Bild Information: Bryson DeChambeau trägt nicht umsonst den Spitznamen The Mad Scientist (Photo by Getty Images)

Der verrückte (Golf-) Professor

Spieler
 

Bryson DeChambeau stellt die Grundlagen des Golfspiels auf den Kopf.

Er ist kurios, seltsam, anders, auf jeden Fall aber ziemlich intelligent. Und er ist erfolgreich. Bryson DeChambeau war noch vor vier Jahren eine unbekannte Nummer. Vor drei Jahren, als er als amtierender U.S. Amateur Champion beim Masters Tournament im amerikanischen Städtchen Augusta an den Start ging, meinte Rory McIlroy zu seinem Spielpartner: "Ich weiß nicht viel über ihn, außer dass er erheblich klüger ist als ich."

Vom Nobody zum Seriensieger

Inzwischen hat sich die Lage geändert. Jeder Spitzenspieler kennt Bryson DeChambeau - und das nicht nur, weil er manchmal seltsam wirkt, sondern weil er obendrein noch Erfolg hat. Im Frühsommer 2017 gewann der Kalifornier die John Deere Classic, in der Weltrangliste wird er inzwischen auf Position 6 geführt. Aus dem Typen, den hinter vorgehaltener Hand so viele Kollegen den "verrückten Physiker" (Mad Scientist) genannt haben, ist ein Profi geworden, der mit Erfolg einen anderen Weg als seine Kollegen geht.

DeChambeaus Golf dreht sich um zwei Prinzipien, die in den Büchern The Golfing Machine von Homer Kelley aus dem Jahr 1969 und Vector Putting von H. A. Templeton niedergeschrieben sind. Nachdem er sie als Teenager gelesen hatte, beschloss er mit 15 Jahren, einen Golfschwung zu entwickeln, den er "zero shifting motion" nennt.

Anders als ­alle seiner Kollegen schwingt er relativ geradlinig vor und ­zurück. Er schaffte sich außerdem mit 17 Jahren einen Satz Eisen an, bei dem alle Schläger die Länge eines Eisen 7 ­haben, 278 Gramm wiegen und nur in der Neigung der Schlagfläche variieren. Auf diese Weise, so die Überzeugung des ehemaligen Physikstudenten der Southern Methodist University in Dallas, ist das Golfspiel deutlich einfacher.

Lesen Sie auch: Zehn Eisen, eine Länge: Einfach kürzen? 

Harte Arbeit zahlt sich aus

Sein größtes Erfolgsgeheimnis mag dabei die Besessenheit sein, mit der er seine Ziele verfolgt. "Ich bin nicht ­außergewöhnlich talentiert, aber ich gebe alles", hat er zu einem Reporter der US-Zeitschrift Golf Digest gesagt. "Ich kann überall gut sein, wenn mir ­etwas gut gefällt und ich mich reinhänge. Ich liebe ­Geschichte. Ich liebe die Wissenschaft. Ich liebe Musik. Ich liebe Golf. Ich liebe es zu lernen. Ich liebe das Leben. Ich liebe es zu versuchen, überall der Beste zu sein."

Der junge Amerikaner ist wild entschlossen, "jede einzelne ­Variable in diesem Golfspiel zu verstehen" - auf die wissenschaftliche Weise. "Das ist sehr, sehr schwierig, aber je mehr Zeit vergeht, desto besser versteht man die Variablen." Selbst die Golfbälle untersucht DeChambeau deshalb vor jeder Runde in einer Salzwasserlösung. Nur perfekte Modelle nimmt er mit auf die Runde.

Sein großer Held bei all' seinem Golfspiel bleibt deshalb auch Tiger Woods, der in der Vorbereitung auf Turnierrunden ebenfalls als extrem akribisch galt. "Ich glaube, Tiger ist derjenige, der dem kompletten Golf-Verständnis bisher am ­allernächsten gekommen ist", schwärmt DeChambeau. "Er war am nächsten dran, wenn es darum geht, wirklich jede ­Situation in der Welt des Golfsports zu verstehen."

