Bild Information: Michael Weichselgartner (Foto: Thomas Kirmaier)

"Eine Medaille für Deutschland - das wär's!"

European Championships 2022
 

Exklusiv-Interview mit Valley-Chef und Munich2022-Gastgeber Michael Weichselgartner.

Die European Championships werden 2022, also 50 Jahre nach den Olympischen Spielen in Bayerns Landeshauptstadt, nach München kommen. Welche Erinnerungen haben Sie an Olympia 1972?

Michael Weichselgartner: Sehr gute. Zwei, drei Monate vor Olympia in München waren Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften im Olympiastadion. Da war ich als Vorläufer dabei, konnte dann als Mittelstreckler an den 400 und 800 Meter-Wettbewerben verletzungsbedingt nicht teilnehmen. Bei den Olympischen Spielen selbst haben wir sehr viele Veranstaltungen besucht. Das war eine tolle Atmosphäre. Besonders der Mehrfach-Erfolg von Mark Spitz war natürlich grandios. Bei Klaus Wolfermanns Sieg im Speerwerfen war ich live dabei. Insofern ist das super, dass sich jetzt mit der Austragung der Golfwettkämpfe bei uns in Valley nach 50 Jahren auch wieder ein Kreis schließt.

Warum ist die Anlage in Valley ideal für die Ausrichtung der European Championships?

MW: Das sehe ich vor allem aus sportlichen Aspekten. Diese Anlage wurde extra für so etwas gebaut. Es gibt aber mehrere Gründe, wovon ein großer die Nachhaltigkeit ist. Die Region soll davon profitieren. Wir liegen traumhaft zwischen München und Tegernsee. Das ist eines der beliebtesten Ziele für Touristen und das Event wird der gesamten Gegend sowie der touristischen Weiterentwicklung helfen. Das ist der größte Vorteil, den wir hier haben. Die Nachhaltigkeit, weil alle, wirklich alle von diesem Ereignis mittel- bis langfristig profitieren werden.

Wie wird sich die Anlage, speziell der Platz, bis 2022 noch verändern müssen?

MW: Vom Design muss nichts verändert werden. Wir haben hier die besten Grüns weit und breit, mit 27 Löchern und einem öffentlichen Neun-Löcher-Golfpark hervorragende Möglichkeiten. Natürlich ist die Anlage nach zwölf Jahren seit Baubeginn und Eröffnung 2009 etwas in die Jahre gekommen. Hier und da werden wir daher ein paar Schönheitsreparaturen vornehmen müssen.

Golfplätze, insbesondere der Ihre, sind Rückzugsort und Heimat zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Wie verträgt sich das mit einer kommerziellen Sportveranstaltung?

MW: Wir haben hier eine sehr große Fläche. Von den 150 Hektar, auf denen sich die Golfanlage befindet, wird ungefähr ein Drittel, vielleicht maximal 40 Prozent, tatsächlich für Golf benutzt. Der Rest steht der Natur vollumfänglich zur Verfügung. Schon beim Bau haben wir darauf geachtet; so waren es damals die Auflagen, dass wir der Natur ihren Ursprung zurückgeben. Dass wir wieder wert legen auf heimische Tiere und Pflanzen, was uns vortrefflich gelungen ist. Eine Vielfalt an Bienen, Schmetterlingen, Heuhüpfer, Grillen. Es gibt eine Masterarbeit, die belegt, dass hier 250 Pflanzenarten vorherrschen, die ich zum Teil seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen habe. Das ist einzigartig, was uns hier gelungen ist. Und diese Flächen für die Natur, die betritt niemand. Auch nicht bei einem Turnier wie der European Championships.

Gibt es eine Prognose, wie viele Zuschauer zu erwarten sind beim Event 2022?

MW: Man spricht von fünf- bis sechstausend pro Tag. Wir müssen die Anlage für Mitglieder und Gäste nur eine Woche lang sperren. Der große Vorteil unserer 27-Löcher-Anlage - im Übrigen auch für die Medien - ist, dass zeitgleich Damen und Herren ihre Wettkämpfe über drei Tage austragen können. Am Abschlusstag soll dann der Mixed-Wettbewerb über die Bühne gehen.

