Bild Information: Caroline Masson beim Solheim Cup 2019 (Photo by LET)

Deutsche Damen hervorragend

Damengolf
 

Die deutschen Damen glänzen auf beiden großen Profi-Touren - eine Ursachenforschung.

Caroline Masson und Sandra Gal heißen die beiden deutschen Golfproetten, die in der Öffentlichkeit im Moment wohl am bekanntesten sind. Das deutsche Duo mischt bei internationalen Turnieren der US-amerikanischen LPGA Tour in der höchsten Liga regelmäßig mit. Die beiden Damen aus Gladbeck und Düsseldorf könnten demnächst bald Gesellschaft aus den eigenen Reihen bekommen. Denn unterhalb dieses Spitzenbereichs des deutschen Profigolfens hat sich bei den Damen in den letzten Jahren einiges getan. Zum Positiven, wie Marcus Neumann meint: "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und sind auf der Höhe der Trainingswissenschaft", sagt der Sportdirektor des Deutschen Golf Verbands/.

Unter den Top 15 der Ladies European Tour (LET) befinden sich mit Esther Henseleit, Olivia Cowan, Laura Fünfstück und Karo Lampert vier Sportlerinnen aus Deutschland. Die in diesem Jahr so richtig durchgestartete Henseleit schaffte zudem den Sprung ins LPGA-Lager. Nicht zu vergessen Isi Gabsa und Sophia Popov, die bereits auf der US-amerikanischen Profitour Erfahrungen sammeln konnten.

Infrastruktur und Philosophie-Wechsel

Was hat sich also in den letzten Jahren seit der letzten deutschen Golferinnen-Hochzeit Anfang der 2000er Jahre verändert und wo liegen die Gründe für den positiven Aufschwung? "Es wurde an vielen Stellschrauben gedreht", meint Neumann. Besseres individuelles Coaching, eine Sport-Trainingskonzeption inklusive einer engeren Zusammenarbeit mit Heimtrainern, Clubs und Landesverbänden sowie immer professioneller aufgestellten Bundesliga-Vereinen sind für das DGV-Vorstandsmitglied ebenso eine Ursache wie eine gute Gruppendynamik im aktuellen deutschen Spitzen-Quartett unterhalb der LPGA Tour. Bessere Trainingsmöglichkeiten inklusive dem sich stark weiterentwickelten Athletikbereich sowie qualifizierteren Trainern als noch vor Jahren kämen laut Neumann zudem hinzu.

Der aktuelle Damen-Bundestrainer Stephan Morales sieht die jüngste Entwicklung unter anderem auch in einer neuen Philosophie begründet. "Amateurspielerinnen können sich auf einmal eher vorstellen, Golf zu ihrem Beruf zu machen", sagt der Hesse. Laut Morales unterstütze der DGV heutzutage die Jugendspieler mehr als zuvor, was "den Start deutlich leichter werden lässt". Auch in der Struktur der deutschen Nationalmannschaft, dem Golf Team Germany (GTG), sieht Morales einen Zugewinn. Insbesondere für Spielerinnen, die sich bei fortschreitender Karriere außerhalb von Europa versuchen. "Sie haben nicht das Gefühl, dass sie das Haus verlassen müssen, sondern gehören immer noch dazu."

Trotz der Fortschritte sehen die Verantwortlichen noch zahlreiche Optimierungsmöglichkeiten im System. Vor allem in personeller und finanzieller Hinsicht sieht Neumann noch Luft nach oben. Mehr qualifiziertes Personal könne auch mehr Erfolge bringen. Das Vorzeigebeispiel Schweden mit einem knapp 30-köpfigen Betreuerstab bekräftigt Neumann in seiner Meinung. "Da herrscht dann ein größerer Wohlfühlfaktor im Team, was bei den Damen eine Rolle spielt", befindet Neumann.  

