Bild Information: Esther Henseleit (Photo: Stuart Franklin / Getty Images)

"Ich möchte Turniere gewinnen"

Interview
 

Esther Henseleit im Interview über Träume, Druck und Damengolf.

Sie ist der Shooting-Star im deutschen Damengolf: Esther Henseleit belegt auf der Ladies European Tour Platz zwei in der Gesamtwertung. Und das in ihrem ersten Jahr als Profi. Der Titel "Rookie of the Year" ist ihr nicht mehr zu nehmen. Dank einer starken Leistung im nordamerikanischen Q-School-Final holte sie sich die Karte für die LPGA Tour 2020. Vielleicht wird die 20-Jährige auch noch Hamburgs Sportlerin des Jahres. Sie ist eine von drei Kandidatinnen, die zur Wahl stehen. Im Interview mit Golf.de erklärt sie, warum sie gut mit Druck umgehen kann, wie sie ihre Top-Leistung im ersten Profi-Jahr selbst einschätzt, was sie gerne in der Freizeit macht - und mehr.

Welcher war Ihr Golfmoment der Saison 2019?
Esther Henseleit:
Schwierig zu sagen, da ich in diesem Jahr einige tolle Momente auf dem Golfplatz erlebt habe. Sicherlich gehören die guten Platzierungen auf der LET dazu, aber natürlich auch die Qualifikation für die kommende LPGA-Tour-Saison. Ich spiele in diesem Jahr allerdings noch zwei Turniere - ein Sieg würde natürlich an erster Stelle stehen.

2019 ist Ihr erstes Jahr als Profi. Nach zahlreichen Top-Ten-Ergebnissen stehen Sie auf Platz zwei der LET-Rangliste. Und jetzt die Quali für die LPGA Tour 2020. Überraschung? Sensation? Oder alles normal? Wie ordnen Sie das selbst ein?
EH: Als Überraschung würde ich es nicht einordnen, ich habe auch in meinem letzten Jahr als Amateur sehr viele gute Runden gespielt und mir für mein erstes Profi-Jahr realistische Ziele gesetzt: Siegchancen erspielen auf der LET und eine solide Leistung bei der Qualifikation für die LPGA-Saison abrufen. Dass ich diese Ziele erreichen konnte, ist toll und ich arbeite sehr hart daran, dass es auch so weitergeht.

In Europa gehören Sie schon zur Spitze. Was muss passieren, um auch auf der LPGA Tour vorne mitspielen zu können?
EH: Ich werde weiterhin so intensiv mit meinem Team zusammenarbeiten und dann werden wir sehen, ob ich mich auf der LPGA Tour beweisen kann. Selbstverständlich ist das Niveau in Amerika höher, aber ich werde trotzdem alles daran setzen, auch dort vorne mitzuspielen.

Wie sieht der Plan für 2020 aus? Werden wir Sie nur noch selten in Europa sehen?
EH:
Da ich nicht wöchentlich auf der LPGA Tour im Feld sein werde, spiele ich im nächsten Jahr auch auf jeden Fall weiterhin auf der Ladies European Tour. Ich bin sehr gespannt, wie der Turnierplan aussieht, da einige neue Events auf der LET stattfinden.

Warum wollen alle auf die nordamerikanische Tour? Sind es vor allem die Preisgelder, die locken? In Europa lief es doch in Ihrem ersten Profi-Jahr so gut...
EH:
Ich denke, dass es für jede Spielerin darum geht, sich mit den besten Golferinnen der Welt zu messen. Außerdem gibt es auf der LPGA Tour für Top-Platzierungen deutlich mehr Ranglistenpunkte. Dass gleichzeitig auch mehr Preisgeld ausgeschüttet wird, ist natürlich auch ein Argument, aber nicht die Hauptmotivation.

Caroline Masson und Sandra Gal sind seit Jahren die starken Deutschen auf der LPGA Tour. Haben Sie sich Tipps von ihnen geholt bzw. stehen Sie in Kontakt zu ihnen?
EH:
Man kennt sich, aber steht nicht regelmäßig in Kontakt. Dass ich von den beiden einiges lernen kann, steht außer Frage. Vielleicht kommt es in der nächsten Saison zum Austausch, worüber ich mich freuen würde.

