Bild Information: Dr. Yips hat Praxistipps und Tricks für Golfer mit und ohne Yips

Was ist der Yips - und leide ich darunter? 

Dr. Yips: Teil I
 

Serie über die Yips von Dr. Philipp Philippen.

"Nur erfahrene Golfer können einen Yips bekommen. Yips werden nur durch Angst oder Nervosität ausgelöst." Oder: "Wer einen Yips will, muss nur darüber reden." In der neuen Serie über Yips wird Dr. Philipp Philippen die Ergebnisse seiner Yips-Forschung vorstellen und mit diesen Mythen aufräumen. Er wird wissenschaftliche Erkenntnisse über Yips erklären und sich daraus ableitende Praxistipps und Tricks für Golfer mit und ohne Yips präsentieren. Im ersten Beitrag geht es darum, was Yips eigentlich sind und wie man mit einem einfachen Test überprüfen kann, ob man selbst unter einem leidet.   

Der Begriff Yips

Der Begriff Yips wird mittlerweile sportartübergreifend als Beschreibung für ein Phänomen verwendet, wenn jemand, der ursprünglich zu großer Leistung in einem ganz bestimmten Bereich fähig war (z.B. Sport, Musik aber auch handwerkliche Tätigkeiten), plötzlich nicht mehr dazu in der Lage ist, diese Leistung zu erbringen. Meistens zeigt sich bei dem Versuch sogar ein katastrophales Ergebnis. Der Begriff Yips stammt ursprünglich aus dem Golfsport und wurde von Tommy Armour geprägt. Der inflationäre Gebrauch des Begriffes macht eine eindeutige Definition nicht leichter, daher konzentrieren wir uns ausschließlich auf die Putt-Bewegung im Golf. 

So sieht der typische Yips beim Putten aus

Die Yips beim Putten unterscheiden sich in ihrer physischen Manifestation klar vom Musikerkrampf oder den Yips beim Dart (auch Dartritis gennant). Bei Letzterem entsteht die Unfähigkeit, den Dartpfeil rechtzeitig oder gar überhaupt loszulassen. Bei Musikern kommt es zum krampfhaften Anziehen oder Ausstrecken einzelner Finger. Anders bei Golfern. 

In unserem Labor haben wir die typische Yips-Bewegung mit einem auf Infrarot basierten Zwölf-Kamera-Bewegungsanalysesystem untersucht. Wir haben alle relevanten Bewegungsparameter von Kopf bis Fuß im dreidimensionalen Raum in Echtzeit gemessen. Die geübten Golfer (durchschnittlich 14 Jahre Golferfahrung) wurden gebeten, aus 1,5 Metern zu putten. Jeweils 15 Mal - mit beiden Händen, nur mit der rechten Hand und nur mit der linken Hand. 

Das Video lässt deutlich die Ergebnisse der Untersuchung über alle Probanden hinweg sehen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich der Yips beim Putten bei allen Probanden als ein mehrfaches Öffnen und Schließen des Handgelenks der rechten Hand (die dominante Hand der Probanden) um den Treffpunkt mit dem Ball herum manifestiert. Dieses Öffnen und Schließen geschieht mit hoher Geschwindigkeit. Die Yips-typische Bewegung war bei jedem Putt zu beobachten, bei dem die Probanden nur mit der rechten Hand einen Ball spielten. Der Yips trat aber nicht auf, wenn die exakt gleiche Bewegung ohne Ball ausgeführt wurde. Die Yips-typische Bewegung war im Labor nur zu beobachten, wenn die Probanden einhändig geputtet haben. Bei der beidhändigen (Standard) Putt-Bewegung war das Öffnen und Schließen des rechten Handgelenks nicht zu beobachten - vermutlich, weil die linke Hand stabilisierend wirkte. 

Ein Fazit dieser Untersuchung: Der Yips beim Putten kann als ein unwillkürliches Öffnen und Schließen (mit hoher Geschwindigkeit) des Handgelenks des dominanten Arms um den Treffpunkt mit dem Ball herum beschrieben werden. 

Diese doch sehr unterschiedliche Manifestation der Yips beim Putten im Vergleich zu den eher durch verkrampfen gekennzeichneten Störungen in anderen Bereichen wie Musik, Schreiben oder Dartspielen, lässt die Vermutung zu, dass es sich um unterschiedliche Phänomene handelt. Darüber werde ich im nächsten Beitrag mehr schreiben. 

Praxistipp: Habe ich selbst einen Yips? Wie kann ich es überprüfen?

Wenn ich selbst überprüfen möchte, ob meine Putt-Probleme vielleicht auf den Yips zurückzuführen sind, dann bietet sich ein einfacher und schneller Test an. Putten Sie den Ball einhändig. Nutzen Sie dafür Ihre dominante Hand, also die den Putter führt. Beim Standardgriff ist es in der Regel die untere, rechte Hand.

Für die Durchführung des Tests sprechen Sie den Ball so an, wie Sie dies bei einem normalen Putt machen. Führen Sie dann die Putt-Bewegung nur mit einer Hand durch. Zu Beginn ohne einen Ball vor sich. Beim zweiten Putt mit Ball und dem Ziel, einzulochen. Den dritten Putt wieder ohne Ball - nicht als Probeschwung neben dem Ball, sondern wie einen richtigen Putt, nur ohne einen Ball hinzulegen. Den vierten Putt wieder mit Ball. Machen Sie das Ganze drei Mal ohne Ball und drei Mal mit Ball. Immer abwechselnd und einhändig.

Wenn Sie bemerken, dass das Schlägerblatt, bzw. Ihr Handgelenk, kurz vor dem Treffpunkt mit dem Ball mindestens eine schnelle Rotation nach innen oder nach außen macht, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie unter dem Yips leiden. Bei den Putts ohne Ball werden Sie feststellen, dass dieses gefühlte Zucken nicht auftritt bzw. wenn es auftritt, in deutlich milderer Form.  

Sollten Sie nach dem Test festgestellt haben, dass Sie möglicherweise unter einem Yips leiden, verzagen Sie nicht. In den nächsten Beiträgen werde ich erklären, was man gegen den Yips tun kann und was nicht. Einen Tipp möchte ich an dieser Stelle gleich mitgeben: Versuchen Sie nicht, die Rotation zu verhindern! Bleiben Sie locker im Arm und konzentrieren Sie sich auf das Pendeln der Schultern. Mehr dazu dann in den nächsten Beiträgen. 

Teil II: Yips sind kein Problem Teil III: Denken Sie nicht an den Eifelturm Teil IV: Kommt der Yips vom darüber reden?

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