Bild Information: Streuobst auf Golfplätzen - vor allem in Baden-Württemberg ein großes Thema.

Weltkulturerbe auf Golfplätzen

Golf & Natur
 

Streuobstwiesen werden in UNESCO-Register aufgenommen.

Gute Ideen sind immer ein Anfang. Wer sie umsetzt, auch gegen Widerstände, der braucht Mut, Kreativität und Energie. All das bewies der Hochstamm e.V., ein bundesweit tätiger Verein engagierter Naturschützer aus Initiativen, Kommunen und Verbänden mit einem ganz konkreten Ziel, das auf dessen Website so formuliert ist: "Die Landkarte der Hochstamm-Streuobstwiesen bekommt Jahr für Jahr mehr Lücken. Mit jeder der Wiesen geht ein besonderes Stück Natur verloren, das vielen bedrohten Tier- und Pflanzenarten ein einzigartiges Habitat bietet. Wo die alte Kulturlandschaft mit den hochstämmigen, großkronigen Obstbäumen verschwindet, verschwinden auch zahllose alte Obstsorten; robuste, perfekt an die regionalen Bedingungen angepasste Bäume, mit außergewöhnlichen Aromen und Geschmacksvariationen."

Daher lautet die Idee, Streuobstwiesen-Freunde dabei zu unterstützen, den verbliebenen Bestand zu erhalten. Kein leichtes Unterfangen, zumal vielerorts Flächen versiegelt und Wohnräume geschaffen werden müssen. Die Hochstamm-Initiative möchte aufzeigen, was Streuobstwiesen so besonders macht. Bereits 2019 hatte der Verein mit Sitz in Baden-Württemberg einen entsprechenden Antrag eingereicht. Mit Erfolg, denn am Freitag, 19. März 2021, entschieden die Kulturminister der Länder, dass der Streuobstanbau einen Eintrag in das bundesweite Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe erhält.

Ein weiterer großer Erfolg für das Projekt "Lebensraum Golfplatz", das der Deutsche Golf Verband in Zusammenarbeit mit den baden-württembergischen Golfanlagen, dem Umweltministerium und dem Baden-Württembergischen Golfverband ins Leben gerufen hatte. Ziel: Die vorhandenen Biodiversitätsflächen auf Golfanlagen quantitativ und qualitativ auszubauen und somit der Sportart Golf zu einer neuen Wahrnehmung in Politik und Gesellschaft zu verhelfen.


Das DGV-Projekt "Lebensraum Golfplatz"

Zu den tatkräftigen Unterstützern in Sachen Streuobstanbau gehören neben Privatpersonen, Landwirten und Obstbauvereinen auch Golfanlagen. Konkret und in Zahlen: Die 95 Golfanlagen in Baden-Württemberg stellen zusammen rund 6000 Hektar Fläche zur Verfügung, von denen über 3000 Hektar - also mehr als 50 Prozent - Lebensraum für Flora und Fauna sind. Ein richtungsweisendes Projekt haben die Verantwortlichen der Golfanlage Schönbuch bereits 2014 erfolgreich umgesetzt. So können Mitglieder und Gäste gerade jetzt, in den blühenden Frühlingsmonaten, den öffentlichen Obstbaumlehrpfad an die Golfanlage durchkreuzenden Wanderwegen bewundern, der Informationen zu alten, regionalen Obstbaumsorten liefert.

"Auf unserem 125 Hektar großen Areal der Golfanlage befinden sich 361 Obstbäume. Zusammen mit den eigenen 13 Bienenvölkern auf dem Golfplatz entsteht so eine wertvolle Natursymbiose", erklärt Marcel Gallmayer. Der Geschäftsführer des Golfclubs Schönbuch ist stolz, mit dem Obstbaumlehrpfad und der damit einhergehenden großen Baumpflanzaktion zum Erhalt der Kulturlandschaft beizutragen. "Dafür ausgezeichnet zu werden, ist nicht nur eine Ehre, sondern ein Ansporn, weiterzumachen und in vielfältiger Weise mitzuhelfen, die Herausforderungen der Zukunft hinsichtlich Klimawandel so mitzugestalten und zu unterstützen." 2019 hatte der Golfclub Schönbuch dafür den 2. Platz beim DGV-Innovationspreis - Abschlag der Ideen erhalten.



