Bild Information: Bernhard Langer und Fans bei der Houston Open (Photos by Getty Images)

Langers Schlussspurt und das Gefühl von Normalität

Tour-Rückblick
 

Bernhard Langer macht den Kampf um die Führung im Charles Schwab Cup nochmal spannend und auf der PGA Tour hört man wieder Zuschauer. Der Rückblick aufs Wochenende.

PGA Tour Champions

Für gewöhnlich wird nach der Charles Schwab Cup Championship der beste Spieler der Saison gekürt. Im Jahr 2020 ist aber wenig gewöhnlich und so musste sich auch die PGA Tour Champions an den ausgedünnten Tour-Kalender anpassen und Änderungen vornehmen. Der Charles Schwab Cup wird nun also erst im nächsten Jahr vergeben und damit verlor das dieswöchige Event etwas an Bedeutung. Trotzdem markierte es den Schlusspunkt eines turbulenten Jahres, das zwei Spieler gerne als Führender der Saisonwertung überwintert hätten. Bernhard Langer ging mit einem knappen Vorsprung von etwa 27.000 Punkten auf Ernie Els ins letzte Saisonevent.

Und der Deutsche machte es nochmal spannend. Als geteilter 28. in die Finalrunde der Charles Schwab Cup Championship gegangen war die Tür für Els ein gutes Stück offen. Der Südafrikaner, der in diesem Jahr bereits zwei Turniere gewinnen konnte, lag nur knapp außerhalb der Top Ten und sah sich virtuell schon fast an Langer vorbeiziehen. Doch der 63-jährige Anhausener lieferte einmal mehr genau dann ab, als es am nötigsten war. Eine fehlerfreie 64 (-7) am Finaltag katapultierte Langer um 23 Ränge in die Top 5 und damit lag er schlaggleich mit eben jenem Els. Beide Routiniers holten gleichviele Punkte und im Charles Schwab Cup änderte sich nichts. Langer erreichte ein wichtiges Zwischenziel und kann nun mit einem guten Gefühl nach Augusta reisen, wo er zum 37. Mal beim Masters Tournament antreten wird.

Abseits vom spannenden Kampf um die Führung in der Gesamtwertung ging es in Phoenix, Arizona, natürlich auch um einen Titel. Hier kristallisierte sich ein Zweikampf heraus, der deutlich länger dauerte als geplant. Denn Paul Broadhurst und Kevin Sutherland müssen am Montag noch einmal zurück auf den Platz und den Sieg ausspielen. Das Duo teilte sich die Führung bei 15 unter Par und ging somit ins Stechen. Hier konnte jedoch auch nach sechs gespielten Löchern kein Sieger gefunden werden, da beide Spieler jeweils alles in Par spielten. Abwechselnd teete man auf den Bahnen 17 und 18 des Phoenix Country Club auf.

Aufgrund der einkehrenden Dunkelheit einigte man sich darauf, das Playoff auf Montag zu verschieben. Vom längsten Playoff auf der PGA Tour Champions sind Broadhurst und Sutherland aber noch ein paar Bahnen entfernt. 1998 benötigte David Graham mal zehn Löcher, um seinen Konkurrenten Dave Stockton zu bezwingen.

PGA Tour

Wer am vergangenen Wochenende die Houston Open im Fernsehen verfolgte und zwischendurch mal die Augen schloss, könnte etwas vergessen haben, in welchen Zeiten wir aktuell leben. Denn nachdem bereits bei der Bermuda Championship in der Vorwoche 500 Zuschauer pro Tag auf die Anlage gelassen wurden, stockte man in Houston auf 2.000 auf. Und plötzlich war wieder Stimmung auf dem Golfplatz. "Es ist großartig, wieder vor Fans zu spielen", sagte der Texaner Scottie Scheffler. "Die Energie ist definitiv eine andere, als wenn wir nur für uns sind. Ich denke, die PGA Tour hat einen großartigen Job gemacht, uns und die Fans zu schützen." Selbstverständlich galt für alle Zuschauer die Maskenpflicht und zumindest der Großteil hielt sich auch dran.

