Bild Information: Florian Fritsch bei den Golftagen München 2019 in der BMW Welt (Photo by BMW)

"Als hätte es einen Masterplan gegeben"

Interview
 

Florian Fritsch spricht im Interview mit Golf.de über Woods und das deutsche Golf.

Der 33-jährige Golfprofi Florian Fritsch spricht im Interview mit Golf.de über das Comeback von Tiger Woods, über das deutsche Golf und Martin Kaymer sowie über seine eigenen Pläne und zieht persönliche Parallelen zu Woods.

Golf.de: Was sagen Sie zum Comeback von Tiger Woods bei seinem Masters-Sieg in Augusta?
Florian Fritsch:
Vor seinem Masters-Sieg war Tiger Woods ja etwas Menschliches passiert: er ist privat und sportlich auch mal durch Tiefen gegangen. Dass eine Person diese Willenskraft besitzt, seinen Körper danach wieder wettbewerbsfähig so aufzubauen und dies über zwei Jahre durchzuziehen, ist beeindruckend. Es sah so aus, als hätte es bei ihm einen Masterplan gegeben. Es war wegen seiner vorausgegangenen Phase für mich ein deutlich menschlicherer Sieg als seine Erfolge zuvor.

Wird Woods bald den Major-Rekord von Jack Nicklaus mit 18 Siegen knacken?
FF:
Seine Achillesferse scheint ja sein Körper zu sein. Da ich in dieser Hinsicht keinen Einblick habe, kann ich das schwer beurteilen. Solange Woods gesund bleibt und sein Körper leistungsfähig ist, gehe ich davon aus, dass er den Rekord brechen kann. Ich glaube allerdings auch, dass er nicht so dominant sein wird wie in den Jahren vor 2011. Wir werden Woods aber auf jeden Fall öfters Sonntags bei Majors um den Sieg mitspielen sehen.

Trauen Sie Ihren Landsmann Martin Kaymer ein ähnliches Comeback zu?
FF: Das denke ich schon. Wir müssen uns immer vor Augen führen, dass Martin keine Monatsbecher spielt, sondern bei den ganz großen Turnieren unterwegs ist. Wenn man dort Platz 30 belegt, ist das nicht schlecht. In den letzten Jahren hat es bei ihm noch nicht wieder zu Top-Ergebnissen gereicht. Hier und da gab es aber gute Ergebnisse wie in Südafrika oder bei den BMW International Open. Wenn sein Gesamtpaket funktioniert, werden wir bei Martin Kaymer wieder Leistungssteigerungen sehen, die seinem eigenen Leistungsanspruch gerecht werden.


Woran liegt es ihrer Meinung, dass in Deutschland kein so Golf-Hype herrscht wie in den USA?
FF: Das hat mehrere Gründe. Ein Grund ist, dass der Golfsport in Deutschland nicht in dieser Form staatlich gefördert wird, wie es in vielen anderen europäischen Ländern der Fall ist. Die Finanzierung des Golfsports in Deutschland erfolgt hochgradig privat. Das hat zur Folge, dass Golf relativ teuer ist, wenn man bedenkt welche Kosten in den Betrieb eines Golfplatzes fließen. In anderen Ländern werden bei großen Turnieren staatliche Mittel investiert, bei uns geschieht das nicht in diesem Maß. Nicht dass ich jetzt mehr Geld für Golf fordere. Aber ich sehe, dass bei diesem Aspekt andere Länder Vorteile haben. Darüber hinaus wird das Thema Golf-Sport in der Masse hierzulande weniger gelebt als andernorts. In der breiten Masse ist der sportliche Teil noch nicht so durchgedrungen wie in anderen Ländern.

Was könnte man ihrer Meinung nach in Deutschland verbessern, um wieder mehr Profigolfer herauszubringen?
FF: Die Frage ist, ob man in dieser Hinsicht überhaupt etwas zwingend unternehmen muss? Ich finde es auch legitim, wenn Menschen Golf ausschließlich aus Gründen der Erholung und nicht wegen sportlichen Leistungsmotiven betreiben möchten. In dieser Debatte wäre es ungünstig, diese Gruppe der Golfer zu diffamieren. Ich spiele zum Beispiel auch Mannschaftstennis, das für mich manchmal auch nur zum Abschalten wichtig ist und nicht nur wegen dem Wettbewerb.