Ebenso engagiert ist man diesbezüglich auf der Anlage des Golfclubs Domäne Niederreutin. Die Streuobstwiesen werden dort seit jeher fachmännisch vom Greenkeeper-Team unter Leitung von Josef Reiß gepflegt und erhalten. Man legt Wert auf regionale Identität und lokale Sorten: "Neben rund 200 Apfelbäumen, unter anderen Brettacher, Boskop und Gewürzluiken, stehen auf der Anlage 80 Birnen- und 50 Zwetschgenbäume. Ein Teil der Äpfel wird jedes Jahr zu biozertifiziertem Apfelsaft gepresst und unter anderem an die Mitglieder verkauft. So konnten die Greenkeeper letztes Jahr aus einer Tonne Äpfel zirka 600 Liter leckeren Saft gewinnen", erzählt Markus Eblen, Geschäftsführer der Anlage. Auch die Golferinnen und Golfer wüssten das gute Obst am Rande der Spielbahnen zu schätzen. "Wenn die Früchte reif sind, pflücken sie gerne und oft das Obst direkt vom Baum", so Eblen.

Das Thema Nachhaltigkeit ist auch den Verantwortlichen des Golf- und Landclubs Schloss Liebenstein in Neckarwestheim wichtig. Geschäftsführer Holger Meyer: "Golf und Natur gehören zusammen, man kann sie nicht getrennt betrachten." Der Eintrag der Streuobstwiesen ins Register des UNESCO-Weltkulturerbes sei ein großer Erfolg; die auf der Gesamtfläche verteilten Streuobstwiesen auf Golfplätzen seien nun zwar erfreulicherweise zertifiziert, allerdings nur ein Teil der Gesamtkonzepte.

Auch auf der Golfanlage Schloss Monrepos sind die Verantwortlichen in Sachen Streuobst aktiv. Neben alten Gehölzen wurden im Lauf der Jahre immer wieder zahlreiche zusätzliche Obstbäume, ausschließlich Sorten aus der Region, gepflanzt und gepflegt. "Wir haben uns damals bewusst für den spezifischen Sortenerhalt im Landkreis Ludwigsburg entschieden", verrät Marc-Frederik Elsäßer. Er ist in seiner Funktion nicht nur für die Golfanlage Schloss Monrepos zuständig, sondern von Seiten der Hofkammer des Hauses Württemberg als Grundstückseigentümerin auch für die Golfanlagen Schönbuch, Domäne Niederreutin und Schloss Liebenstein.



Die Verantwortlichen des Golfclubs Schloss Monrepos (v.l.): Marc-Frederik Elsäßer (Geschäftsführer) sowie Werner Linnenfelser und Günther Kasten vom Team Umwelt

"Die Pflege der Streuobstbestände soll mit Hilfe unseres Mitglieds Günther Kasten sowie dem Obst- & Gartenbauverein Asperg mit Familie Jutta Ziegler weiter intensiviert und im Sinne der Umweltbildung für die interessierte Öffentlichkeit beim Wandern auf dem Planetenweg aufbereitet werden", so Elsäßer. Auf der Domäne Monrepos fand im November 2019 auch das 1. Umweltsymposium des Baden-Württembergischen und Deutschen Golf Verbandes zum Thema Lebensraum Golfplatz statt - ein richtungsweisender Start für die Förderung der Artenvielfalt auf Golfanlagen in Kooperation mit dem Umweltministerium Baden-Württemberg.

Golf und Natur - das passt. Beide Bereiche fügen sich zu einer Symbiose zusammen. In diesem Fall beim Thema Pflege und Erhalt von Streuobstwiesen. Und wenn ein von höchster Stelle ausgezeichnetes Projekt zeigt, wie stark sich Deutschlands Golfanlagen in Sachen Umweltschutz engagieren, dann ist aus einer anfänglich guten Idee aus Baden-Württemberg nun einmal mehr ein großer Erfolg geworden.

Der Initiator: der Verein Hochstamm Deutschland Zum Projekt Lebensraum Golfplatz

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