Bild Information: Nick Faldo (Bild: PR)

"Ich wollte First Class fliegen"

Interview
 

Major-Champion, Spieler, Kommentator, Platz-Designer: Ein Interview mit Sir Nick Faldo.

Mit sechs Major-Titeln, darunter dreimal der Triumph beim US Masters, und insgesamt mehr als 40 Siegen weltweit war Nick Faldo einer der erfolgreichsten Golfer der Welt. Doch die Karriere des Engländers, der von Queen Elizabeth mit dem Order of the British Empire ausgezeichnet wurde, ist noch lange nicht vorbei. Faldo, mittlerweile 60, kommentiert für BBC Sport die großen Turniere und entwirft darüber hinaus Golfplätze in aller Welt. 

Golf.de: Was ist Ihnen am wichtigsten, wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken?

Nick Faldo: Ich bin besonders stolz darauf, mein Ziel erreicht zu haben: Majors zu gewinnen. Wenn man das Erste gewinnt, fühlt man, dass etwas Besonderes in der Luft liegt. Ein paar Monate vor meinem Sieg 1987 bei der British Open in Muirfield, nachdem ich die Peugeot Spanish Open gewonnen hatte, sagte ich mir: 'Ich muss eins mehr gewinnen, dann bin ich bereit für die Open.' Doch dann erwischte mich dieses Gefühl und ich sprach nochmal mit mir selbst: "Nein, du bist bereit. Du bist bereit, die Open zu gewinnen." Ich hatte dann eine großartige Visualisierung voller Bilder in meinem Kopf.

Haben Sie eine Erklärung dafür, dass Sie immer als nahezu unschlagbarer Gegner angesehen wurden?

NF: Ich bin ein Einzelkind und habe schon immer eine Menge Bälle alleine geschlagen. Ich konnte das schon immer den ganzen Tag lang machen und war dabei glücklich. Ich hatte nie Probleme damit, mich zu motivieren und zu beschäftigen. Dabei bin ich stets gegen meine imaginären Freunde angetreten: Jack, Arnold, Lee und Gary. Nach der Runde ging es nicht in die Bar, sondern auf die Range. 

Sie galten vielleicht deshalb immer als Einzelgänger...

NF: Damals musste man sich auf der Tour einfach um sich selbst kümmern. Das machten die meisten. Seve (Ballesteros), Greg (Norman; Anm.d.Red.) - einfach alle, meine ich. Eric Bristow, ein berühmter Fußballer, sagte einmal: 'An dem Tag, dan dem sie alles über mich wissen, werden sie mich schlagen.' Dazu kam, dass das Geld immer knapp war. Wenn man das verändern wollte, musste man gewinnen. Mein erstes Ziel war es, First Class zu fliegen. Dann wollte ich mir ein Haus kaufen. Und dafür musste ich gewinnen. Damals gab es 5.000 Pfund und das höchste Preisgeld betrug 10.000 Pfund. 1983 gewann ich fünf Mal und kassierte 100.000 Pfund. 1977 schaffte ich es zum Ryder Cup mit 7.000 Pfund Preisgeld. Als ich mein erstes Haus kaufte, kostete es 60.000 Pfund. Mein Vater gab 20.000 dazu. Ich dachte nur, wie oft ich gewinnen müsste, um 40.000 Pfund nach Steuern aufzubringen. Das hat sich mittlerweile extrem verändert. Man kann als Golfer mit einem soliden Auftritt wahrscheinlich zehn Millionen Pfund verdienen, ohne ein einziges Turnier zu gewinnen.

Mit 160 Übungs-Bällen im Gepäck

In Ihrer Zeit wurde die Tour global aufgestellt. Wie sind Sie damit zurechtgekommen? 

NF: Wir waren immer eine globale Tour. Zu Beginn des Jahres ging es nach Australien, Europa startete im März oder April. Dann hatte man die Chance, in den USA zu spielen. Die European Tour spielte das ganze Jahr durch, am Ende ging es nach Südafrika. Schließlich kam Asien hinzu, und plötzlich bauten sie einen Kurs in Dubai, im absoluten Nichts. 1989 waren wir alle da: Seve, Langer, Lyle und Woosnam. Wie wir reisten, kann sich keiner mehr vorstellen. Alleine die Bälle. Ich hatte immer 160 Übungsbälle dabei. Nach Amerika flog ich mit einem Koffer voller Kleidung. Für drei Monate! Jetzt würde ich mit einem Koffer kein Wochenende mehr überstehen. 

Wie kamen Sie eigentlich zum Golfsport?

NF: Radfahren, Schwimmen, Tennis - ich habe in der Schule alles gespielt und war in jeder Schulsportmannschaft. Beim Tennis sagte mir mein Trainer, dass ich zu groß sei. Zu dieser Zeit musste man die Größe von Rod Laver haben (1,73 Meter; Anm.d.Red.). Irgendwann suchte ich nach einem neuen Sport, allerdings nach meinen Bedingungen: Ich wollte mein eigener Boss sein und es sollte ein Outdoor-Sport sein. Außerdem mag ich Bäume. Also ging ich zu meiner Mutter und fragte, ob ich Golf ausprobieren könne. Meine Eltern buchten sechs Stunden bei einem Trainer. Ich lernte viel dabei, denn in der ersten Stunde ging es nur um den Griff. Dann folgte die Ansprechhaltung. Ausrichtung in Stunde drei. Bis dahin hatte ich keinen einzigen Ball geschlagen. Dann endlich, in der vierten Unterrichtsstunde, schlug ich meinen ersten Ball. Wenn man das Spiel heute lernt, schlägt man nach drei Sekunden den ersten Ball. Aber damals ging es um Disziplin und die Fundamente. 

