Bild Information: Mit Aussicht: Der Blick auf den Aberdovey Golf Club in Wales

Auf der Spur des Drachen

Reisebericht
 

Der kleinste Teil von Großbritannien zählt nur etwas mehr als drei Millionen Einwohner. Dafür gibt es mehr als 200 Golfclubs. Golf.de war im Land des Drachens unterwegs. 

Als Bernhard Langer 2014 mit 13 Schläge Vorsprung die Senior Open Championship gewann, war der Deutsche voll des Lobes für Royal Porthcawl, den Austragungsort des Majors: "Um die Grüns hat man so viele Optionen: Man kann putten, aber auch ein Eisen 4, eine 7 oder ein Lob-Wedge verwenden. Man braucht nur die Vorstellungskraft, um zu sehen, wie der Ball laufen wird. Hier kann man jeden Schläger einsetzen, das macht einfach Spaß." 

Ähnlich sehen es Greenfee-Gäste, die auf dem bekanntesten Platz von Wales abschlagen. Die 18 Löcher liegen direkt an der Küste, eine Dreiviertelstunde nordwestlich vom Flughafen Cardiff. Nach einem Sandwich im charmant-gemütlichen Clubhaus geht es für unseren internationalen Vierer (Adam aus England, Martin aus Schweden und Vincent aus Holland) auf den windumtosten ersten Abschlag. Links sprühen die Wellen die Gischt in den Sand. Parallel zum Strand verläuft das Fairway. Ein zu starker Hook in den Gegenwind ist tödlich, denn dann startet man gleich mit einem Aus-Ball. Wir brauchten alle ein paar Löcher, um ins Spiel zu kommen, genossen dann aber klassisches Links-Golf: Die Bälle rollen endlos aus, den tiefen Pott-Bunker entgeht man nur mit viel Strategie und die Putts laufen wie auf Glasplatten. 1895 wurden die ersten Neun fertiggestellt, 1909 erhielt der Platz das "Royal", also königlich, im Namen. Diese Ehre genießt in Wales nur noch St. Davids in Harlech. Die Historie ist groß: Sechs Mal wurde hier die Amateur Championship ausgetragen, dazu der Walker Cup 1995, in dem der damals 19 Jahre junge Tiger Woods gegen den eher unbekannten Engländer Gary Wolstenholme ein Einzel verlor.

Links-Trip: Porthcawl - Tenby - Aberdovey

Uns zog es los, denn so klein Wales auch scheint: Die Strecken zwischen den Clubs haben es oft in sich. Die Autobahn M4 geht nur durch den südlichen Teil des Landes bis nach Llanelli. Ab da regieren überwiegend kleinere Landstraßen. Das ist für versierte Autofahrer (Linksverkehr!) durchaus unterhaltsam, kostet jedoch viel Zeit. Wir fahren eineinhalb Stunden weiter in das kleine Küstenstädtchen Saundersfoot, das nah am Tenby GC liegt. Hier erwartete uns das über der Stadt gelegene St. Brides Spa Hotel mit Blick auf das Meer und exzellenter Küche. Tenby ist keine 15 Minuten entfernt. Der Links-Platz, dessen Geschichte bis ins Jahr 1888 zurück geht, gilt als Geburtsstätte des walisischen Golfsports. Selbstverständlich ist der Platz auch 2017 noch zock-tauglich. Beachtlich, wie so häufig an der Küste: Auch einige heftige Schauer setzen dem Zustand nicht wirklich zu. Wir erwischen einen nassen Tag, genießen die Runde aber dennoch.

Nach Aberdovey sind es im Anschluss fast drei Stunden mit dem Auto, obwohl eigentlich nur 160 Kilometer zu bewältigen sind. Doch die meiste Zeit steigt die Tachonadel nicht über 40 Meilen. Die Belohnung wartet an der Cardigan Bay: Das idyllische Penhelig Arms, das erneut mit erstklassiger Küche (Rosette im Gastroführer AA) aufwartet. Der Abend wird lang, dennoch stehen wir pünktlich um 7.45 Uhr am ersten Abschlag des Aberdovey GC. Erneut erwartet uns großes Links-Golf auf dem optisch vielleicht beeindruckendsten Platz. Dünen, hohe Gräser an den Bunkerkanten und die salzige Luft des rauschenden Meers machen das Spiel zum Erlebnis. Wer möchte, kann sogar mit dem Zug anreisen oder direkt vom Platz per Bahn nach Harlech weiterfahren. 

