Bild Information: Sebastian Heisele (Photo by Jan Kruger/Getty Images)

"Das Leben als Golfer ist nicht verkehrt"

Portrait: Sebastian Heisele
 

Sebastian Heisele ist Deutschlands siebter Golfer auf der European Tour 2017. Ein 2,01-Meter-Mann, der in Dubai und den USA seinen Sport lernte - und nun dorthin zurückkehren will.

Sebastian Heisele will jetzt erst einmal Pause machen. "Es waren schon harte Wochen", sagt er. Dann lacht er, weil er weiß, dass das mit dem Golfbag in der Ecke und den Beinen auf der Couch nicht ganz so seine Sache ist. "Spätestens am Wochenende wird mir wieder langweilig sein."

Dabei hätte sich der 28-Jährige ein paar Tage Müßiggang zuhause in München tatsächlich verdient, auch um all das zu realisieren, was 2017 so passiert ist zwischen Kenia, der Q-School und der Alfred Dunhill Championship in Südafrika, seinem ersten Turnier als vollwertiges Mitglied der European Tour. "Es war das beste Jahr meiner Karriere", sagt Heisele - es ist kein allzu überraschendes Fazit.

Seit 2012 ist der Weltbürger Heisele, aufgewachsen in Dubai, ausgebildet in der Leadbetter Academy in Florida und der University of Colorado, Profi. Über die Jahre kämpfte er sich nun über die damalige EPD Tour, die heutige Pro Golf Tour, und die Challenge Tour nach oben. Auch das war nicht immer eine leichte Zeit.

Im ersten Jahr auf der EPD Tour 2012 verpasste er den Aufstieg im Finalturnier mit einer 80er Runde. In seinem zweiten Jahr fehlte plötzlich deutlich mehr, Platz 22 in der Saisonwertung, eine große Enttäuschung. "So brauchst du gar nicht zu kommen", sagte sich Heisele und zweifelte an seiner Entscheidung, Golfprofi zu werden. Er ging zu einem Psychologen, arbeitete die Sache auf und kam dann doch zurück. "Es ist nicht ganz verkehrt, das gute Leben als Golfer", erkannte er - und holte sich im folgenden Jahr zwei Siege und wurde Zweiter in der Gesamtwertung.

Auf der Challenge Tour klappte es nun gleich im zweiten Jahr, auch wenn es der Extraschleife Q-School bedurfte. Vor der Saison war er bei Mental-Guru Bob Rotella, der ihm sagte: "Spiel einfach los!" Es klingt einfach, auch Heisele lacht darüber, dass er für solche Ratschläge einige Strapazen auf sich genommen hat, aber der Erfolg gibt Rotella recht. "Es geht um die Verdummisierung auf dem Golfplatz, das hilft einfach." Und so kann er seinem Jahr am Ende eine 2+ geben. Was fehlt zur Bestnote? "Der Titel."

Sebastian Heisele: "Zwei Jahre hinten angestellt"

Der soll nun eben in Liga eins folgen. Er will sich weiter entwickeln, die Erfahrung sammeln, die "ausschlaggebend" ist dort oben, wo sich die Besten messen. "Die Weltelite ist mit allen Wassern gewaschen" weiß er. Er ist demütig, seit er nach seiner Zeit bei David Leadbetter an die Uni kam und dachte, jetzt können alle mal zur Seite treten. Der, der im ersten Jahr wenige Schritte machte, war plötzlich er. "Ich habe mich erst einmal zwei Jahre hinten angestellt."

So lange will er diesmal nicht warten. Auch wenn das ganz große Ziel für 2017 noch außer Reichweite scheint. "Als Jugendliche sind wir immer zur Dubai Dessert Classic gepilgert, haben Tiger Woods und den anderen zugeschaut, dort wollte ich hin." Im ersten Jahr wird er wohl noch nicht ins Feld rutschen können. Aber er hofft noch, sonst soll es eben 2018 mit dem "ultimativen Ziel" klappen.

Dubai ist Heimat, nur während des Golfkrieges war die Familie für ein paar Jahre in Deutschland, ansonsten wuchs der junge Sebastian, "klein" kann man sich den 2,01-Meter-Mann nicht vorstellen, in der Wüste mit Golf auf. Die Ablenkungen hielten sich in Grenzen, Alkohol gab es so gut wie nicht, dafür immer perfekte Trainingsbedingungen.

Hilfe eines Förderers

In Dubai und Florida entwickelte Heisele seine große Stärke, für das er auch den richtigen Körper mitbringt: das lange Spiel. Am kurzen Spiel will er noch arbeiten. "Es geht bislang darum, dass ich Grüns treffe. Mache ich das nicht, folgt noch schnell das Bogey."

Es gibt noch einige Dinge, die Heisele auf seinem Wunschzettel hat, doch noch sei ja Zeit, die beste Phase eines Golfers komme noch.

Jetzt auf der European Tour wird auch die Sponsorensuche einfacher, so hofft er zumindest. Bislang unterstützt ihn neben der Familie ein Unternehmer, der seine Firma für Verpackungssysteme ebenfalls mit Hilfe eines Förderers groß machen konnte. Das will er nun an Heisele weitergeben und finanzierte schon dessen Zeit auf der Challenge Tour, "wo schnell 50 bis 60 Tausend Euro weg sind", so Heisele.

Auf der European Tour warten ähnliche Ausgaben - und eine Menge starker Kollegen. Aber auch eine deutsche Gruppe, in der sich die Neulinge gut aufgehoben fühlen können. Sieben deutsche Golfer schlagen 2017 in Liga eins ab, so viele wie nie. "Wir hatten dieses Jahr eine sehr nette Gruppe auf der Challenge Tour, alle mit demselben Ziel", so Heisele. "Es war fast eine deutsche Erfolgswelle, die mit den Ranglistenplätzen zwei und drei von Ritthammer und Knappe alle belohnte. Ich denke, dass diese doch sehr enge Freundschaft untereinander uns auch dieses Jahr wieder helfen wird."

Wenn das so ist, dann klappt es sicher irgendwann auch mit der Dubai Dessert Classic.

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