Wer nun aber hofft, dass man sich dem Zustand von vor der Corona-Pandemie weiter annähern würde, wird zunächst enttäuscht. Die verbleibenden PGA-Tour-Events des Jahres werden nämlich wieder unter Ausschluss von Fans stattfinden. Dies hänge nämlich stets von den Vorgaben der lokalen Behörden ab. Das Fazit nach zwei Wochen mit Fans fiel jedenfalls positiv aus. Ein Hoffnungsschimmer.

Die Houston Open gewinnen konnte Carlos Ortiz. Der 29-Jährige holte als erster Mexikaner seit 42 Jahren wieder einen Titel auf der PGA Tour und musste sich dafür gegen namhafte Gegner durchsetzen. Hideki Matsuyama und Dustin Johnson teilten sich den zweiten Rang zwei Schläge hinter Ortiz, der dank des Sieges zwar nicht beim kommenden Masters, dafür aber bei der 2021er Ausgabe startberechtigt sein wird.

Ebenfalls lange Zeit im Titelkampf vertreten war der Wiener Sepp Straka, der am Ende geteilter Fünfter wurde. Ein Doppel-Bogey auf der 14 warf den 27-Jährigen aus der absoluten Spitzengruppe, jedoch scheint sich die Houston Open zu so etwas wie seinem Lieblingsturnier zu mausern. Bereits im vergangenen Jahr wurde er hier geteilter Vierter. Straka belegt nach dem jüngsten Top-5-Ergebnis nun den 35. Platz im FedExCup.

European Tour

Einem, den der viermonatige Corona-Lockdown ganz besonders zusetzte, war Robert MacIntyre. Während der Zeit, in der das soziale und öffentliche Leben komplett heruntergefahren wurde, hatte der Schotte irgendwann mit mentalen Problemen zu kämpfen. "Ich wurde das Gefühl nicht los, dass ich meine Zeit vergeude", so MacIntyre, der anfangs noch an seinem Gewicht arbeitete, um stärker zu werden. Doch als er dieses Ziel erreicht hatte, fiel er in ein Loch. Der European-Tour-Rookie des Jahres 2019 benötigte Hilfe und ging zu einem Psychologen. "Das hat mir enorm dabei geholfen zu wissen, was ich tun muss: einfach mir die Zeit nehmen und ich selbst sein."

Die letzten Dämonen dürften spätestens mit dem Erfolg beim Cyprus Showdown verschwunden sein. "Das ist es, worauf ich hingearbeitet habe", sagte MacIntyre nach seinem ersten Titelgewinn auf der European Tour. "Ich habe einige schwierige Monate hinter mir und nur meine Familie weiß, was ich durchgemacht habe." Eine weitere Person, die einen großen Anteil am Durchbruch des 24-Jährigen hat, ist sein neuer Caddie Mike Thomson, einst an der Tasche von Brooks Koepka. "Mike hat mir gut zugeredet und wir sind endlich da, wo wir hingehören." Jetzt, wo der Kopf wieder frei ist, können wir noch viel erwarten vom jungen MacIntyre.

Aus deutscher Sicht hatte der Cyprus Showdown ebenfalls positive Nachrichten hervorgebracht. Denn mit Bernd Ritthammer schaffte es immerhin einer der drei deutschen Starter ins Finale der besten 16. Lange Zeit sogar in geteilter Führung gelegen reichte es am Ende zur ersten Top-Ten-Platzierung des Jahres. Für den geteilten neunten Rang auf Zypern erhielt Ritthammer knapp 19.000 Euro, die ihn auf den 188. Platz im Race to Dubai vorspülten.

