare impact erreicht wird. Erst der Versuch, diese Bewegung bewusst zu kontrollieren oder sogar zu vermeiden, führt letztendlich zu einer Übersteuerung, die von Golfern als Problem und unkontrollierbar erfahren wird.

Praxistipp für jedermann: Griffdruck kontrollieren

Kontrollieren und steuern Sie den Griffdruck. Idealerweise halte ich den Putter so locker wie möglich, aber so fest wie nötig. Wie ich diesen Idealzustand erreiche, ist recht einfach. Dafür entwickeln Sie Ihre eigene Messskala.

  • Halten Sie den Putter einhändig so locker wie nur möglich fest. Mit rechts, wenn Sie Rechtshänder sind und mit links, wenn Sie Linkshänder sind.
  • Es sollte so locker sein, dass er bei einer zügigen Bewegung aus der Hand fallen würde. Das ist Ihre 1 auf der Messskala
  • Halten Sie den Putter jetzt so fest, wie Sie können. Mit aller Kraft. Das ist Ihre 10 auf der Messskala.
  • Jetzt Putten Sie drei Mal einhändig, wie Sie gewöhnlich putten würden.
  • Nach dem Ansprechen des Balls vor dem vierten Putt halten Sie inne und fühlen Sie, mit wie viel Druck Sie den Putter in Ihrer Hand halten. Ordnen Sie dies auf Ihrer Skala von 1-10 ein.
  • Konzentrieren Sie sich ab jetzt bei jedem Putt darauf, näher an Ihre 1 zu kommen.
  • Lassen Sie dafür die Hand, den Unterarm und den Oberarm locker und lassen Sie die Rotation des Handgelenks zu.
  • Ziel 1: Sie merken, je näher Sie an die 1 kommen, desto weniger schnell und stark wird die Rotation des Handgelenks.
  • Ziel 2: Gewöhnen Sie sich an die neue Lockerheit. Das kostet ein wenig Zeit. Übung Sie mit Wiederholung.  
Teil I: Was ist der Yips - und leide ich darunter?

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