Schon als Schulkind maximierte der Junge aus Kalifornien sein Wissen ebenfalls manchmal auf etwas skurrile Art. In der Highschool lieh er sich ein Physikschulbuch mit 180 Seiten aus der Bibliothek aus und schrieb es komplett ab. Seine Begründung: "Meine Eltern hätten es mir ja kaufen können, aber sie hatten einfach schon so viel für mein Golf getan, dass ich sie nicht nach einem Buch für 200 Dollar fragen wollte - außerdem habe ich durch das Abschreiben die Dinge viel intensiver verstanden."

Immer Ärger mit Bryson

Seine wissenschaftliche Herangehensweise an den Sport hat ihm in der Vergangenheit sogar des Öfteren Ärger mit der United States Golf Association eingebracht, jener Organisation, die zusammen mit dem schottischen R&A für die Zulassung von neuen Schlägern und Regeln zuständig ist. Mitte des Jahres 2018 war DeChambeau dabei beobachtet worden, während der Runde einen Zirkel zu Hilfe zu nehmen, um die exakte Fahnenposition zu bestimmen; wenige Tage später wurde dieses Werkzeug während ausgeschriebener Turnierrunden auf der PGA Tour verboten.

Nachdem ­DeChambeau Ende 2016 begonnen hat, frontal zu putten und dafür einen eigenen Schläger entwickelte, wurde der Putter von der USGA für nicht zulässig erklärt, was der junge Technik-Freak überhaupt nicht fassen ­konnte: "Das ist einfach keine gute Organisation, da kann man mich auch zitieren. Ich bin Teil der Golf-Familie und es ist ziemlich frustrierend zu sehen, dass sie das Wachstum des Golfsports einfach behindern."

Eigentlich, so ­DeChambeau gehe es nämlich keineswegs nur um sein ­eigenes Spiel. Wenn er einen Weg finde, Golf einfacher zu machen, sei dies auch eine Hilfe für Millionen von Amateurgolfern. Man kann also sicher sein: Der Erfinder ­Bryson DeChambeau lässt sich so schnell nicht stoppen.

Gewusst, dass ... ?

  • Auf DeChambeaus Wedges finden sich zahlreiche Zahlen eingraviert: alles physikalische Formeln, die er wichtig findet.
  • Seine Kappe sieht antiquiert aus – ihn stört das nicht. Er fand eine dieser sogenannten Hogan Caps, die der längst verstorbene Major-Sieger Ben Hogan immer trug, als 13-Jähriger in einem Proshop. Seitdem ist sie sein Markenzeichen.
  • Er liebt „Tüpfeln“, eine Zeichenmethode, bei welcher der Künstler unzählige Pünktchen setzt und auf diese Weise ein Bild formt.
  • Seine Unterschrift ist schwer lesbar. Nicht weil sie so unordentlich geschrieben wäre, sondern weil DeChambeau beschlossen hat, mit links und rückwärts zu unterschreiben. Es hat ihn Stunden ­gekostet, dies zu perfektionieren.
WITB: Das außergewöhnlichste Bag im Golf

Anhänge


Anzeige
Anzeige
Matthew Wolff und Bryson DeChambeau (Photo by Jamie Squire/Getty Images) Matthew Wolff und Bryson DeChambeau (Photo by Jamie Squire/Getty Images)

US Open

Kollegen reagieren: 'Er spielt u...

Bryson DeChambeau gewinnt dank eines neuen Weges die US Open. Seine Kollegen ...

weiterlesen
Brooks Koepka und Bryson DeChambeau (Photo by Ross Kinnaird/Getty Images) Brooks Koepka und Bryson DeChambeau (Photo by Ross Kinnaird/Getty Images)

Karriere in Bildern

DeChambeau: Mischung aus Talent ...

Bryson DeChambeau macht schon als Amateur auf sich aufmerksam und legt einen ...

weiterlesen
Bryson DeChambeau (Photo by Jamie Squire/Getty Images) Bryson DeChambeau (Photo by Jamie Squire/Getty Images)

US Open

Kein Ende in Sicht: DeChambeau f...

Bryson DeChambeau beendet die US Open als einziger Spieler unter Par.

weiterlesen
Bryson DeChambeau und Tiger Woods (Photos by Getty Images) Bryson DeChambeau und Tiger Woods (Photos by Getty Images)

PGA Tour

Des einen Leid, des anderen Schm...

Tiger Woods profitiert von einem Fiasko seines Kollegen Bryson DeChambeau in ...

weiterlesen