Genau das machen Martin und ich, während der Rest der Truppe nachmittags per PKW in den Royal St. Davids GC fährt. Hier spielen wir bei bestem Wetter weitere 18 Löcher und genießen die Stille auf dem Platz, die sich nach den ersten Löchern auftut. Eigentlich war hier Mal eine Luxushotel mit Ausblick auf Platz, Cardigan Bay und Harlech Castle (UNESCO-Weltkulturerbe) geplant, das bis zum Ryder Cup 2010 fertiggestellt werden sollte. Doch dem Investor ging das Geld aus - und die alte Bauruine thront immer noch am Berg über den Schlusslöchern. Die Gerüchte über einen möglichen Baubeginn gehen aber weiter. 

Gefangen in Portmeirion 

Bis dahin kommen Wales-Gäste gerne und gut im 20 Minuten entfernten Portmeirion unter. Das Resort an der Küste von Snowdonia ist wirklich etwas Besonderes - und hat ein wenig Ähnlichkeit mit Disney Land. Sir Bertram Clough Williams-Ellis (1883–1978) hat den Hotel- und Appartement-Komplex im Stil eines am Mittelmeer gelegenen Städtchens entwickelt. Hier wurde übrigens auch die britische TV-Serie "The Prisoner" (In Deutschland als "Nummer 6" bekannt) gedreht. Darüber hinaus ist Portmeirion auch für sein Keramikgeschirr bekannt - und die Fans strömen untertags in Scharen durch die kleinen Gassen. Abends hat man als Hotelgast aber seine Ruhe und kann den bezaubernden Blick in die Bucht genießen. 

Nefyn - der beste im Norden

Außerdem ist das Architektendorf eine gute Ausgangsstation für die Teetime im Nefyn GC. Rund eine Dreiviertelstunde dauert die Anfahrt zum spektakulärsten Kurs in Wales. Nefyn ist die walisische Antwort auf Pebble Beach oder Old Head im irischen Kinsale. die 27 Löcher liegen an der Lleyn-Halbinsel auf einem Plateau, dessen äußerster Bereich als "Point" bezeichnet wird. Der Verlauf der acht Löcher auf der 9-Löcher-Schleife "Old" ist gigantisch und erinnert an die Golfplatz-Zeichnungen von Guillermo Mordillo. Spielbar ist der Kurs bei Wind fast nicht. Wobei: Ian Woosnam, immer noch der bekannteste Golfer von Wales, hält mit einer 67 den Platzrekord.

Vier Stunden mit dem Auto geht es dann zurück in den Süden in das Celtic Manor Resort, wo 2010 die Ryder-Cup-Spieler und ihre Entourage logierten. Das 5-Sterne-Resort ist mittlerweile gar nicht mehr so teuer, könnte in den Zimmern aber ein wenig Modernisierung vertragen. Dafür sind die drei hauseigenen Resort-Plätze (Twenty Ten, Roman Road und The Montgomerie) in einem sehr guten Zustand. Parkland-Golf gibt es auch in der Umgebung: Der Newport Golf Club stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist immer noch ein Schnäppchen. 

Hotel- und Restaurantempfehlungen

Süden

Norden

Veranstalter

Gespielte Plätze

Allgemeine Infos

Lage: Mit rund 20.000 km² ist das westlich von England gelegene Wales der kleinste Landesteil von Großbritannien. Im Norden grenzt Wales an die Irische See, im Westen an den St.-Georgs-Kanal und im Süden an den Bristolkanal. Die Landesflagge ziert ein roter Drache, der auf walisisch Y Ddraig Goch heißt. 

Zum Wetter: Oft bewölkt, nass und windig, mit warmen Sommern und milden Wintern. An der Südküste ist das Klima  milder als im Rest des Landes. Für Golfer dennoch kein Problem, aber die Regenkleidung unbedingt mitnehmen. Windig ist es fast immer!

Beste Reisezeit: Die meisten Clubs sind ganzjährig geöffnet. Aber von April bis Mitte Oktober ist Hauptsaison. 

Flugverbindungen: Cardiff, Bristol und London-Heathrow werden von zahlreichen deutschen Flughäfen angeflogen.

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