Challenge Tour

Auf der Challenge Tour wurde tschechische Golfgeschichte geschrieben. Denn als erster Tscheche überhaupt gewann Ondrej Lieser ein Turnier auf einer der beiden großen europäischen Touren. Dank einer 67 (-5) an Tag vier der Andalucia Challenge de Espana setzte sich der 29-Jährige mit zwei Schlägen Vorsprung auf Richard Mansell durch. "Es fühlt sich unglaublich an", so Lieser nach dem historischen Sieg. "Ich war so ruhig und habe den Moment wirklich genossen."

Das perfekte Rüstzeug für den ersten Challenge-Tour-Titel habe ihm die deutsche Pro Golf Tour gegeben. "Schaut man auf die letzten drei Spieler, die den Aufstieg geschafft haben, dann zeigt es, wie gut die Tour einen auf das höhere Level vorbereitet", sagte der Fünftplatzierte der Pro Golf Tour Order of Merit 2019. Lieser ist nach Sami Välimäki (European Tour) und Hurly Long (Challenge Tour) bereits der dritte Spieler aus dem Jahrgang, der mit einem Titelgewinn Fuß fassen konnte. Dank des Erfolges in Spanien verbesserte er sich im Road to Mallorca Ranking auf den sechsten Rang und ist damit sicher beim Saisonfinale dabei.

Die Teilnahme am Grand Final hat Marcel Schneider schon lange fest eingeplant. Der gebürtige Baden-Württemberger beendete die Andalucia Challenge de Espana auf dem geteilten 17. Rang und verteidigte damit die Führung im Gesamtranking. Bei zwei verbleibenden Events in dieser Saison schmolz der Vorsprung jedoch auf unter 4.000 Punkte, da Schneiders ärgster Verfolger Mansell dank seines zweiten Rangs im Iberostar Real Club de Golf Novo Sancti Petri knapp 20.000 Punkte auf den Deutschen gutmachte.

Das beste Ergebnis aller neun deutschen Teilnehmer in Andalusien feierte Nicolai von Dellingshausen. Der 27-Jährige wurde geteilter Elfter und verbesserte sich damit auf den 33. Platz im Road to Mallorca. Dies war von Dellingshausens bestes Resultat auf der Challenge Tour seit der Rolex Trophy im August 2019.

Ladies European Tour

Das beste Ergebnis ihrer noch recht jungen LET-Karriere spielte Laura Fünfstück beim Nachtturnier in Dubai ein. Mit einem Gesamtergebnis von neun unter Par nach drei Runden beendete sie die Omega Dubai Moonlight Classic auf dem geteilten dritten Rang einen Schlag hinter den schlaggleichen Führenden Minjee Lee und Celine Boutier. Für das erste Top-3-Finish ihrer Karriere erhielt Fünfstück einen Preisscheck in Höhe von mehr als 11.000 Euro. Zudem verbesserte sie sich auf den zwölften Platz im Race to Costa del Sol, der Saisonwertung auf der Ladies European Tour. Das Stechen unterm Mondschein entschied die Australierin Lee dank eines Birdies auf dem ersten Extra-Loch für sich.

Die deutschen Ergebnisse im Überblick:

PGA Tour Champions, Charles Schwab Cup Championship: Bernhard Langer T5.

European Tour, Cyprus Showdown: Bernd Ritthammer T9, Sebastian Heisele T33 und Maximilian Kieffer T41.

Challenge Tour, Andalucia Challenge de Espana: Nicolai von Dellingshausen T11, Alexander Knappe und Marcel Schneider T17, Marcel Siem T45, Hurly Long T58, Moritz Lampert, Haiko Dana, Dominic Foos und Allen John CUT.

Ladies European Tour, Omega Dubai Moonlight Classic: Laura Fünfstück T3, Olivia Cowan T17, Karolin Lampert T23 und Esther Henseleit T35.

Symetra Tour, Symetra Tour Championship: Sophie Hausmann T18, Isi Gabsa und Greta Isabella Völker T24.

Starker Ritthammer in Top Ten Fünfstück Dritte in der Nacht von Dubai

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