Bild Information: Sandra Gal (Photo by Jan Gal)

'Oftmals leben wir in einer goldenen Blase'

Interview: Sandra Gal
 

Sandra Gal spricht im Interview mit Golf.de über Heimatgefühl, die politische Situation in den USA und erklärt, warum asiatische Spielerinnen so dominant sind.

Sandra Gal ist seit 2008 auf der LPGA Tour unterwegs. Ihren bislang einzigen Titel feierte sie 2011. Die 31-Jährige erlebte sportlich gesehen ein durchwachsenes Jahr und landete am Ende außerhalb der Top 50 der Geldrangliste. Mit ihrer LPGA-Kollegin Caroline Masson vertrat sie im Sommer Deutschland bei den Olympischen Spielen.

Golf.de: Sie haben vor einiger Zeit auf Instagram geschrieben, 'die größte Herausforderung in unserem Sport ist es, die Leistung keinen Einfluss auf das Selbstwertgefühl haben zu lassen'. Was meinen Sie damit?
Sandra Gal: Naja, wir sind teilweise so von unserem Sport vereinnahmt, dass wir manchmal glauben, die Ergebnisse entsprächen unserem Selbstwertgefühl. Reflektion, Freunde und Familie helfen dann, Abstand zu nehmen und die Dinge in die richtige Perspektive zu setzen. Es ist immer noch unser Beruf und generell einer, in dem die Ergebnisse stark schwanken und man öfter verliert als gewinnt. Von daher muss das Selbstwertgefühl um einiges tiefer verankert sein.

Golf.de: Sie posten auf Instagram viele Bilder mit Ihrer Hündin. Kann auch sie bei der Aufarbeitung schlechter Runden helfen?
SG: Emi zeigt mir immer wieder, wie egal ihr meine Runden sind. Sie ist jeden Tag gut gelaunt und erfreut sich unglaublich am Leben. Auch das ist etwas, was meine Spielergebnisse in Perspektive setzt. Sie ist auch öfter mal bei Turnierwochen dabei.

Golf.de: Sie bezeichnen sich selbst als Philosophin, auf der Suche nach Wahrheit. Wie sieht die für Sie aus?
SG: Ich glaube, die eigentliche Wahrheit ist im 'Jetzt' zu finden. Jeder von uns will im Grunde genommen einfach nur glücklich sein. Aber statt dem Glück hinterherzurennen, macht es mehr Sinn, alles etwas zu verlangsamen und zu lernen, jeden Moment voll wahrzunehmen. Etwas mehr Achtsamkeit üben, mehr Freiheit und Ruhe von den eigenen Gedanken schaffen, mehr die Dinge um uns herum wertschätzen, liebevoller mit sich selbst und anderen umgehen, und mehr von den Sachen machen, die einem guttun. Mit anderen Worten: Aus der 'Jetzt'-Perspektive sind die wahren Dinge von den unwichtigen und unwahren besser identifizierbar.

Golf.de: War 2016 aus sportlicher Sicht ein gutes oder schlechtes Jahr?
SG: Beides. Vom Ergebnis her war 2016 ziemlich klar eines meiner schwächsten Jahre. Wie stereotypisch sich das aber auch anhören mag, glaube ich, dass ich in diesem Jahr allerdings mehr als in vielen Jahren zuvor auf und vor allem abseits des Golfplatzes unglaublich viel gelernt habe.

"Viele haben nicht einmal einen ordentlichen Schulabschluss"

Golf.de: Ihre Kollegin Caroline Masson hat in diesem Jahre ihren Premierensieg auf der LPGA Tour gefeiert. Wie schwer ist es, zu gewinnen?
SG: Ja, ich habe mich sehr für sie gefreut. In der Woche, in der man gewinnt, kommt es einem nicht so unglaublich schwer vor, doch in den Wochen, wo es nicht klappt, fühlt es sich manchmal so weit entfernt an. Die Spieler werden bei uns auf der Tour von Jahr zu Jahr besser, also muss man auch mehr dafür tun, um zu gewinnen. Allerdings hängt das Meiste von der inneren Einstellung ab.

Golf.de: Warum sind die asiatischen Spielerinnen so dominant?
SG: Weil die meisten von ihnen von klein auf nichts anderes machen als Golfspielen und dabei ziemlich unter Druck gesetzt werden. Viele von ihnen haben nicht einmal einen ordentlichen Schulabschluss.

Golf.de: Ist Golfprofi zu sein, Ihr Beruf, Ihre Berufung oder ein Segen?
SG: Alle drei Dinge auf einmal!

Golf.de: Sie verbringen die meiste Zeit in Amerika, kommen allerdings aus Deutschland und sind mit der Tour auf der ganzen Welt unterwegs. Wo fühlen Sie sich zuhause?
SG: Am meisten fühle ich mich in Deutschland, Orlando und Prag zuhause. Allerdings merke ich immer öfter, wie schnell ich mich an vielen anderen Orten auch 'zuhause' fühle.

Golf.de: Wie schätzen Sie die aktuellen Entwicklungen in Ihrer Wahlheimat Amerika ein?
SG: Es ist schwer für mich, eine Prognose aufzustellen und ich habe auch keine festgefahrene Meinung, was die aktuellen Entwicklungen angeht. Aber ich glaube, dass es momentan unglaublich wichtig ist, sich weniger über den Stand der Dinge zu beschweren und viel mehr zu schauen, wie jeder von uns etwas Positives beitragen kann. Sei es, indem man jemand anderem hilft oder einfach eine gute Einstellung zum Leben hat.

"Vertraue den tiefen demokratischen Wurzeln"

Golf.de: Befürchten Sie einen Wandel des Landes?
SG: Ich habe persönlich keine Befürchtungen und vertraue den tiefen demokratischen Wurzeln der amerikanischen Gesellschaft.

Golf.de: Donald Trump sorgte mit seinen Äußerungen gegenüber Frauen für zahlreiche Skandale. Die LPGA Tour suchte in der Vergangenheit die Distanz. Sollte die US Women's Open im Trump National in Bedminster ausgetragen werden?
SG: Ich habe kein Problem damit.

Golf.de: Fassen Sie Ihre Erlebnisse bei den Olympischen Spielen in Rio in einem Wort zusammen.
SG: Überwältigend.

Golf.de: Dieses Jahr haben Sie bereits zum zweiten Mal das Sandra Gal Charity Challenge Pro-Am ausgerichtet. Wie kam es dazu?
SG: Ich wollte seit längerer Zeit meinen Namen für einen guten Zweck einsetzen. Ich habe einen inneren Drang, mehr in diese Richtung zu tun. Ich organisiere seit einigen Jahren Auktionen und Spenden für Bedürftige. Uns geht es so gut und oftmals leben wir in einer goldenen Blase. Etwas von seinem eigenen Glück teilen zu können, ist wichtig und macht Freude. Es liegt mir auch sehr am Herzen, möglichst vielen Kindern die Möglichkeit zu bieten, den Sport und die Kunst kennenzulernen.

Golf.de: Wie fällt Ihr Feedback als Gastgeberin der Veranstaltung aus?
SG: Ich war unglaublich dankbar für die wunderbare Unterstützung von so vielen netten Menschen und meinen Tour-Kolleginnen. Alle hatten viel Spaß an dem gemeinsamen Tag. Am Ende konnten wir genug Geld für einen Spielplatz für bedürftige Kinder in Tampa zusammenbringen.

Golf.de: Frau Gal, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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