Bild Information: Le Morne auf Mauritius (Photo by MTPA Bamba)

Insel im Aufwind

Mauritius
 

Mauritius punktet mit Neuentwicklungen im Norden. 

Langsam plätschert die Musik dahin. Die Wärme macht träge, nur das Dutzend Kinder draußen auf der Terrasse rennt unbeeindruckt durch die Gegend.  Der Blick ihrer Eltern fällt auf eine Landschaft in Dunkelgrün, die in der prallen Sonne liegt. Ein dichtes Gemisch aus Palmen und Büschen, aus Teepflanzen und mannshohem Gras. Es ist ein Traumtag auf Mauritius, alles wuchert - aber hier oben in den Bergen weht zumindest ab und an eine kühle Brise den Golfplatz von Avalon entlang.

Avalon: Ein Country Club im Landesinneren

Die Mauritianer haben diesen Golfplatz für sich entdeckt. Ein Country Club inmitten der Insel. Ein bezaubernder Ort, der all’ das mit sich bringt, was die Einheimischen in das Landesinnere zieht: Den weiten Blick über die Insel bis zu den Küsten hinab. Das Gefühl von Höhe und Abgeschiedenheit, das sich so sehr unterscheidet von dem Getümmel unten an den Küsten und Stränden. Das wilde Grün, durchzogen von verwucherten Gräben und kleinen Bachläufen. An einem heißen Sonntag wie diesem zieht es die wenigen Mauritianer, die selbst Golf spielen, hier hoch. Auf den relativ breiten und nicht allzu schweren Bahnen lernt sich der Sport relativ leicht. Es gibt kaum Bunker, nur die Grüns sind tricky, das Spieltempo ist gemäßigt und keiner macht Stress.

 

 

Der wirkliche Golf-Tourismus ist hier, auf der zweijüngsten Golf-Anlage der Insel noch nicht angekommen. Ein Blick entlang allerdings der Bahnen allerdings zeigt: Auch auf Mauritius sind Golf-Immobilien inzwischen ein Thema – die ersten Bungalows für Südafrikaner und Europäer, die hier eine Ferienimmobilie suchen, sind längst gebaut. Aber das Gros der Touristen tummelt sich unten entlang der Küsten und ihrer berühmten Strände, die so hübsche Namen wie Flic en Flac tragen. Kilometerlange pudrig weiße Abschnitte mit Blick auf ein tiefblaues Meer.

Zehn 18-Löcher-Plätze machen die Insel zur Golf-Destination

Für den Europäer  ist Mauritius immer noch ein Ort zum Träumen. Knappe elf Stunden Flugzeit liegt Mauritius von Deutschland entfernt, aber die Zeitverschiebung ist mit rund drei Stunden erfreulich gering. Wer ein ähnliches Setting aus Palme, Strand, Meer und tropischen Temperaturen erwartet, findet Alternativen nur in der Karibik, in der Südsee, auf den Inselgruppen der Seychellen oder der Nachbarinsel La Reunion.  Von dort aber zieht es die Einheimischen ebenfalls nach Mauritius, weil die Strände hier schöner sind, die Insel ein wenig weltmännischer: Mehr Restaurants, mehr Shopping, mehr Hotels – zweifellos auch mehr Golf.

Davon hat die Insel reichlich: Zehn 18-Löcher-Plätze insgesamt, fast alle an den Küsten, allerdings nur wenige direkt am Meer. Le Paradis machte den Anfang, hier verlaufen die neun letzten Löcher direkt am Wasser, der Berg von Le Morne steht im Hintergrund.  Der Name Le Paradis steht für das, was die ersten Golftouristen 1962 fühlten, als auf der Halbinsel das erste Hotel eröffnete.  Es war ein kleines Golf-Paradies irgendwie weg vom Rest der Welt. Von diesem ersten Hotel namens Le Morne Plage ist nichts mehr übrig. Das Dinarobin-Hotel ist längst ganz neu erstanden, ein Adult-Only-Teil ergänzt das 5-Sterne-Haus, das den Kolonialstil der Insel so gut verkörpert. Zusammen mit dem Le Paradis war dies der Ursprung des Golftourismus, der die Insel heute so prägt. Inzwischen zieht sich ein Netz von Anlagen durch die Landschaft, wobei sich vor allem an der Westküste in letzter Zeit viel bewegt.

