Bild Information: Ein Patron im Augusta National (Photo by Ezra Shaw/Getty Images)

Regeln in Augusta - Etikette oder Koketterie?

Masters Tournament
 

Der Augusta National Golf Club pflegt seine Traditionen. Das ist schön, nimmt aber zum Masters Tournament absurde Züge an.

Keine Smartphones, keine elektronischen Geräte. Die Tür des Augusta National Golf Club ist streng und mit jenen, die das Regelwerk bewachen und umsetzen, ist nicht zu spaßen. Wer auf der Anlage läuft, mag wertvolle Sekunden gutgemacht haben. Diese verbringt er danach allerdings außerhalb des Golfplatzes. Denn wer läuft, fliegt.

Bei keinem Turnier muss man als Besucher mehr beachten als beim ersten Major des Jahres. Das Masters Tournament steht für Beständigkeit, für Sportgeschichte, für Tradition. Seit 1934 gibt es das Turnier in Augusta, seit 1949 das Green Jacket für den Sieger. Jahr für Jahr werden Millionen von Fernsehzuschauern vom Weiß der Bunker geblendet, dürfen die manikürten Grüns und Fairways bestaunen, die perfekt blühenden Blumenbüsche bewundern und die besten Spieler der Welt von einem Teppich aus Piniennadeln schlagen, der immer glattgerecht aussieht.

Augusta - so akkurat, so amerikanisch, so absurd

Augusta ist die perfekte Inszenierung. So akkurat, so amerikanisch, so absurd. Die Liste der Dinge, die man als Zuschauer auf keinen Fall machen darf, ist deutlich länger als die, auf der Erlaubtes gelistet ist. Caddies müssen ihre weißen Malerkittel tragen. Lange Zeit wurde TV-Kommentatoren untersagt, über bestimmte Themen wie Preisgeld, Anzahl der Zuschauer oder verkaufte Tickets zu sprechen.

Das Pflegen von Traditionen ist ehrenhaft und gut. Sogar dem Smartphone-Verbot kann man etwas Charmantes abgewinnen. In Zeiten, in denen Momente nicht mehr erlebt oder genossen, sondern geteilt werden, kann man das Verbot als bewusstes Bekenntnis zum Analogen verstehen - und begrüßen. Doch das Ausmaß der Etikette grenzt schon an Koketterie. Augusta und das Masters ist ohnehin schon exklusiv, doch der Club versucht mit aller Macht, diesen Status zu festigen.

Der Februar war warm in Georgia in diesem Jahr. Die Azalee-Sträucher haben schon geblüht. Ein Masters ohne Azalee-Blüten droht. Eigentlich unvorstellbar. Doch den Verantwortlichen wird schon etwas einfallen. Mit Traditionen wird nicht gebrochen, nicht in Augusta.

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