Bild Information: Stephan Jäger (Photo by Matt Sullivan/GettyImages)

"Golf ist mein Leben"

Interview
 

Golf, Gelassenheit und Groll: Stephan Jäger im Interview.

Stephan Jäger ist in seiner zweite Saison auf der PGA Tour. Der 29-jährige Exil-Bayer blickt im Interview mit Golf.de mit einer Portion Gelassenheit auf seinen Beruf und spricht über die Unterschiede zwischen Golf und Golfsport in Deutschland und in den USA, über seine persönliche Philosophie sowie über seine Ziele für 2019. 

Golf.de: Wie heimatverbunden sind Sie nach 13 Jahren in den Staaten? Ihre bayerische Gelassenheit schimmert immer noch durch …
Stephan Jäger: Ja klar, das haben wir in meinen ersten 17 Jahren in Eichenried geschafft, dass ich bayerisch denke.

Wären Sie ohne Ihre Gelassenheit in der Golfkarriere möglicherweise schneller nach oben gekommen?
SJ
: In der Golf-Karriere würde ich mich eher als fokussiert als gelassen bezeichnen. Ich weiß, wohin ich will und ich bin mir bewusst, dass man Disziplin und Zeitmanagement braucht. Gelassenheit ist gut, aber man braucht auch Disziplin, um besser zu werden.

Wie ist es dann um Ihre Gelassenheit während einer Golfrunde bestellt?
SJ:
Es wäre für mich schon positiv, wenn ich auch im Golf etwas lässiger an die Sache rangehen könnte. Beim Golf musst Du Spaß haben. Wenn Du 350 Tage im Jahr Golf spielst und dabei keinen Spaß hast, dann wird es schwierig. Wenn man zu viel für diesen Job aufwendet, dann wird es elend. Man gewinnt nicht jedes Mal und macht auch nicht jedes Mal einen guten Schlag. Da bin ich manchmal zu verbissen. Dann verkrampft man schnell und es geht gar nichts mehr.

Wie sehen Sie den deutschen Golfsport?
SJ:
Ich denke, dass in Deutschland prinzipiell mehr Jugendliche und Kinder zum Golf kommen als früher. Aber die Situation ist im Golf schwieriger als in anderen Sportarten wie zum Beispiel Leichtathletik oder Biathlon. In diesen Sportarten musst Du die perfekte Einstellung haben. Im Golf ist eine solche Perfektion schwierig. Aus der mentalen Sichtweise vor allem. Auf vier Runden gelingen Dir vielleicht zwei perfekte Schläge. Einen perfekten Schwung gibt es nicht. Die sehr disziplinierte deutsche Einstellung ist bei anderen Sportarten und Geschäftsfeldern sehr gut, aber nicht unbedingt im Golf.

Ist diese Einstellung zum Golf in den USA denn anders?
SJ:
Die Amerikaner spielen Golf. In Deutschland wird daraufhin trainiert, die besten Schläge zu haben. Ich denke, dass mentale Stärke im Golf wichtig ist. An dieser mentalen Seite zu arbeiten, bringt einen weiter.

Was bedeutet das konkret in Ihrem Training?
SJ:
Ich trainiere im Moment viel am Golfplatz. Hier spiele ich meine Turniere und nicht auf der Range. Auf dem Platz hat man auch ein ganz anderes Gefühl.

Ist ihre Einstellung gegenüber Golf entspannter als bei den meisten anderen Spielern Deutschlands?
SJ:
Wie gesagt: Ich versuche, eher gechillter zu sein als super geradlinig. Ich bin dafür, dass man mehr Freiheit beim Golf haben sollte.

Wie sehen Sie die Unterschiede zwischen Deutschland und den USA generell?
SJ:
Für den normalen Spieler in den USA ist Golf kein Sport. Golf ist für Jedermann. Da spielt man schon mal 18 Löcher und trinkt nebenbei sieben Bier. Die Leute nehmen sich ein Cart und haben einen Riesen-Spaß zusammen. Solche Golfer würden nie auf die Range gehen. Training gibt es da auch nicht. Das ist kein Sport in den USA. Aber es ist Golf. In Deutschland heißt es Golfsport. Und es ist Sport. Das ist eine ganz andere Ebene.

 

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem ersten Jahr auf der PGA Tour?
SJ:
Klar hätte ich in meinem ersten Jahr auf der Tour gerne ein Turnier gewonnen und wäre am liebsten über die FedEx-Playoffs in die Tour reinkommen. Aber das erste Jahr ist immer schwierig. Man spielt auf neuen Golfplätzen und alles ist ein bisschen größer. Mental ist es auch schwierig. Und Du spielst jede Woche mit den besten Profis, die Du zuvor nur im TV gesehen hast.

Wie lauten Ihre Ziele für 2019?
SJ:
Ich habe auf alle Fälle größere Pläne als letztes Jahr. Ich will in den FedEx-Cup rein. Ein Turniersieg steht auf meiner Liste immer ganz oben. Insgesamt möchte ich mich wieder verbessern. In den letzten Jahren habe ich mich jede Saison stets verbessert und habe das nächste Level erreicht. Das will ich dieses Jahr auch wieder schaffen. Der Rest kommt dann von selbst.

Hätten Sie sich gewünscht schneller voranzukommen?
SJ:
Schneller ist schwierig. Die Öffentlichkeit sieht oft nur die jungen Spieler, die wie zum Beispiel Jordan Spieth und Dustin Thomas von null auf hundert rausgekommen sind. Von den Pros hat aber die große Mehrheit den Weg über die zweite Liga genommen, wie ich es über die web.com Tour gemacht habe.

Aber Sie haben eine Weile gebraucht, um ganz oben anzukommen…
SJ:
Klar habe ich einige Jahre auf dieser Tour gespielt. Aber was soll ich da jetzt rückblickend negativ darüber denken? Ich spiele auf der besten Tour der Welt, und ich habe jede Woche eine Chance, mich vorne reinzuspielen und ein Turnier zu gewinnen. Da muss ich mir nicht vorwerfen, dass ich etwas besser hätte machen können. Ich lebe im Jetzt. Golf ist mein Leben. Nur weil ich jetzt vielleicht in den nächsten drei Jahren möglicherweise kein PGA-Turnier gewinne, werde ich nicht mich Golf aufhören. Für mich ist Golf ein Lebensstil. Und das wird auch noch lange so bleiben.

Wie gehen Sie mit Erfolgen und Misserfolgen um?
SJ:
Da kann ich mich noch verbessern. Ich ärgere mich jetzt zwar nicht über einen expliziten Schlag. Aber wenn ich einen Zeitraum durchlebe, in welchem ich nicht sonderlich gut drauf bin, dann werde ich manchmal schon ein bisschen negativ.

Und wie kommen Sie aus so einer Situation wieder heraus?
SJ:
Da muss ich mir immer sagen: Kopf runter und durch, das wird schon wieder. 90 Prozent von Erfolgen in einer Golfkarriere hat man bei drei oder vier Turnieren. Ein fünfter Platz ist eine super Woche, ein zehnter Platz manchmal auch. Da muss man auch mal zufrieden sein. Auf der besten Tour der Welt 15. zu sein, ist nicht schlecht.

Cejka und Jäger in der Schlangengrube Fitnesstraining mit Stephan Jäger

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