Mont Choisy im Nordwesten ist ein neuer Spitzenplatz

Neben dem 2016 eröffneten Avalon in der Mitte hat Mont Choisy 2017  im Nordwesten diesen Teil der Insel für Golfer verstärkt belebt, zumal die Anlage vom Niveau deutlich besser ist als der nächste Platz La Tamarina. Relativ flach aber mit einem abwechslungsreichen Layout, einer Vielzahl von Abschlagsvarianten und interessanten Grünformationen versehen, ziehen sich die 18 Löcher zehn Minuten von der Küste entfernt durch das Hinterland. Die einheimische Beachcomber Hotel-Gruppe, die insgesamt acht Hotels auf der Insel betreibt, hat von Beginn an einen wesentlichen Block Startzeiten gekauft. „Wir gehen davon aus, dass der Anteil der Golfer hier deutlich zunehmen wird, bis dato war diese Zielgruppe in diesem Bereich der Insel noch schlecht bedient“, resümiert Beatrice Descroizilles vom Royal Palm Hotel. Für das High-End-Luxus Haus, das zu den Top 3-Hotels der Insel zählt, ist der Golfplatz wichtig. Individualtouristen sind die Haupt-Zielgruppe des Hotels, Golf als Teil des Programms wird zunehmend nachgefragt.

 

 

Wobei für Mont Choisy wie für den Rest der Insel im Hinblick auf das Golf-Angebot ein Punkt sehr wesentlich ist: Die Entwicklungsgesellschaften der einzelnen Anlagen, meist die Zuckerbarone der Insel, die inzwischen versuchen, das nachlassende Agrargeschäft durch hochqualitativen Tourismus auszugleichen, haben es geschafft, der hohen Qualität der Hotels ein ebenbürtiges Golf-Produkt an die Seite zu stellen.

Hier spielen die Profi-Touren

Plätze auf Tour-Niveau hat Mauritius einige: Im Heritage Le Telfair, einer großzügigen Golfanlage, die schon mit einem mächtigen Eröffnungsloch ihren Anspruch an die Sportlichkeit der Besucher klar macht, ist die PGA European Tour mit ihren Profis regelmäßig zu Gast. Mont Choisy hätte ebenfalls das Zeug zum Turnierstandort. Im Osten der Insel spielt die europäische Staysure Tour in Belle Mare Plage. Auf der nur mit Boot erreichbaren Insel Ile aux Cerfs, ebenfalls im Osten, hat Bernhard Langer einen Spitzenplatz designed. Mit Avalon eher in der Mitte und Tamarina sowie Le Paradis im klimatisch stabileren und weniger windigen Westen zieht sich ein Netz von allesamt erstklassigen gepflegten Golfplätzen über die Insel, dessen Personal in Sachen Serviceorientierung andere Golfer-Hotspots wie die Türkei oder auch Spanien weit hinter sich lässt. Gruppen-Gedrängel im Clubhaus, endlose Staus an Par-3-Bahnen oder Abschlagszeiten auf der Driving Range sind hier ein Unding.

Hier hat man hat Zeit. Man nimmt sie sich auch, weil dieses Insel-Feeling einfach zum Loslassen führt. Beim Golf hat das übrigens eine sehr entspannende Wirkung. Ein Abschlag in den Indischen Ozean bedeutet zwar auch einen Strafschlag, ist aber irgendwie weit weniger negativ als ein Fehlschuss in irgendeinen deutschen Bach. 

Hotels

Beachcomber Hotels & Resorts ist die führende und größte einheimische Hotelgruppe, die sich mit insgesamt acht Standorten über die ganze Insel verteilt und in sämtlichen Hotels Golf-Kooperationen und Greenfeeabkommen anbietet. Die Häuser reichen vom High-End-Luxus Hotel Royal Palm Beachcomber Luxury bis zum All-inclusive-Hotel Le Cannonier, das eher auf Familien und ein deutlich jüngeres Publikum ausgerichtet ist und wie das Trou aux Biches Resort am nächsten zum neuen Mont Choisy-Golfplatz liegt. Eine ansprechende Kombination ist das sportliche Le Paradis Golf Resort & Spa mit dem direkt benachbarten eher eleganten Dinarobin Beachcomber: Hier kann man zwischen den Restaurants und Sportanlagen wechseln.

 

 

Das Klima

Aufgepasst bei der Wahl der Saison. Im deutschen Winter ist auf Mauritius Sommer und heftige Regenfälle durchaus üblich, die allerdings regional sehr unterschiedlich ausfallen. Im deutschen Sommer sind die Temperaturen immer noch sehr angenehm, der Regen geringer. Hier liegen die Hotels und Plätze im Westen der Insel dann geschützter.

Die Plätze

Für alle 18-Löcher-Plätze der Insel gilt: Der Pflegezustand ist durchgängig sehr hoch, die Grüns bestens in Schuss. Service und Freundlichkeit fallen auf, der Eindruck der Massenabfertigung, der in vielen südeuropäischen Golf-Destinationen inzwischen doch recht häufig ist, fehlt völlig. Nachdem Greenfeeabkommen mit Hotels Standard sind, sind auch die Greenfees für den Standard der Plätze eher gemäßigt. Wenn sie nicht sofort im Package enthalten sind, ist man in der Regel mit 50 bis 80 Euro dabei. Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.  Wer allerdings glaubt, er spiele auf Mauritius ständig am Meer entlang täuscht: Die meisten Plätze liegen etwas hinter der Küstenlinie ins Landesinnere versetzt, bieten aber trotzdem spektakuläre Blicke. 

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