"Es wird immer mehr über uns berichtet"

Auf der European Tour ist kein deutscher Mann in den Top 50. Auf der LET gibt es mit Ihnen, Olivia Cowan, Laura Fünfstück und Karo Lampert gleich vier Mädels in den Top 15. Die Öffentlichkeit nimmt davon kaum Notiz. Hat Damengolf hierzulande einen zu geringen Stellenwert?
EH:
Wir freuen uns über jede Berichterstattung und sind froh, dass wir selbst auch den stetigen Fortschritt in den Medien mitbekommen. Es wird immer mehr über uns berichtet, wodurch der Stellenwert steigt, aber natürlich ist es etwas schade, dass Damengolf in Deutschland noch nicht so populär ist wie in anderen Ländern. Es ist ein langsamer Prozess, aber ich glaube, dass schon einige Schritte in die richtige Richtung passiert sind und wir in der Zukunft mehr Aufmerksamkeit bekommen werden.

Natürlich denken Sie als Profi von Turnier zu Turnier. Aber Träume darf man haben. Hand aufs Herz: Haben Sie schon mal den Kasumigaseki Country Club gegoogelt? Oder ist der Solheim Cup höher als Olympia?
EH:
Ich habe den Golfclub noch nicht gegoogelt, aber habe schon mitbekommen, dass er sehr spektakulär und schön sein soll. Ich werde alles geben, um mir den Wunsch einer Teilnahme dort zu erfüllen. Sollte es aber nicht klappen, ist das kein Grund zur Enttäuschung. Genauso sieht es mit dem Solheim Cup aus, der ebenfalls zu den größten Highlights einer Golfkarriere zählt.

Die ersten Erfolge auf der Tour kamen schnell. Wo sehen Sie sich als Profi-Golferin in fünf Jahren?
EH:
Wie schon erwähnt, ist mein primäres Ziel, Jahr für Jahr die bestmöglichen Leistungen abzurufen, mich mit den besten Spielerinnen der Welt zu messen und schrittweise zu denken. Ich möchte Turniere gewinnen, und das auch in fünf Jahren. Natürlich sind Olympia und der Solheim Cup Träume, die ich mir gerne erfüllen möchte. Ich bin selbst gespannt, wo mich das in ein paar Jahren hinführt.

Sie haben mal gesagt, Sie mögen es, vor vielen Leuten und großem Publikum zu spielen. Woher kommt das? Was macht da den Kick für Sie aus?
EH:
Als Jugendliche habe ich schon früh gemerkt, dass unter großem Publikum bei mir eine positive Anspannung entsteht und ich besonders gute Leistungen unter Druck abrufen kann. Es fällt mir nicht schwer, den Fokus zu finden und mich voll und ganz auf mein Spiel zu konzentrieren. Zwischen den Schlägen motiviert es natürlich auch zusätzlich, die Unterstützung des Publikums zu spüren.

Was macht Esther Henseleit gerne, wenn sie keine Golfschläger in der Hand hat?
EH:
Ich bin gerne unterwegs, aber freue mich auch sehr darüber, in der Heimat zu sein und Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Außerdem mache ich ein Studium im Bereich Sportbusiness Management, für das ich selbstverständlich Zeit investieren muss. Und die eine oder andere freie Stunde für Sport findet sich eigentlich auch immer.

Wie vertreibt sich Esther Henseleit die Zeit auf Reisen oder zwischen den Runden?
EH:
Ich gebe alles, die Reisezeit bestmöglich auszunutzen: Die Studienhefte machen zwar nicht so viel Spaß wie ein spannender Krimi, aber trotzdem lese ich in letzter Zeit viel über Sporttheorie. Wenn wir in den verschiedenen Ländern unterwegs sind, finde ich es sehr spannend, etwas vom Land zu sehen und landestypisches Essen zu probieren. Zwischendurch höre ich aber auch mal gerne Musik zum Entspannen.

Vielen Dank für das Interview.

Interview mit Sebastian Heisele

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