Bild Information: Bernd Ritthammer (Photo by Porsche European Open)

"Keinen Grund mehr für Zweifel"

Interview
 

Der Münchner Bernd Ritthammer im exklusiven Interview mit Golf.de.

Bernd Ritthammer hat zuletzt bei den Porsche European Open mit einem zweiten Platz für Aufsehen gesorgt und einen wichtigen Erfolg in seiner Karriere eingefahren. Im Gespräch mit Golf.de spricht der 32-jährige Münchner über sein Wechselbad der Gefühle in Hamburg, seine Einstellung gegenüber dem Fahrstuhlspieler-Dasein sowie über persönliche Deadlines und Ziele./""

Wie haben Sie den hervorragenden zweiten Platz bei der Porsche European Open mittlerweile verarbeitet?

Bernd Ritthammer: Dieses Ergebnis kam zum richtigen Zeitpunkt. Ich wusste, dass meine Spielmöglichkeiten zum Rest des Jahres langsam knapp werden. Das hat mir eine Perspektive für den Rest der Saison gegeben. Ich bin froh, dass ich mir eine Chance auf eine Tourkarte erspielt habe. Diese Aussicht war davor in weite Ferne gerückt.

War das der Grund für ihr emotionales Interview nach dem Turnier in Hamburg?

BR: Es liegt ein sehr steiniger Weg hinter mir. Ich bin seit 13 Jahren Profi und bin noch nie dort angekommen, wo ich hinwollte. Ich habe extrem viel Schweiß, Blut und Tränen in den Job reingesteckt und habe die meiste Zeit meiner Karriere auf die Mütze bekommen. Einen entsprechenden Ertrag aus meiner Arbeit habe ich selten bekommen. Wenn man das dann auf einmal wie in Hamburg mit so viel Unterstützung im eigenen Land erhält, ist das schon etwas Besonderes.

Haben Sie also einen Heimvorteil genutzt?

BR: Ich konnte schon spüren, dass nach einem deutschen Sieger gelechzt wurde. So hat es sich zumindest angefühlt. Es wurde versucht, mich zum Sieg zu tragen. Es herrschte eine unglaubliche Atmosphäre, die bei mir Gänsehaut verursacht hat. Das alles hat dazu geführt, dass ich am Ende nicht mehr Herr meiner Emotionen war.

 

War das Turnier ein Schlüsselmoment in Ihrer Karriere mit vielen Auf und Abs?

BR: Es war ein Turnier, das ich dringend in meiner Karriere gebraucht habe. Um zu zeigen, dass ich auf dem richtigen Weg bin. In der Heimat gegen Ende der Saison so eine Leistung vor so einem Publikum zu bringen:  viel mehr kann man sich als Sportler nicht wünschen.

Hat sich im mentalen Bereich seit dem Erfolg für Sie etwas verändert?

BR: Das würde ich schon sagen. Ich habe mir dieses Jahr durchaus öfter die Frage gestellt als in der Vergangenheit, ob das im Profigolf überhaupt noch alles so recht Sinn für mich ergibt. Ich habe mir eine imaginäre Deadline gesetzt, wie ich es ausdrücken würde.

Sie wollten zwischenzeitlich mal aufgeben?

BR: Mein Durchhaltevermögen ist schon eines der besseren, wenn ich mich mit anderen Golfern vergleiche, die dann irgendwann aufgehört haben. Ich habe mir schon gesagt, dass ich nicht mehr ewig so weiter mache wie bisher. Dass ich drei bis vier Jahre wieder diesen Fahrstuhl-Spieler zwischen European- und Challenge Tour gebe, da bin ich langsam nicht mehr bereit dazu. Es war klar, dass in den nächsten zwei Jahren die Etablierung auf der European Tour stattfinden muss, weil mir ansonsten die mentale Energie ausgeht. Dafür war der zweite Platz extrem wichtig. Meine Arbeit hat endlich Früchte getragen.

Welchen Ausblick haben Sie nun?

BR: Ich habe mir jetzt eine Perspektive geschaffen. Es sind noch drei Turniere in dieser Saison übrig. Aktuell besitze ich schon eine Kategorie, die ich letztes Jahr hatte. Das lässt einen hoffen. So wie ich gerade spiele, habe ich eine gute Chance, wieder vorne mitzuspielen. Das lässt mich in gewisser Weise ein bisschen entspannen. Wichtiger ist aber das Aha-Erlebnis, das sich bei mir eingestellt hat. Es gibt keinen Grund mehr daran zu zweifeln, warum ich ein Turnier wie in Hamburg nicht mehr gewinnen kann.

 

Wie sehr hat Sie nach dem Erfolg der verpasste Cut eine Woche später bei der KLM beschäftigt?

BR: Ein verpasster Cut ist immer ein Mist. Es ärgert mich schon, weil ich weiß, dass ich noch eine Top 10 Platzierung für die Tourkarte benötige. Aus solchen Wochen mit einem soliden Spiel muss man eigentlich Kapital schlagen.

Wie gehen Sie damit um?

BR: Man sollte das immer nicht nur negativ sehen, sondern das ist immer eine Frage der Sichtweise. Ich habe zum Beispiel sehr viele Cuts in diesem Jahr nur mit einem oder zwei Schlägen verpasst. Man macht in solchen Wochen gar nicht so viel falsch. Ich tendiere schon dazu, mich selbst sehr kritisch zu betrachten. Das ist nicht immer die gesündeste Art und Weise in einem Einzelsport wie Golf. Das Gehirn, das beim nächsten Start auch wieder mit auf dem Platz dabei ist, vergisst nämlich nicht.  

Inwieweit freuen Sie sich auf die Pause, die Sie bis zu den Spanish Open einlegen wollen?

BR: Sicherlich tut eine Pause gut. Man merkt jetzt schon, dass der Geduldsfaden beim Spielen kürzer geworden ist. Ich habe zwar schon Lust, an meinem Spiel zu feilen. Aber ich weiß auch genauso, dass es sehr wichtig ist, drei bis vier Tage mal die Schläger in die Ecke zu stellen, meinen Familienpflichten nachzukommen und mich ein bisschen auszuruhen. Auch wenn ich natürlich mein Fitnessprogramm intensivieren werde, um physisch auf ein höheres Level zu kommen. Mir bietet sich die gute Chance, meine Tourkarte zu bekommen, Darauf möchte ich gut vorbereitet sein.

Das Gespräch führte Robert M. Frank

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