Daraus wurde sehr schnell eine herausragende Amateurkarriere..

NF: Meine erste Runde spielte ich an meinem 14. Geburtstag. Davor hatte ich drei Monate nur geübt. Ich glaube es war ein Ergebnis in den tiefen 80ern, aber ich war damals noch nicht mit den Regeln vertraut. Mit 15 wurde ich süchtig nach Golf, mit 16 verließ ich die Schule. Es war eine unglaublich starke Entscheidung meiner Eltern. Sie schenkten mir ihr ganzes Vertrauen und schickten mich auf den Platz. Ich spielte dann Amateurturniere und gewann. 1975 war ein großes Jahr, denn ich wurde English Amateur Champion, siegte bei den British Youths und gewann die Berkshire Trophy. Nach dem alten Handicap-System hatte ich zu Beginn des Jahres -3 und am Ende +1. Nur Sandy Lyle und ich waren landesweit im Plus-Bereich. Mit 18 spielte ich dann bereits für Großbritannien. Das war mein schneller Start in den Golfsport. 

Obwohl Sie Mitte der 80er Jahre den Golfsport dominierten, änderten Sie Ihren ganzen Schwung. Warum? 

NF: 1983 hatte ich fünf Turniere gewonnen und war die Nummer eins Europas. Im Sommer '84 vergeigte ich die Open. Ende des Jahres flog ich nach Südafrika und hatte eine Erleuchtung: 'Du hast es noch nicht', sagte ich mir. 'Das ist noch nicht gut genug.' Ich traf also David Leadbetter und wir sprachen über diese neuartige Rotations-Technik. Er erklärte mir, dass er damit sechs Probleme mit einer Änderung abstellen könne. Es dauerte dann bis 1985, als ich in Muirfield Village den Cut verpasste. Das war der Start. Es war keine dumme Entscheidung, aber es war ein wirklich dummer Zeitpunkt. Den Rückschwung in der Mitte der Saison zu verändern, ist natürlich Selbstmord. Es ging alles schief. Ich schlug die Bälle überall hin und spielte schlecht. Sehr schlecht. Auch die Medien sprangen auf. Das waren ganz dunkle Zeiten. Ich verlor sogar Sponsoren. Ende des Jahres war ich in Florida und schlug Tausende von Bällen pro Tag mit David. Ich hielt durch - und im Frühjahr '87 war ich wieder soweit, um Siege mitzuspielen. 

Faldo, der Designer

Inzwischen sind Sie stark im Golfplatzbau-Business engagiert. Eines Ihrer neuesten Projekte liegt in Vietnam und heißt Laguna Lang Cô. Wie oft sind Sie bei Neubauten vor Ort ?

NF: Wir haben die Faldo Series (internationale Jugendturnierserie; Anm.d.Red.) hierher geholt, und daher bin ich eigentlich zwei Mal im Jahr vor Ort. Dabei kümmern wir uns natürlich auch um das Fine-Tuning des Platzes. Der Platz trägt meinen Namen, daher möchte ich, dass der Kurs repräsentiert, für was ich stehe.  

Was sind die herausragenden Merkmale des Projekts?

NF:  Mit gefällt, wie einzigartig das Gelände ist. Man startet die ersten vier Bahnen in den Reisfeldern, dann geht es durch den Dschungel. Im Anschluss wartet ein Layout, das an die Sandbelt-Plätze Australiens erinnert, ehe es am Meer weitergeht. Nicht viele Plätze haben so eine Vielfalt an Szenarios.

Haben Sie eine Empfehlung für Vietnam im Bezug auf die tendenziell nach oben zeigende Nachfrage nach Golfplätzen? 

NF: Die Region zieht gerade sehr stark an. Nach 2008 mit dem Finanzcrash war es zwar eine harte Zeit, aber mittlerweile verfolgen wir einige Projekte. Wir haben einen weiteren Platz in Vietnam in Planung. Und wahrscheinlich werden Kurse in Myanmar, Laos und vielleicht auch in Südkorea entstehen. Es geht durchaus nach oben. 

Anhänge


Anzeige
Anzeige
Drei Stars am Tee (v.l.): Arnold Palmer, Jack Nicklaus und Gary Player. (Photo by www.garyplayer.com/bigthreegolf) Drei Stars am Tee (v.l.): Arnold Palmer, Jack Nicklaus und Gary Player. (Photo by www.garyplayer.com/bigthreegolf)

Größte Golfer aller Ze...

Palmer, Nicklaus, Player und Co.

Legenden des Golfsports und ihre kuriosen Geschichten.

weiterlesen
Nick Faldo (Photo by Getty Images) Nick Faldo (Photo by Getty Images)

Panorama

Faldo schlägt Tee-Verbot vor

Nick Faldo missfallen ausufernde Driver-Größen und Platzlängen.

weiterlesen
Sir Nick Faldo und Sergio Garcia (Photo by Harry How/Getty Images) Sir Nick Faldo und Sergio Garcia (Photo by Harry How/Getty Images)

Panorama

Faldo imitiert Garcias Ausraster...

Auch Sir Nick Faldo kann sich einen Beitrag zum jüngsten Skandal nicht verkne...

weiterlesen
Sir Nick Faldo zeigt Drills mit dem Tee (Photo by Golf.de) Sir Nick Faldo zeigt Drills mit dem Tee (Photo by Golf.de)

Training

Faldos Tee-Tipps

Sir Nick Faldo zeigt Drills mit einem herkömmlichen Tee als Hilfsmittel.

weiterlesen