Aber gibt es bald wieder einen deutschen Top-Profigolfer?
FF:
Definitiv. Wir sind die zweitgrößte Golfnation Europas. Wir sind der neuntgrößte Verband Deutschlands und gehören damit zu den Top 10. Wenn man sich das private Engagement in den Clubs bezüglich Jugend- und Mannschaftsförderung anschaut, stimmt das optimistisch. Bei der Zusammenarbeit zwischen dem DGV und der PGA entwickeln sich Synergien, die das auf jeden Fall ermöglichen. Wir haben eine deutlich höhere Dichte in der zweiten Ebene der Golfturniere auf der Challenge Tour. Dort ist in den letzten Jahren immer mal wieder einer nach oben in Richtung European Tour ausgebrochen. Ich denke, dass wir in den nächsten Jahren sehr viel Freude haben mit den Spielern, die jetzt noch in der zweiten oder dritten Reihe stehen.


Wie ist es um Ihr Comeback auf der internationalen Tour nach einem schwierigen Jahr 2018 bestellt?
FF: Comeback ist das richtige Wort (lacht). Ich hatte letztes Jahr kein einfaches Jahr. Inzwischen bin ich lange genug dabei, um zu wissen, dass Höhen und Tiefen in einer Golfkarriere dazu gehören. Das Thema Konstanz ist nicht so einfach. Als ich früher meine Tourkarten erspielt habe, waren das tolle Momente. Die Talsohle, die ich zuletzt beschritten habe, ermöglicht die Erinnerung an diese Gefühle erst wieder. Da kommen wir wieder auf Woods zurück. Wenn er ein Masters nach dem anderen gewinnt, wäre das nicht in dieser Form so besonders gewesen wie es jetzt beim Comeback der Fall gewesen war. Ähnlich sehe ich das jetzt bei mir.

Welche Ziele haben Sie sich für 2019 konkret gesteckt?
FF:
Unter Druck möchte ich deutlich besser werden. Ich arbeite an Elementen der Technik und im mentalen Bereich. Ich will an einem Sonntag häufiger um einen Sieg mitspielen. Was die sportlichen Ziele anbelangt: Unser Sport unterliegt mittlerweile so vielen Variablen, dass es schwer zu sagen ist, wann man wo zu welchem Zeitpunkt stehen möchte. Wenn ich mich auf den Prozess konzentriere, dann wird es als Konsequenz bessere Ergebnisse geben.

Werden Sie weiterhin Profi sein oder folgt irgendwann doch mal Trainerdasein?
FF:
Sollte meine Karriere irgendwann ein Ende finden, könnte eine Trainertätigkeit eine Option sein. Wobei ich dies nicht in Vollzeit machen möchte. Mir gefallen auch Management-Themen - Konzepte für den Jugend- oder Leistungsbereich zu entwickeln, macht mir auch Spaß. Ich habe ein Bedürfnis, meine Meinung zu diesen Themen mitzuteilen. Es wird eher in die Richtung hinauslaufen, nach meiner Karriere eher eine Bandbreite an unterschiedlichen Dingen zu bedienen, die ich aus meinem breiten Erfahrungsschatz einbringen kann.

Wie ist Ihr Bezug zu Ihrer Geburtsstadt München?
FF: München ist für mich eine hochgradig emotionale Verbindung. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich für diese Heimat stehe. 

Blicken Sie ebenso emotional auf die BMW International Open in Eichenried?
FF
: Ja, das Gleiche gilt auch für die BMW International Open. Das war im Jahr 2004 mein erstes Turnier auf der European Tour. Damals war es schon etwas Besonderes, in Eichenried auf dem Abschlag zu stehen. Da fühlte ich mich damals ähnlich wie mit Johannes Lochner (Weltcup-Bobfahrer; Anm. d. Red.), bei dem ich neulich im Bob mitfahren durfte (lacht).

Das Gespräch führte Robert M. Frank

Allianz Golf Tipps mit Florian Fritsch Bildern mit Fritsch zu Golftagen 2019 in München

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