Bild Information: Es wird wieder aufgeteet bei Olympia

Vom Außenseiter zum Musterknaben

Golf bei Olympia
 

Golf hat enorm von den Olympischen Spielen in Rio profitiert, die Einschaltquoten sind überragend. Auch Martin Kaymer und Co. haben daran einen entscheidenden Anteil.

Die Olympischen Spiele von Rio kamen nicht gut weg. Ausgiebig wurde geschimpft über das Chaos in der so einzigartig gelegenen Stadt mit ihren tollen Stränden. Viele altgediente Journalisten sprachen sogar von den schlimmsten Spielen, die sie je erlebt hatten.

Es war tatsächlich nicht immer einfach in Rio. Als Medienvertreter verbrachte man viel Zeit mit der Warterei auf Busse, die einen zu den Sportstätten bringen sollten. Wenn man dann drinsaß in einem der auf gefühlte 13 Grad Celsius heruntergekühlten Shuttles, verbrachte man oft Stunden im grauenvoll überlasteten Verkehr. Klar, nach ein paar Tagen hatte man das Chaos verinnerlicht und plante die zusätzliche Zeit ein. Viel schlimmer aber: den Sportlern ging es trotz eigens eingeführter Fahrbahnen zumindest teilweise ähnlich. Noch schlimmer für das größte Sport-Event der Welt: Leere Stadien. Man kann sich vorstellen, wie unbefriedigend es für die Athleten sein musste, gerade bei Olympia vor solch leeren Rängen zu starten.

Gekommen wären die Brasilianer sicher gerne. Gerade die Einwohner Rios, gehören zu den sportbegeistertsten Menschen weltweit. An der Copacabana, dem größten Strand der Stadt, reihen sich die Fußball- und Volleyballfelder über Kilometer hinweg aneinander. Doch die Preise der Eintrittskarten orientierten sich nicht am Einkommen der Landesbewohner, das bei knapp 260 Euro im Monat liegt, sondern waren für ein internationales Publikum ausgelegt, das zwar auch angereist war, ab nicht annähernd in einer Masse, um zum Beispiel die 60.000 Plätze des Olympiastadions zu füllen.

"Chance genutzt, sich als junge Sportart zu präsentieren"

Golf war nun in Rio erstmals seit über hundert Jahren wieder Teil des olympischen Programms. Und es stand schon im Vorfeld unter keinem guten Stern. Zumindest bei den Herren hatten einige der absoluten Topspieler abgesagt. Die Begründungen waren recht fadenscheinig  und beriefen sich auf das erhöhte Sicherheitsrisiko oder das durch die Aedes-aegypti-Mücke übertragbare Zika-Virus. Gemunkelt wurde über andere Gründe. Der Stellenwert von Olympischen Spielen sei im Golf zu gering, um dafür den durchgetakteten Terminplan abzuändern, es gebe keine großen Preisgelder, Komplikationen mit hochdotierten Sponsorenverträgen könnten durch das Tragen der Teamkleidung entstehen. Oder waren dem ein oder anderen vielleicht doch die für Olympia verschärften Dopingkontrollen zu unbequem?

Am Ende taten die Absagen nicht weh. Denn Golf verkaufte sich auch ohne McIlroy, Day und Co. in Rio ganz vorzüglich. Im Vergleich zu vielen anderen Sportarten kamen die Zuschauer – wohl auch, da die Wettkämpfe mitunter zu den günstigsten im olympischen Programm zählten.  "Golf hat die Chance mehr als genutzt, sich als junge Sportart zu präsentieren und das in vielen Ländern immer noch angestaubte Image zu entkräften", sah auch Ivan Ivan Khodabakhsh, Geschäftsführer der europäischen Damentour. "Die Einschaltquoten in den großen Golfmärkten waren gigantisch und haben unsere Sportart einem ganz neuen Publikum eröffnet."

Ladies-European-Tour-Chef Ivan Khodabakhsh: Daumen hoch für Golf bei Olympia

28 Prozent Marktanteil in Deutschland

In den USA sahen das Finale der Männer im Golf Channel und bei NBC insgesamt 8,8 Millionen Zuschauer – ein Wert, der für Golf in diesem Jahr nur von der Finalrunde des Masters Tournament übertroffen wurde. In Großbritannien schalteten beim Sieg von Justin Rose über die verschiedenen Angebote der BBC zusammen neun Millionen Zuschauer ein, was einem Marktanteil von über 44 Prozent entspricht.

Und Deutschland? Hierzulande wurden dank der ausführlichen Berichterstattung von ARD und ZDF ebenfalls für den Golfsport nie dagewesene Höchstwerte erzielt. Neben stundenlangen Livestreams hatte Golf auch im Hauptprogramm immer wieder kürzere und längere Übertragungszeiten bekommen. Die Entscheidung der Männer sahen in der ARD circa vier Millionen Zuschauer (28% Marktanteil), der erste Tag der Damen hatte im ZDF gegen 20:20 Uhr sogar einen Höchstwert von 5,33 Millionen Zuschauern.

Überall die große Begeisterung

Und dann war da ja auch noch Martin Kaymer. Der deutsche Superstar kam während seiner Zeit in Rio gar nicht mehr raus aus dem Schwärmen über den Olympischen Geist und das Zusammensein mit Sportlern jeglicher Couleur. Kaymer hatte es sichtlich genossen, aus dem luxuriösen Alltag der Golfprofis auszubrechen, um sich im Olympischen Dorf ein eher spartanisch gestaltetes Apartment mit Teamkollege Alex Cejka und zwei Trainern des DGV zu teilen.

In den sozialen Medien sah man Kaymer mit Hostessen Tischtennis spielen und wie er von Wettkampf zu Wettkampf eilte, um so viel möglich von dem Spielen aufzusaugen. Sogar bei seiner Abreise stellte er sich in der Abfertigungshalle des Flughafens von Rio noch einmal vor eine Kamera und betonte wiederholt, was es ihm bedeutete, ein Teil des Ereignisses Olympia gewesen zu sein. Alfons Hörmann, der Präsident des DOSB, gehörte spätestens nach Kaymers Pressekonferenz im Vorfeld seiner Wettkämpfe, zu dessen größten Fans und bedankte sich mit Besuchen auf der Golfanlage.

Nicht nur Martin Kaymer und die anderen deutschen Starter Caroline Masson, Sandra Gal und Alex Cejka zeigten sich gefangen von Olympia. Es gab kaum einen Spieler, der während der Spiele nicht große Begeisterung zeigte, dabei gewesen zu sein. Auch die Superstars der Szene wie Sergio Garcia, Henrik Stenson oder Matt Kuchar sprachen im Netz fasziniert davon, nicht wie sonst in ihrer Sportart üblich alleine auf den Abschlag zu treten, sondern für ein Team und letztlich für ein Land auf Medaillenjagd zu gehen.

In Tokio finden die nächsten Olympischen Sommerspiele statt. Auch im Jahr 2020 wird Golf dann wieder ein Teil der Spiele sein. Ob es das auch darüber hinaus sein wird, dazu wollte man sich seitens Internationalem Olympischen Komitee bislang noch nicht äußern. Doch nach der Vorstellung in Rio sollten die Vorzeichen mehr als gut sein. Golf hat seine Chance genutzt und wird es in Japan sicher wieder tun – dann hoffentlich auch bei den Männern mit den besten Spielern der Welt.

Sieger, Bilder, Fakten: das Olympia-Special von Golf.de

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