Bild Information: Bernhard Langer im Profil

Deutschlands Superstar im Schatten

Kommentar
 

Bernhard Langer gewinnt sein sechtes Major auf der Champions Tour. Seit vier Jahrzehnten übt der deutsche Ausnahmesportler Golf auf dem höchsten Niveau aus.

4. Oktober 1980. Bernhard Langer gewinnt in Wales das Dunlop Masters mit fünf Schlägen Vorsprung. Es war der erste Titel auf der European Tour für das junge Talent aus Westdeutschland. Es sollte nicht der letzte bleiben. 41 Siege auf der European Tour folgten, darunter zwei beim Masters Tournament. Am 27. Juli 2014 steht Langer wieder auf einem 18. Grün in Wales und darf eine Trophäe in den Himmel strecken. Doch es ist nicht der St. Pierre Golf and Country Club wie vor 34 Jahren. Und es ist auch nicht das Dunlop Masters. Es ist das 18. Grün des Royal Porthcawl Golf Club und die Senior Open Championship, die Langer mit 13 Schlägen Vorsprung gewonnen hatte.

Zwei Jahre später hat Langer seinen sechsten Major-Titel auf der Champions Tour gewonnen. Dieses Mal mit sechs Schlägen Vorsprung. Mit 58 Jahren hat der Deutsche nun 27 Trophäen in die Höhe gereckt - allein bei den Senioren. Er produziert immer neue Rekorde, klettert die ewigen Bestenliste nach oben. Wenn er sie nicht ohnehin schon anführt.

Größe abseits der öffentlichen Wahrnehmung

Die Leistung des deutschen Ausnahmesportlers ist auch Tage danach kaum zu fassen. Nach vier Jahrzehnten Profisport hört Langer nicht auf, zu gewinnen. Egal, ob auf der European oder jetzt auf der Champions Tour. Der Deutsche ist und war immer einer der Besten. Bernhard Langer ist einer der größten Sportler, die unser Land je hervor gebracht hat. Und das abseits der öffentlichen Wahrnehmung.

Es ist die Tragik der Sportart Golf, dass der lebenden Legende Langer in seinem Heimatland bislang bei weitem nicht so viel Anerkennung und Respekt entgegengebracht wird wie anderswo auf der Welt. In Ländern, in denen die Sportart Golf in der Öffentlichkeit stattfindet.

Über Langers historischen Major-Sieg bei der Senior Open Championship, der bis auf Tiger Woods' Leistung bei der US Open 2000, als er mit 15 Schlägen Vorsprung die Konkurrenz deklassierte, beispiellos ist, wurde in der deutschen Presselandschaft so gut wie nicht berichtet. Große Nachrichtenportale berichteten zwar über die neuesten Transfergerüchte der dritten Liga im Fußball, ließen Langers Triumph jedoch unerwähnt. Auch sein sechster Major-Sieg bleibt eine Randnotiz.

36 Jahre auf höchstem Niveau

Golf ist eine besondere Sportart. Ungeachtet von Alter und Statur kann man über Jahrzehnte hinweg den Sport professionell ausüben. Doch welcher andere deutsche Sportler war über diesen Zeitraum in seiner Sportart derart dominant wie Langer? Dazu noch in einem anderen Land? Golf ist in Deutschland eine Sportart, mit der Otto-Normal-Verbraucher im Regelfall in der Presse keinen Kontakt haben. Live-Bilder sind nur im Pay-TV erhältlich. Medien, die ausführliche Berichterstattung liefern, sind spezialisierte Formate.

So bleibt die Leistung eines Mannes, der seit 36 Jahren seine Sportart auf dem höchstmöglichen Level äußerst erfolgreich ausübt, weitestgehend unbemerkt und nicht ausreichend gewürdigt.

Auch die diesjährige Saison auf der Champions Tour zeigt, welche Leistung Langer Woche für Woche abliefert. Seine Konkurrenten in der Liga der Ü50-Spieler sind fast ausnahmslos ehemalige Welklassespieler. Darunter zahlreiche Major-Champions. Die Qualität ist enorm hoch, nur die Erfahrung ist noch geballter. Oftmals waren die Turniere umkämpft, und doch gelang es dem Deutschen, eines der wichtigsten Turniere der Saison mit einem Abstand zu gewinnen, der als eine der besten Leistungen des Golfsports in die Geschichte eingehen wird. Das sagen auch Kollegen und Weggefährten.

Man kann Golf mögen, oder auch nicht. Aber es ist schwer zu akzeptieren, dass die Leistung eines Mannes, der seit 36 Jahren Geschichte in seiner Sportart schreibt, nicht entsprechend gewürdigt wird. Bernhard Langer ist einer der größten Sportler, die Deutschland je hervor gebracht hat. Seine Karriere verlief und verläuft nur leider im Schatten.

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