Bild Information: Porto liegt am Fluss Douro

Porto: Die heimliche Hauptstadt

Reise
 

Eine Genusstour für Golfer an die Ufer des Douro.

Nein, Linksgolf nach schottischem Vorbild erwartet der Portugal-Reisende in Porto wohl nicht. Wer die Hauptstadt des Portweins ansteuert, setzt normalerweise auf eine Kombination aus Golf und Genuss, um dann festzustellen, dass er hier ab und an auf Ansätze von Linksgolf trifft.

Die Plätze rund um Porto sind nicht weltbekannt, eher ein Geheimtipp. Auf jeden Fall sind sie einen Ausflug wert. Im Portweinhandel tätige Briten legten 1890 den Oporto Golf Club an. Er ist der zweitälteste Golfplatz auf dem europäischen Festland. Weil sie den schottischen Golfarchitekten Mackenzie Ross beizogen, wurde es ein echter Linksc-Course. Man hüte sich vor dem elften Loch, einem langen und schmalen Par 5, das bei munterem Nordwind kaum zu spielen ist. Auch Estella Golf ist ein Links-Course schottischer Art - allerdings portugiesisch variiert mit Bermudagras, wie man es häufig in heißen Gegenden findet.

Miramar Golf wurde ebenfalls von Mackenzie Ross entworfen. Die neun Löcher in der Küstenlandschaft auf Sanddünen lassen auch dann keine Langeweile aufkommen, wenn man die Runde zwei Mal dreht, um auf 18 Löcher zu kommen. Zumal an nahezu jedem Loch der Blick auf der Atlantik präsent ist. Fest steht, dass man an dieser Küste Golferlebnisse hat, die man anschließend bei einem guten Abendessen ein wenig nachfeiern kann.

Das Hanzelszentrum mit Charme

Eine bessere Stadt als Porto lässt sich hierfür kaum finden. In der Stadt selbst unkt man, hier werde das Geld verdient, welches in Lissabon mit vollen Händen ausgegeben würde. Das mag damit zu tun haben, dass sich Porto, eine der ältesten europäischen Städte, seit der Hochblüte des Portweins als heimliche Hauptstadt sieht. Zumindest erweckt der Blick von Portos Altstadt auf das gegenüberliegende Ufer des Flusses Douro mit den unzähligen Portweinhallen von Vila Nova de Gaia den Eindruck von Geschäftigkeit und gediegenem Wohlstand.

Portugiesisch heisst die Stadt Oporto: der Hafen. Von hier gingen die Portwein-Segler mit ihren Pipas auf die Reise und brachten auf der Rückfahrt an der Luft getrockneten Klippfisch, Kabeljau aus Neufundland, mit. Den hatten sie gegen die Schafwolle getauscht, die sie beim Entladen ihres Portweins in England an Bord genommen hatten. Dieses Dreiecksgeschäft lief immer dann besonders erfolgreich, wenn sich England und Frankreich bekriegten und die Engländer sich andere Weinquellen sichern mussten. Viele englische Handelshäuser gründeten deshalb Niederlassungen in Porto bzw. in Vila Nova de Gaia. Als Ende des 18. Jahrhunderts der Golfplatz bei Porto gebaut wurde, lag der Anteil an gutbetuchten englischen Kaufleuten bei über 15 Prozent.

Die Küche: Ausgefallen und authentisch

Der Handel Portwein gegen Stockfisch verankerte den Bacalau tief in den Essgewohnheiten der Portugiesen. Es heisst, es gäbe für den Bacalau 365 verschiedene Rezepte. Weil Vorbereitung und Zubereitung eines Stockfischgerichts viel Zeit und eine geübte Hand erfordern, kommt es häufig bei Einladungen auf den Tisch, wenn dem Gast etwas Besonderes geboten werden soll. Das kann dazu führen, dass  Gastgeber (wie bei einer Reise des Autors) als Hauptgericht an fünf Abenden hintereinander Bacalau servieren - durchaus in unterschiedlichen Varianten. Berühmt wurden auch Gerichte wie Kutteln und andere Innereien nach Porto-Art, der Caldo Verde, eine Suppe aus in Streifen geschnittenen Kohlblättern, sowie die samstägliche Feijoada, Eintopf aus roten Bohnen, Chorizo (pikante Paprikawurst) und Fleisch. Nicht zu vergessen die Natas, die Sahnetörtchen, und die Tarte de Limao, Zitronentorte.

Links und rechts entlang der 213 Flusskilometer des Douro bis zur spanischen Grenze werden in einem streng definierten Gebiet Portwein und seit einigen Jahren auch interessante trockene Rotweine angebaut, die man während des Besuchs testen sollte. Während die sogenannten Shipper mehrheitlich am Ende des Flusses, am Hafen ihre Lodges haben und auch fremde Weine verarbeiten, dürfen die Abfüller/Produzenten nur Weine aus Weinbergen herstellen, die auf ihren Namen eingetragen sind. Dass auf kleineren Quintas die Trauben zunehmend wieder nach alter Tradition stundenlang mit nackten Füssen in grossen Granittanks gequetscht werden, ist ein Bekenntnis zur höchsten Qualität: Es gibt keine schonendere Pressung, die mehr Süsse und Finesse erzeugt.