Eine entscheidende Rolle schreibt Morales der LET zu. Ein stiefmütterliches Dasein der europäischen Tour dürfe auf keinen Fall entstehen. "Wir brauchen in Europa einen guten Tour-Bereich, in dem wir Spielerinnen in Richtung Amerika entwickeln können." Dass die LET in der Öffentlichkeitswahrnehmung aktuell nicht gerade ihre Hochzeiten durchmacht und Entwicklungspotenzial hat, ließ auch Henseleit in Ihrem Exklusiv-Interview mit Golf.de durchschimmern. "Es ist ein langsamer Prozess, aber ich glaube, dass schon einige Schritte in die richtige Richtung passiert sind und wir in der Zukunft mehr Aufmerksamkeit bekommen werden", sagte die Senkrechtstarterin aus Varel.

Sorgen macht den Verantwortlichen vor allem die Situation im Amateurbereich. An der Basis hat der allgemeine Abwärtstrend bei der Anzahl der Golfspieler auch die weiblichen Sportler erreicht. 2018 waren laut DGV-Statistik zwar immer noch über ein Drittel der rund 642.000 deutsche Golfer weiblich. Doch sinkende Zahlen zu den Vorjahren sind auch bei den Golferinnen in fast allen Altersklassen bis 50 Jahre nicht von der Hand zu weisen. Der historische Gesamttrend der 2018 erstmals leicht abnehmenden Anzahl an deutschen Golfern (-0,4 Prozent in 2018) ist bei den Damen ebenso wie bei den männlichen Golfern nicht spurlos vorbeigegangen. "Die Basis wird nicht breiter. Da läuft es leider gegentrendig. Es werden immer weniger Kinder und Jugendliche. Das macht uns Sorgen", sagt Neumann. Bei den Herren liefe es zudem nicht so rosig wie es aktuell bei den Damen sei. Auch dort müsse man laut dem Sportdirektor etwas positiv verändern. "Wir geben Gas und hoffen, mehr Spieler auf die Challenge Tour zu bekommen."

Im Zuge des wichtigen Amateur-Jahres 2020 mit der WM in Hongkong und den prestigeträchtigen olympischen Spielen in Tokyo sowie den zwei Jahre drauf folgenden European Championships 2022 in München wolle man dieser negativen Entwicklung an der Basis insbesondere bei den öffentlichkeitswirksamen Wettbewerben entgegenwirken. Um dann daraus auch irgendwann einen Ertrag an der Spitze zu erhalten und das eingeschlagene Ziel der nächsten Jahre bei den Damen zu verwirklichen. "Wir müssen uns mehr in Richtung USA orientieren. Ziel ist es, dass mehr deutsche Spielerinnen auf der US-Tour landen", sagt Morales.

Gutes Kaderpotenzial attestiert

Ein mit dem Institut für angewandte Trainingswissenschaft der Uni Leipzig entwickeltes neues Leistungsdiagnostik-Trainingsplanungsprogramm soll dem deutschen Golfsport an der Spitze demnächst einen weiteren Fortschritt im Bereich der Digitalisiereung bringen. Um wieder an frühere Glanzzeiten heranzukommen, müssen die Hausaufgaben weiterhin so fleißig erledigt werden. Ein positives Feedback der letzten Jahre sieht Neumann in dem vor kurzem veröffentlichten vorläufigen Bericht der PotAs-Kommission. Der DGV schnitt dort bezüglich des Kaderpotenzials und der Leistungsentwicklung unter den begutachteten Sommersportarten gut ab.

Unterhalb des Spitzenbereichs bei den Damen sieht sich Morales mit seinem Mädchen-Bundestrainer-Kollegen Sebastian Rühl gut aufgestellt. "Wir können uns auf ordentlichen Nachschub freuen. Die Rädchen greifen gut ineinandergreifen." Neumann will bei all den positiven Entwicklungen jedoch nicht allzu große Erwartungen gegenüber Top-Nationen wie den USA und Korea schüren. "Im Vergleich zu den Asiaten und dem USA stehen wir natürlich anders da", relativiert Neumann. In struktureller Hinsicht gibt es ohnehin noch Aufholarbeit, was ebenfalls der Bericht der PotAs-Kommission mit einem Platz im hinteren Mittelfeld jüngst belegte. Neumann ist jedenfalls optimistisch, was die Zukunft des deutschen Damen-Golfs angeht: "Erfolg ist nicht planbar. Planen kann man aber Leistung."

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