Bild Information: Martin Kaymer (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

'In den USA denkt jeder nur an sich'

Interview
 

Martin Kaymer spricht im Mettmanner Golf Club über seine sportliche Situation.

Ein durchwachsenes Golfjahr neigt sich für Martin Kaymer dem Ende entgegen. Auf der PGA Tour verpasste er nach nur einer Top-30-Platzierung den Einzug in die FedExCup-Playoffs und schloss die Saison als 150. der Gesamtwertung ab. Hinzukam, dass Kaymer nicht die Mindestanzahl von gespielten Turnieren erreichte, weswegen er auf eine Sondergenehmigung der PGA Tour hoffen musste. Der Antrag verlief erfolgreich und so werden wir den Deutschen auch kommendes Jahr wieder in den USA abschlagen sehen. Auf der European Tour liegt Kaymer kurz vorm Endspurt knapp außerhalb der Top 60 des Race to Dubai. Sollte er sich hier also noch um ein paar Plätze verbessern können, würde er sich für das Saisonfinale in Dubai qualifizieren und könnte auf ein einigermaßen versöhnliches Ende einer Saison mit vielen Auf und Abs zurückblicken.

Im Rahmen eines Charity-Events anlässlich seiner Helianthus Stiftung im Mettmanner Golf Club hatte Golf.de die Gelegenheit, mit Kaymer zu reden. Auch wenn das soziale Engagement im Vordergrund stand, blieb auch noch Zeit, um über sportliche Themen wie seine Form, Ziele sowie langsames Spiel zu sprechen:

Golf.de: Während wir hier sitzen, halten sich viele Ihrer Kollegen in Winsen auf. Warum verzichteten sie auf den Start bei der Porsche European Open?

Martin Kaymer: Das hat sich terminlich leider so ergeben. Dieses Event meiner Stiftung hier in Mettmann stand schon fest und ein anderer, früherer Zeitpunkt wäre aufgrund der fehlenden Planungssicherheit schwierig geworden. 

Sie spielten in der vergangenen PGA-Tour-Saison nur 14 statt die für den Erhalt der Spielberechtigung erforderlichen 15 Turniere. Ein Fehler in der Turnierplanung?

Nicht wirklich. Dadurch, dass ich in diesem Jahr auf beiden Touren, in Europa und den USA, gespielt habe, war die Planung von Anfang an schon sehr „auf Kante genäht“, was die Starts in den USA anging. Obwohl ich in Irland und Schottland gut gespielt habe, hat es sportlich leider nicht für eine Qualifikation zur Open gereicht. Als ich am Freitag vor der Open auf Platz zwei der Nachrückerliste stand, musste ich die Entscheidung treffen, ob ich das Risiko eingehe und hinfliege, ohne zu wissen, ob es mit einer Teilnahme klappt oder für die Barbasol Championship in den USA zu melden. Beide Turniere hätten für das 15-Turniere- Minimum gezählt. Da es sich dann bei der Open leider doch nicht ausgegangen ist mit einem Start, habe ich im Nachgang die Situation und meine Gedankengänge mit der PGA Tour besprochen und einer Reduktion des Minimums ist aufgrund der Besonderheit der Situation entsprochen worden. So bin ich auch 2020 reguläres Mitglied der PGA Tour mit eingeschränktem Spielrecht und kann auch am FedExCup teilnehmen.

Warum wollen sie unbedingt auf der PGA Tour bleiben? Wäre ein volles Jahr auf der European Tour nicht auch reizvoll?

Es geht nur darum, die Möglichkeiten zu haben. So kann ich meinen Kalender deutlich freier gestalten und im Frühjahr, wenn auf der European Tour die kleineren Turniere stattfinden, in den USA spielen. Ich habe so einfach deutlich mehr Freiheiten in meiner Planung.

Ihre Form zeigte in den vergangenen Wochen durchaus in die richtige Richtung. Der letzte Sieg liegt nun trotzdem schon mehrere Jahre zurück. Was fehlt noch, um wieder einen Titel zu holen?

Es fehlt nicht viel. Ich muss nur einfach mal wieder vier und nicht nur drei gute Runden spielen. Das gibt mir Hoffnung. Das Spiel ist nämlich da. Jetzt muss ich nur Geduld bewahren und dann kommt der Erfolg von ganz allein. Ich habe ein sehr gutes Gefühl und das stimmt mich positiv für die kommenden Wochen.

Blicken wir in die nähere Zukunft. Was sind Ihre Ziele für die kommenden Wochen auf der European Tour?

Ich will schon noch in die Top 50, damit ich mich für Dubai qualifiziere. Dafür spiele ich in nächster Zeit einige große Turniere in Wentworth, die Alfred Dunhill und die Italian Open.

Sie sind als 98. der Weltrangliste der einzige Deutsche unter den Top 250. Wie erklären sie sich das?

Echt. Ach, das wusste ich gar nicht. Ja das ist wirklich eine sehr schwierige Situation. Ich denke, was im deutschen Nachwuchs fehlt, ist, dass die Kids auch einfach mal auf den Platz geschickt werden müssen, um so ein Gefühl fürs Spiel zu entwickeln. Ohne Hilfsmittel, Entfernungsmesser und sonstigen Schnickschnack. Einfach die Schläger in die Hand und losgehen. Die meisten Nachwuchsspieler sind viel zu sehr auf Technik angewiesen und verlieren so das Wichtigste im Golf: das Gefühl. Was wir da draußen machen, ist vergleichbar mit einer Form von Kunst. Das geht nicht mit Schablonen. Kreativität und Improvisation müssen wieder größer geschrieben werden.

Eines der zurzeit am heißesten diskutierten Themen im Profigolf ist das langsame Spiel. Vor allem in den USA kam es hier in Vergangenheit zu jeder Menge Diskussionen und auch Auseinandersetzungen zwischen Spielern wie Bryson DeChambeau und Brooks Koepka. Was ist Ihre Meinung zu der Problematik?

Ja das ist wirklich ein nerviges Thema. Ich merke es selbst in den USA. Da muss ich mein Spiel umstellen. Das geht teilweise so schleppend voran. Das stört und muss unterbunden werden. Aber die Offiziellen tun nichts dagegen. Es kann nicht sein, dass man zwei Minuten für einen kurzen Putt braucht und die Schlagvorbereitung erst beginnt, wenn man dran ist. Wenn man an der Reihe ist, muss man schon längst angefangen haben, sich mit dem bevorstehenden Schlag zu beschäftigen. In Europa wird da inzwischen härter durchgegriffen. Da werden Strafschläge für zu langsames Spiel vergeben. Das ist die einzige Möglichkeit das Problem in den Griff zu bekommen. Das hat nämlich auch mit Respekt zu tun. Es kann nicht sein, dass man als Spieler nur schneller spielt, wenn ein Referee in der Nähe ist. Aber in den USA denkt jeder nur an sich und sein Spiel. Das ist ein großes Problem und da muss etwas passieren.

Kaymer weiterhin reguläres PGA-Tour-Mitglied

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