Wie ist die Reaktion unter den Mitgliedern?

MW: Die Resonanz wird sehr positiv sein, weil wir in Valley eine sehr sportlich orientierte Mitgliederschaft haben. Die freuen sich, wenn etwas los ist und eine so hochkarätige Veranstaltung auf unserem Platz stattfinden kann. Rechtlich sind wir dahingehend auf der sicheren Seite, weil es in den Verträgen mit unseren Mitgliedern festgehalten ist, dass ich den Platz für eine Großveranstaltung 14 Tage schließen kann.

Es werden Spieler, Betreuer, Trainer, Medien, Zuschauer und mehr kommen. Gibt es genügend Hotels? Kann die Region das stemmen?

MW: Tegernsee und der Münchner Süden bieten wirklich ausreichend Unterkünfte, sodass das leicht machbar sein wird. Schon damals bei unserer Ryder-Cup-Bewerbung mussten wir diesbezüglich gewisse Kriterien erfüllen und Möglichkeiten darlegen. Zudem befinden wir uns aktuell in Gesprächen, um ein Hotelprojekt in direkter Nachbarschaft bis Sommer 2022 zu realisieren.

Und die Anbindung aus der Innenstadt bzw. vom Olympiapark, wo die meisten Wettkämpfe stattfinden werden?

MW: Der große Vorteil ist, dass alle zehn Minuten ein Zug von der Innenstadt nach Holzkirchen geht. Entweder S-Bahnen oder die Regionalverbindungen nach Salzburg oder Rosenheim. Von dort aus wird ein Shuttleservice eingerichtet, der die Zuschauer in nur wenigen Minuten direkt auf unsere Anlage bringen wird.

Mit dem Ryder Cup hat es in Deutschland nicht geklappt. Die European Championships kommen. Sind diese aus sportlicher Sicht vielleicht sogar interessanter als ein reines Golfevent wie der Ryder Cup?

MW: Der Ryder Cup ist prinzipiell mit nichts zu übertreffen. Für Golf ist es dennoch von Vorteil, dass es zum ersten Mal über mehrere Stunden und Tage auf ARD und ZDF gezeigt wird. Das wird eine sehr gute Werbung für den Golfsport sein - und natürlich auch für uns in Valley eine großartige Sache. Und das Beste: Es geht um Medaillen. Es könnte nichts Besseres passieren, wenn ein deutscher Golfer oder eine deutsche Golferin eine Medaille holt. Dann hätten wir alle gewonnen, wenn das passieren würde. Es gibt neunmal Edelmetall zu gewinnen. Sollte es Bronze, Silber oder gar Gold für Deutschland geben, würde sich Golf im Medaillenspiegel wiederfinden, wäre das eine großartige Sache. Sind wir doch mal ehrlich: Wer würde sich schon für Rodeln interessieren, wenn Deutschland da nicht ständig Medaillen gewinnen würde.

Kann und möchte Valley nach der European Championship 2022 weitere Turniere auf der European Tour ausrichten?

MW: Wollen ja, aber es gibt keine Möglichkeit. Weil es keine Ausrichter gibt. Der Wunsch der PGA European Tour wäre ein Challenge Tour Event oder ein Turnier der Senioren- oder Damentour. Vielleicht findet sich durch die Europameisterschaft ein Sponsor, der ein Turnier bei uns nach 2022 unterstützt und ausrichtet. Das wäre natürlich ein Traum. Aber es ist diesbezüglich nichts in Sicht. Wer weiß, was passiert.

Auf der Tour wird derzeit heiß diskutiert, ob man kurze Hosen generell erlauben soll. Die Europameisterschaft wird 2022 im deutschen Hochsommer bei Ihnen stattfinden. Wie steht Michael Weichselgartner zu kurzen Hosen im Golfsport?

MW: Wir sind hier in Valley ja sehr damenlastig. Die spielen alle schon in kurzen Hosen und Röcken. Ich würde das den Herren selbst überlassen, ob sie in kurzen oder langen Hosen spielen wollen. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass auch Golf etwas moderner werden darf. Wenn es heiß ist, sollten also auch Herren auf der Tour durchaus in kurzen Hosen spielen dürfen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die European Championships 2022 Valley bekommt den Zuschlag

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