Der Knotenpunkt für Portweinkenner

Am Douro sind noch mehr als hundert Rebsorten zu finden. Für Neuanpflanzugen werden überwiegend fünf Sorten verwendet, die sich bewährt haben: Tinta Barocca, Tinta Roriz, Tinta Cao, Touriga Nacional und Touriga Francesca. Der eigentliche Vorgang, der Wein von den Dourohängen zu Portwein macht, ist der Benefizio - die Zugabe von 76 bis 78 prozentigem Weinbrand oder 98 prozentigem Weindestillat zum gärenden süssen Traubenmost. Dadurch wird die Gärung gestoppt. Der Zeitpunkt bestimmt die spätere Süsse des Portweins, der als Endprodukt durchschnittlich 20 Volumenprozent Alkohol aufweisen muss.

Bitte einen Vintage

Wer sich näher mit Portwein beschäftigen möchte, beginnt damit am besten im IVDP, Instituto dos Vinhos de Duoro e Porto, im Zentrum der Altstadt. Mit einem Einblick in die Produktionsprozesse ist die komplizierte Welt der Portweine leichter zu verstehen. Dirk van Niepoort, dominierender Vertreter der Duoro-Boys, wie sich die jungen Portweinproduzenten gerne nennen, erklärt das Thema gerne als Pyramide: An der Spitze stehen die Jahrgangsweine, die Vintage-Ports, die Könige der Portweine. An ihrer Seite die Colheitas. "Vintage wird von Gott mit Unterstützung des Menschen geschaffen, Colheita vom Menschen mit der Unterstützung Gottes", präzisiert er den Unterschied. Nach einer erstklassigen Runde Linksgolf in Portugal aber kann es eigentlich nur ein Glas Vintage sein.

Text: Christian Wenger

Golfanlagen und Hotels: 

  • Oporto Golf Club: www.oportogolfclub.com, Greenfee 45 bis 75 Euro, Sa/So nur nach Anmeldung
  • Club de Golf de Miramar (9 Löcher): www.cgm.pt, Greenfee: 50 bis 70 Euro
  • Estela Golf Club: www.estelagolf.pt, Greenfee: 75 Euro
  • Amarante Golf Clube: www.golfedeamarante.com, Greenfee: 43 bis 58 Euro, Sa/So nach Anmeldung
  • Flores Village Hotel&Spa: Porto www.floresvillage.com, 20 Zimmer und Suiten von 140 bis 355 Euro, historisches Gebäude aus dem 18. Jahrhundert mit allen Annehmlichkeiten
  • The Yeatman: www.the-yeatman-hotel.com, 82 Zimmer und Suiten von 340 bis 1.794 Euro, Weinhotel mit luxuriösem Wellnessbereich und atemberaubenden Panoramablick auf Porto
  • Hotel da Bolsa, www.hoteldabolsa.com, 34 Zimmer ab 90 Euro, komplett renoviertes Stadtpalais in der Alstadt von Porto, nahe dem Portweininstitut
  • Cantina 32:  Rua das Flores 32, Porto, Tel. +351 222 039 069, trendiges Restaurant, Küche basiert auf spannenden Tapas
  • Pedro Lemos Restaurante: Rua do Padre Luís Cabral 974, Porto, Tel. +351 220 11 59 86, klassisches Ein-Sterne-Restaurant
  • Flow Restaurant&Bar: Rua de Conceiçao 63, Porto, Tel. +351 222 05 4016, kreative portugiesische Küche sowie ein knackfrisches Sushi-Angebot
  • Barao Fladgate: Rua do Choupelo 250, Vila Nova de Gaia, Tel. +351 223 74 2800, gehört zum Portweinhaus Taylors, klassische Küche mit grandioser Aussicht
  • Duoro- und Portweininstitut, Rua Feirreira Borges 27, Tel. +351 936 809 283, www.ivdp.pt, Führungen (5 Euro) montags bis freitags zwischen 11 und 19 Uhr, Degustation von zwei Portweinen inbegriffen
  • Ramos Pinto, Av. Ramos Pinto 400, Vila Nova de Gaia, in der Touristensaison täglich Führungen durch Museum und Keller mit anschliessender Weinprobe
  • Ähnliche Führungen und Proben bieten fast alle der über 60 Portweinhäuser in Vila Nova de Gaia an. Zum Beispiel Burmester, Croft, Graham, Fonsecca, Offley, Ferreira, Sandemann, Taylor, Warre. 

 

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